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Wie zuverlässig ist ein Atemalkoholtest?

15.03.2016, von , in Karte anzeigen

Reporter Moritz Pompl beim Pusten

Reporter Moritz Pompl beim Pusten

Wenn die Polizei betrunkene Autofahrer erwischt, muss sie die Betrunkenen oft mit zum nächsten Arzt nehmen, um einen Bluttest zu veranlassen. Denn nur der Nachweis von Alkohol im Blut reicht, um bei deutlich erhöhten Werten über 1,1 Promille eine Straftat zu ahnden. Dieses aufwändige Verfahren könnte irgendwann überflüssig werden, wenn man mehr über den Atemalkoholwert und seinen Zusammenhang mit dem Blutalkoholwert weiß. Doch um diesen Zusammenhang zu erforschen, braucht man freiwillige Trinker und Tester. Moritz Pompl war am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München und wollte wissen, wie zuverlässig Alkoholtester sind.

Versuchsteilnehmer bei Atem- und Bluttest

Versuchsteilnehmer bei Atem- und Bluttest

„Ich habe seit acht Uhr morgens vierzehneinhalb Stamperl Wodka getrunken“, gibt Student Markus unumwunden zu. Der 25-jährige mit dem Dreitagebart und leicht glasigen Augen hat jetzt, um 11 Uhr vormittags, eine ordentliche Fahne. Gleich steht der Alkoholtest an. Markus ist zu seinem Glück nicht in eine Polizeikontrolle geraten, und ein Alkoholproblem hat er auch nicht. „Das Ganze ist für die Wissenschaft“, sagt er, und nur wenn man genau hinhört, mag man ein leichtes Lallen heraushören.

Trinken für die Wissenschaft
Markus sitzt mit vier weiteren Studenten im Keller des Instituts für Rechtsmedizin an der Ludwig Maximilians Universität in München. Alle 15 Minuten muss er einen Atem-Alkoholtest abgeben und solange in einen Schlauch ausatmen, bis er kaum mehr Luft in den Lungen hat. Der Schlauch ist mit einem handkoffergroßen Spezialmessgerät verbunden, das den Alkohol in seiner Atemluft bestimmt, und zwar gleich doppelt: Einmal über eine kleine elektrochemische Reaktionskammer im Innern des Geräts. Zusätzlich findet eine Infrarotmessung statt, die die Bestandteile der Atemluft optisch analysiert. Das Gerät gleicht die beiden Werte dann miteinander ab. Bei Markus zeigt es kurz nach dem Blasen einen Wert von 51 Milligramm pro Liter Atemluft, das entspricht umgerechnet rund einem Promille. Jetzt steht eine Blutabnahme an – auch die erfolgt alle 15 Minuten, und damit Markus nicht jedes Mal aufs Neue gepiekst werden muss, hat er in der linken Ellenbeuge einen Venenzugang liegen, wie im Krankenhaus, bei einer Infusion.

Mit den Blut- und den Atemalkoholwerten von Markus und anderen Probanden will eine Forschergruppe rund um Professor Matthias Graw untersuchen, wie die beiden Werte zusammenhängen. „Bislang ist das alles andere als gut erforscht“, sagt Graw. Wenn jemand betrunken ist, dann sind natürlich beide Werte erhöht. Aber wie verhalten sich die Werte zu welcher Phase der Trunkenheit zueinander? Darum geht es bei der aktuellen Forschung am Institut für Rechtsmedizin in München – letztlich mit dem Ziel, den Atemalkoholwert verlässlicher zu machen. Noch stehen die Experimente am Anfang, aber in ein paar Monaten wird es erste Ergebnisse geben.

Wodka-und-Mikrofon

Reporter Pompl bei der Arbeit mit Wodka und Mikrofon

Blasen mit Schnee im Mund
Doch was bringt der bestuntersuchte Atemalkoholwert, wenn ich das Gerät bei einer Polizeikontrolle austricksen kann? Gelingt das überhaupt? Zusammen mit Proband Markus will ich das heute testen. Dazu habe ich selbst zwei gutgefüllte Gläschen Wodka getrunken und mein Pegel liegt bei der Atemmessung bei 0,3 Promille – gerade noch im Rahmen, dass ich mich auf meine Arbeit als Reporter konzentrieren kann. Schnell wird klar: Mundspray ist ein schlechter Trick, denn darin steckt Alkohol, das Atemtestgerät schnellt auf einen Wert von über 5,5 Promille. Hyperventilieren, also vorm Blasen möglichst schnell ein- und ausatmen um schnell noch Alkohol über die Lunge loszuwerden, senkt den Wert ein bisschen. Am meisten aber sinkt er, wenn ich vor dem Blasen Schnee in den Mund nehme.

Blutproben

Blutproben

Insgesamt bleibt mir die Erkenntnis: Wenn ich getrunken habe, lasse ich das Auto lieber stehen, und fahre mit der U-Bahn oder dem Taxi heim. Für die Reportage bin ich heute zum Glück mit dem Fahrrad gekommen, und ich fühle mich noch fit genug, um zurück ins Funkhaus zu radeln.

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