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Wildtierforschung – Den Füchsen der Spur

08.12.2015, von

Der Grünstreifen liegt hinter der Lärmschutzwand einer Autobahn. Hier leben Füchse; die Wiese ist ihr Jagdrevier.

Der Grünstreifen liegt hinter der Lärmschutzwand einer Autobahn. Hier leben Füchse; die Wiese ist ihr Jagdrevier.

Kaum ein Wildtier ist so anpassungsfähig wie der Rotfuchs. Er besiedelt fast alle Lebensräume der nördlichen Erdhalbkugel und ist nicht nur in Wäldern und Wiesen, sondern auch in Städten zuhause. Alleine in Berlin gibt es mindestens 1000 Füchse, es könnten auch 2000 bis 3000 sein. Genau wissen es nicht einmal Experten. Nur eines ist sicher: Die meisten Stadtfüchse sterben nicht durch Krankheiten, sondern durch Autounfälle, vor allem Jungtiere sind betroffen. Erwachsene Füchse dagegen kommen mit Straßen besser zurecht. Wie verbringen sie ihre Tage, wo jagen und schlafen sie? Um das zu untersuchen, möchten Biologen vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Füchse fangen und ihnen ein Sendehalsband anlegen. Via GPS teilt es mit, wo sich der Fuchs aufhält. Außerdem speichert ein Chip im Halsband die Bewegungsmuster und damit das Verhalten des Tieres. In der Nähe einer Berliner Autobahn haben die Wissenschaftler ihre erste Falle aufgestellt. Die Reporterin Julia Beißwenger war dabei.

Bau unter der Lärmschutzwand

An der Autobahn 113 herrscht dichter Verkehr. Trotzdem ist nur wenige Meter entfernt ein Fuchsgebiet. Die Tiere nutzen die Lärmschutzwand der Straße, um darunter ihre Bauten anzulegen. Eine kleine Böschung führt von der Wand auf einen etwa zwei Meter breiten Grünstreifen. Ein Maschendrahtzaun trennt ihn von einer großen Wiese. „Sie ist ein optimales Jagdgebiet für Füchse, die gerne Mäuse fangen“, sagt Sophia Kimmig. Die Biologin sucht einen geeigneten Standort für ihre Fuchsfalle.

Das platt gedrückte Gras unter dem Zaun weist auf einen Fuchs, der die Stelle als Wechsel nutzt.

Das platt gedrückte Gras unter dem Zaun weist auf einen Fuchs, der die Stelle als Wechsel nutzt.

Zunächst überprüft sie den Maschendrahtzaun. Tatsächlich ist an einer Stelle das Gras platt gedrückt. „Hier ist wahrscheinlich ein Fuchs unter dem Zaun durchgeschlüpft“, erklärt Sophia Kimmig. Doch die Falle möchte sie noch nicht aufstellen, denn entlang des Zauns gibt es mehrere Durchgänge. Die Biologin sucht einen Ort, an dem ein Fuchs möglichst oft vorbeikommt und möchte daher noch einen Fuchsbau finden. Den graben die Tiere gerne in die weiche Erde einer Böschung. Sophia Kimmig klettert den kleinen Hang zur Lärmschutzwand hinauf. Schnell wird sie fündig: Unter der mit Graffiti bemalten Lärmschutzwand ist ein etwa 20 Zentimeter breites Loch. „Das ist ein Fuchsbau, den ein erwachsenes Tier zum Schlafen nutzen kann. Jungtiere sehen wir erst im nächsten Frühjahr wieder“, sagt die Biologin.

Gefangenschaft

Unter die Lärmschutzwand hat ein Fuchs seinen Bau gegraben. Im Frühling leben darin auch Jungtiere.

Unter die Lärmschutzwand hat ein Fuchs seinen Bau gegraben. Im Frühling leben darin auch Jungtiere.

Die Fuchsfalle möchte sie auf dem Grünstreifen in der Nähe des Baus aufbauen. Ihr Kollege Constantin Börner hilft bei der Arbeit. Die Falle sieht aus wie ein viereckiger Holztunnel. In ihrem Innern ist ein Faden. Wenn ein Fuchs den berührt, löst er eine Mausefalle aus, die im Deckel der Holzfalle eingebaut ist. Die Mausefalle wiederum hält über Seile die beiden Holztüren an den Enden des Tunnels. „Wenn sie also zu schnalzt, fallen die Holztüren runter und der Fuchs sitzt in der Falle“, erklärt Sophia Kimmig.

Die Biologen Constantin Börner und Sophia Kimmig bauen die Fuchsfalle auf.

Die Biologen Constantin Börner und Sophia Kimmig bauen die Fuchsfalle auf.

Während der Gefangenschaft werde das Tier keine Panik bekommen, versichert sie. Von Vorteil sei, dass kaum Licht in den geschlossenen Holzkasten dringt, Dunkelheit beruhige Füchse. Zudem muss kein Tier lange warten, denn sobald die Falle zuschnappt, schickt ein elektronischer Melder eine SMS ans Handy der Wissenschaftlerin, die sich dann sofort auf den Weg macht, egal zu welcher Uhrzeit. „Wenn eine Katze oder ein Marder in der Falle sitzt, lassen wir das Tier gleich wieder frei. Wenn es aber wirklich ein Fuchs ist, rufe ich einen Tierarzt dazu. Er wird den Fuchs betäuben. Dann kontrollieren wir seinen Gesundheitszustand, schauen uns das Fell und die Schleimhäute an. Anschließend bekommt er sein Senderhalsband“, sagt Sophia Kimmig.

Hundeleckerli als Köder

Hundeleckerli dienen als Köder, um einen Fuchs in die Falle zu locken.

Hundeleckerli dienen als Köder, um einen Fuchs in die Falle zu locken.

Sie holt eine Tüte mit Hundetrockenfutter aus dem Auto. „Füchse gehören ja zur Familie der Hunde. Stinkendes Hundefutter mögen sie besonders gern“, sagt sie grinsend und streut ein paar Leckerli in die Falle, davor und dahinter ins Gras. Das ist der Köder, er soll den Fuchs in den Holzkasten locken. Nun holt die Biologin noch eine Wildtierkamera hervor, sie steckt in einem metallischen Schutzgehäuse. Mit einem Fahrradschloss wird die Kamera am Maschendrahtzaun befestigt, so dass das Objektiv die Fuchsfalle im Visier hat. Die Kamera macht automatisch immer dann ein Bild, wenn sich etwas vor ihrem Objektiv bewegt“, erklärt Sophia Kimmig. Nun muss sie nur noch warten – auf einen Fuchs und auf gute Fuchsbilder.

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