. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Der Geruch der Gefühle – Schweiß transportiert Stress

09.11.2015, von , in Karte anzeigen

 

Stressschweiß riecht anders als Sportschweiß (Foto: WDR)

Stressschweiß riecht anders als Sportschweiß

Unser Schweiß verrät unsere Gefühle. Wenn wir zum Beispiel in Stresssituationen schwitzen und andere diesen Geruch später unter die Nase bekommen, kann dies auch deren Wahrnehmung beeinflussen. Psychologen an der Uni Düsseldorf erforschen dieses Phänomen.


Für ihren Versuch sammeln Diplom-Psychologe Matthias Hoenen und sein Team zunächst Schweiß. Zum einen haben sie es auf Stress-Schweiß abgesehen. In einem simulierten Bewerbungsgespräch müssen Testpersonen vor einer Jury einen freien Vortrag zu einem ihnen unbekannten Thema halten.

Matthias Hoenen bereitet das Olfaktometer vor (Foto: WDR)

Matthias Hoenen bereitet das Olfaktometer vor

Die Jury ist instruiert, keinerlei Feedback zu geben, um die Probanden zusätzlich zu verunsichern. Wattepads unter den Achseln fangen den Schweiß auf. In einem zweiten Verfahren sammeln die Forscher Sport-Schweiß von den gleichen Probanden, während diese auf einem Fahrrad-Ergometer trainieren.

 

 

Geruchssammlung in Watte
Der gesammelte Schweiß kommt dann im eigentlichen Geruchs-Experiment zum Einsatz. Herzstück des Versuchs ist ein großes Olfaktometer.

Eine ansehliche Sammlung an Geruchsproben (Foto: WDR)

Eine ansehliche Sammlung an Geruchsproben

Der Apparat besteht zum einen aus Kammern, die mit verschiedenen Gerüchen bestückt werden können. In einer Kammer stecken Wattepads mit dem Stress-Schweiß, in einer zweiten Pads, mit denen der Sportschweiß gesammelt wurde, und in der dritten Watte ohne zusätzlichen Geruch.

 

 

Video:  Im Schweißforscher-Labor
[media id=35 width=600 height=380]

 

Schweiß und Schmerz
Das Olfaktometer vermischt die unterschiedlichen Gerüche mit Luft und feuchtet das Schweiß-Luft-Gemisch an, damit die Schleimhäute der Testpersonen beim Riechen nicht austrocknen. Ein dicker Schlauch leitet die Gerüche weiter in zwei kleine Schläuche, die der Proband wenige Millimeter in seine Nasenlöcher einführt.

Schmerzhafter Versuch, eine Gurke zu schneiden (Foto: WDR)

Schmerzhafter Versuch, eine Gurke zu schneiden

Dann startet der Versuch: Während die Gerüche von Sportschweiß, Stressschweiß und reiner Watte nacheinander in ihre Nase strömen, sieht die Testperson verschiedene Fotos auf einem Monitor – Bilder von Menschen in schmerzhaften und nicht-schmerzhaften Situationen.

Auf einem Foto ist zum Beispiel jemand zu sehen, der eine Salatgurke mit einem Messer zerteilen möchte, sich stattdessen aber in den Finger schneidet. Die nicht-schmerzhafte Situation zeigt die gleiche Person, die eine Gurke schneidet, ohne, dass etwas passiert.

Johannes Döbbelt soll per Mausklick bestimmen, wie schmerzhafte bestimmte Situationen für die Betroffenen sind (Foto: WDR)

Johannes Döbbelt soll per Mausklick bestimmen, wie schmerzhaft bestimmte Situationen für die Betroffenen sind

Die Probanden geben parallel per Mausklick an, wie schmerzhaft sie die jeweilige Situation einschätzen. Während des Versuchs tragen die Testpersonen eine Haube mit Elektroden auf dem Kopf, die ihre Hirnströme per Elektroenzephalografie (EEG) misst.

Die Ergebnisse der EEG-Messung bestätigen zum einen das, was schon länger bekannt ist: Die Probanden reagieren stärker auf die schmerzhaften als auf die nicht-schmerzhaften Bilder.

 

Stressschweiß als Warnsignal
Interessanter ist die Reaktion bei Stress-Schweiß: Wenn dieser durch das Olfaktometer strömt, sind die Hirnströme bei den nicht-schmerzhaften Bildern genau so stark wie bei den schmerzhaften. Beim Sportschweiß gibt es diesen Effekt nicht.

Die EEG-Kurven zeigen: Stress-Schweiß riecht anders und wird auch anders wahrgenommen (Foto: WDR)

Die EEG-Kurven zeigen: Stressschweiß riecht anders und wird auch anders wahrgenommen

Die Forscher am Institut für Experimentelle Psychologie der Uni Düsseldorf interpretieren dies so: Der Stress-Schweiß wirkt wie eine Art Warnsignal, der auch in ungefährlichen, nicht-schmerzhaften Situationen die Aufmerksamkeit erhöhen kann. Die erlebte Stress-Situation wird per Schweiß auf andere Menschen ein Stück weit übertragen.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019