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Smart Home für Senioren – Wohnung erkennt Krankheiten

05.02.2016, von , in Karte anzeigen

Der Bewegungsmelder

Der Bewegungsmelder

Möglichst lange selbstbestimmt wohnen – das wünschen sich viele Senioren. Aber auch kranke und behinderte Menschen möchten zu Hause leben – ganz ohne ständige Betreuung durch Pflegepersonal. Ideen für betreutes Wohnen gibt es bereits viele. Smarte Technik bietet heute schon mehr Sicherheit und Komfort. Was bisher aber noch fehlt, ist ein umfassendes System, das die gesundheitlichen Probleme am allgemeinen Verhalten des Bewohners ablesen kann. Krankheiten sind messbar, das jedenfalls glauben Wissenschaftler vom Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der TU Braunschweig. Sie erforschen in einer speziell eingerichteten Forschungswohnung, wie die eigenen vier Wände dabei helfen können, zum Beispiel Depressionen zu erkennen.

Depression wird messbar

Die Wissenschaftler wollen bereits vorhandene Technik wie zum Beispiel Bewegungsmelder nutzen, um alltägliche Verhaltensmuster des zukünftigen Bewohners zu messen und mögliche Veränderungen im Verhalten zu identifizieren. Denn sie sind davon überzeugt, dass genau diese Abweichungen von üblichen Verhaltens- und Bewegungsmustern auf eine Depression hindeuten können. Sie vermuten, dass sich eine depressive Phase insgesamt durch geringere Aktivitäten, aber auch durch unregelmäßiges Schlaf- und Ernährungsverhalten und durch vernachlässigte Hygiene ankündigt. Und das ist ganz genau messbar.

Bewegungsmelder in Aktion

In jedem Raum wird der Bewegungsmelder angebracht

In jedem Raum wird der Bewegungsmelder angebracht

In jedem Raum der Erdgeschosswohnung sind Bewegungsmelder angebracht. Sie hängen in Wohn-, Schlafzimmer, Küche, Bad sowie im Flur unter der Decke und registrieren, wann der zukünftige Bewohner die Zimmer betritt und sie wieder verlässt. Ein weiterer Bewegungsmelder unter dem Bett gibt Auskunft darüber, wann er schläft und zu welcher Uhrzeit er aufsteht. Zusätzlich registriert ein Sensor in der Küche, wann und wie lange der Herd angestellt wird. Im Bad sind Wasserdurchlaufsensoren eingebaut, so dass genau nachvollziehbar ist, wann der Bewohner sich duscht, die Toilette benutzt oder sich die Hände wäscht. Alle Sensoren sind miteinander vernetzt, sie zeichnen alle Aktivitäten mit Uhrzeiten in der Wohnung auf.

 

Je früher desto besser

Bald wird ein Student in die Forschungswohnung einziehen

Bald wird ein Student in die Forschungswohnung einziehen

Noch ist die Forschungswohnung unbewohnt. Doch schon bald soll ein Student dort einziehen und Daten liefern. Die Forscher können sie abrufen und am Computer auswerten. Dazu erstellen sie Verlaufsprotokolle. In einem ersten Schritt wollen die Wissenschaftler so belegen, dass kostengünstige smarte Technik geeignet ist, alltägliche Verhaltensmuster zuverlässig zu erfassen. Sie hoffen, dass sie bald noch weitere Forschungswohnungen einrichten können, um von möglichst vielen Testpersonen Datenmaterial zu sammeln.

Unterstützt werden die Forscher dabei von einer Braunschweiger Wohnbaugesellschaft. So sollen künftig auch bisher noch unbekannte Zusammenhänge zwischen Krankheitsbildern und Verhaltensweisen erforscht werden können. Je früher Krankheiten erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen, sagen die Wissenschaftler. Aus der Datenanalyse ließen sich außerdem neue Dienstleistungskonzepte entwickeln, und stationäre Klinikaufenthalte nähmen ab, wenn das eigene Zu Hause mehr und mehr zum diagnostischen Raum werde. Dabei spielt vor allem der Datenschutz der Patienten eine zunehmend wichtige Rolle, damit jeder auch in Zukunft selbstbestimmt über sein Leben und seine Daten bestimmen kann.

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