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Wissenschaft im Supermarkt – Schlange stehen an der Kasse

01.12.2015, von , in Karte anzeigen

Familie Müller lässt gern vor

Familie Müller lässt gern vor

Schlange stehen an der Supermarktkasse – wer kennt das nicht. Dumm nur, wenn man eigentlich keine Zeit zum Warten hat und nur eben mal schnell eine Flasche Wasser kaufen wollte, während die Kunden weiter vorne volle Einkaufswagen auspacken. Zum Glück wird man in so einem Fall dann oft vorgelassen. Manchmal aber auch nicht. Wovon hängt die Hilfsbereitschaft vieler Kunden eigentlich ab? Das wollen Wissenschaftler des Instituts für Psychologie an der TU Braunschweig herausfinden: In einem Supermarkt stellen sie die Bereitschaft, andere vorzulassen, mit einer neu entwickelten Methode auf die Probe.

Wird Psychologe Florian Lange diesmal vorgelassen?

Wird Psychologe Florian Lange diesmal vorgelassen?

Menschliches Verhalten nachvollziehen

Zwei Probanden stellen sich 60 Mal mit einem gut sichtbaren Produkt in die Schlange an der Supermarktkasse an. In 50 Prozent der Fälle haben sie eine Flasche Wasser bei sich, in 50 Prozent eine Flasche Bier. Die Reihenfolge der Waren wird zufällig festgelegt. Jeder Vorgang wird von einem unabhängigen Beobachter überwacht und dokumentiert. Mit Hilfe dieser neuen Untersuchungsmethode soll menschliches Kooperationsverhalten nachvollziehbar und für alle verständlicher werden, sagen die Wissenschaftler. So wollen sie herausfinden, wovon Kooperation zwischen fremden Personen in einer alltäglichen Situation zum Beispiel an der Supermarktkasse abhängt. Während derjenige, der vorlässt, nur die Kosten trägt, weil er länger warten muss, hat der Vorgelassene den ganzen Nutzen.

Mehr Waren, mehr Bereitschaft

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Kunden mit vollem Wagen lassen Florian Lange häufiger vor

Sie sehen sich danach wahrscheinlich auch nie wieder – eine Gegenleistung kann derjenige, der vorlässt, also auch später nicht erwarten – anders als bei Personen, die sich kennen. Schon beim ersten Versuch wird die Testperson mit der Flasche Wasser von einer älteren Frau vorgelassen. Weitere Durchgänge bestätigen: Je mehr Waren die Kunden im Einkaufswagen haben, desto größer ist ihre Bereitschaft andere mit nur einem Produkt vorzulassen.

 

Kosten-Nutzen-Verhältnis

Schlange stehen an der Supermarktkasse, wer kennt das nicht?

Schlange stehen an der Supermarktkasse, wer kennt das nicht?

Das Kooperationsverhalten hängt demnach wesentlich vom Kosten-Nutzen-Verhältnis ab: Je größer dabei der Zeitgewinn für den Begünstigten, desto größer ist auch die Hilfsbereitschaft der anderen Kunden. Die Hilfsbereitschaft nimmt allerdings signifikant ab, sobald die Versuchsperson sich im Test mit einer Flasche Bier anstellt.

Biertrinker sind verantwortungslos

Die Forscher vermuten, dass Biertrinker den Eindruck erwecken könnten, sie seien verantwortungslos und seltener bereit, anderen im Gegenzug zu helfen. Sie schließen daraus, dass das Kooperationsverhalten im Wesentlichen vom Eindruck abhängt, den ein potentiell hilfsbereiter Kunde von seinem Gegenüber hat. Doch auch andere Erklärungen seien denkbar.

Glückt gehabt, auch diesmal rückt der Psychologe in der Schlange vor

Glückt gehabt, auch diesmal rückt der Psychologe in der Schlange vor

So könnte der Biertrinker auch den Eindruck erwecken, dass er mehr Zeit habe als ein Wassertrinker. Das Bier könnte dabei als Synonym für Gemütlichkeit und Freizeit stehen. Wer dagegen eine Flasche kaufen will, hat es eher eilig, weil er durstig ist. Weitere Untersuchungen sind  allerdings erforderlich, um die Hilfsbereitschaft zwischen Fremden noch besser zu entschlüsseln, so die Wissenschaftler.

 

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