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Im Erdbebensimulator – Rütteln auf Knopfdruck

02.11.2015, von , in Karte anzeigen

Reporterin Susi Weichselbaumer testet den Erdbebensimulator

Reporterin Susi Weichselbaumer testet den Erdbebensimulator

Wie es sich anfühlt, wenn minutenlang die Erde bebt, wenn ein Erdbeben der Stärke 8,8 anrollt und Regale, Wände, ja Autobahnen einstürzen – das kann sich in unseren Breiten kaum jemand vorstellen. Ein Erdbebensimulator aber soll eine Ahnung davon geben. In München, im Museum Mensch und Natur, steht seit ein paar Wochen Deutschlands größter Erdbebensimulator. Susi Weichselbaumer hat sich hineingewagt.

 

Zugleich geschüttelt und gerührt fühlt man sich schon während der ersten Demonstrationsrunde. Ein Erdbeben in der Türkei, 45 Sekunden lang.

Ein Seismograph zeichnet in einem Erdbebengebiet eine Aktivität auf.

Ein Seismograph zeichnet in einem Erdbebengebiet eine Aktivität auf.

Im Originalvideo, das gleichzeitig zur identisch nachempfundenen Rüttelei zu sehen ist, kommen Autos von der Fahrbahn ab, fallen Supermarkt-Regale von den Wänden. Der Leiter des Münchner Museums für Mensch und Natur, Dr. Michael Apel und sein Team haben für den neuen Simulator fünf echte Beben aus den vergangenen Jahren ausgewählt zum gefahrlosen Nacherleben für die Besucher. Eine Jahrmarktsattraktion á la schneller, höher, weiter soll es nicht sein, betont Apel.

 

 

Erdbeben aus dem Container

Tatsächlich ist es erst mal auch nur ein weißer Container im Hof des Museums. Die Statiker hatten Bedenken, es könnte Risse in der Decke der bestehenden Bauten geben. Das Museum „Mensch und Natur“ ist im ehrwürdigen Nymphenburger Schloss untergebracht. Also musste der Simulator ins Freie. Durch eine Metalltür geht es ins Innere des Containers. Ein Gefühl wie beim Betreten eines Kühlraums, glatte weiße Wände, steriles Neonlicht. Zwei Schritte sind es hinein in eine Art beweglichen Lastenaufzug, links und rechts ein Handlauf zum Festhalten und unter den Füßen eine Rüttelplatte, angetrieben von Präzisionsmotoren, wie sie sonst in der Autoindustrie Einsatz finden sind.

 

Wie simuliert man ein Erdbeben?

Museumsleiter Dr. Michael Apel erklärt, wie die Erbebensimulation funktioniert: „Technisch ist es so: Diese Erdbeben werden ja an Erdbebenwarten aufgezeichnet, diese Daten sind verfügbar, wir haben uns die geben lassen von den entsprechenden Erdbebenwarten, die sind umgerechnet worden, sodass dann eben ein Steuerungsgerät, das in Bewegungen von Linearmotoren umsetzen kann.

Damit keine Gebäude beschädigt werden, wird der Erdbebensimulator vorsichtshalber in einem Container im Hof des Museums installiert.

Damit keine Gebäude beschädigt werden, wird der Erdbebensimulator vorsichtshalber in einem Container im Hof des Museums installiert.

Linearmotoren werden zum Beispiel verwendet, um Roboter anzutreiben, also wenn Autos gebaut werden, die die verschweißen oder die Karosserie anheben und solche Motoren sind hier auch verbaut und die werden eben angesteuert mit diesen Originaldaten“.

Der Innenraum des Simulators liegt auf Rollen, die über Linearmotoren angetrieben werden – so bewegt sich der Raum nach vorne, hinten und auch zur Seite. Bei einem simulierten Beben der Stärke 8,8 etwa, das in der Realität zu Zerstörungen über Hunderte Kilometer führen kann, wackelt der Container so heftig, dass von Gleichgewicht halten keine Rede mehr sein kann.

Fünf Erdbeben in 20 Minuten

Die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Gilla Simon meint: „Breitbeinig können Sie die Bewegung am besten ausgleichen. Ganz schlimm ist es, wenn man sitzt, da hat man nicht diese Ausgleichsbewegung. Und das ist auch für die Wirbelsäule nicht so gut.“

Konstrukteur Armin Weigel ist fürs Innenleben des Simulators zuständig.

Konstrukteur Armin Weigel ist fürs Innenleben des Simulators zuständig.

Ein Flachbildschirm an der Stirnseite des Containers zeigt zu jedem Beben Filmaufnahmen – aus Japan, den USA, Italien, der Türkei, Bayern. Zwischendrin gibt es bildreiche Erklärungen dazu, wie Erdbeben entstehen, was die Richterskala misst und wie man sich schützen kann, etwa durch Erbeben-sicheres Bauen. Dazwischen wird kräftig geschüttelt: nach links und rechts, nach vorne und hinten, mal schnell, mal langsam, mal rhythmischer, mal komplett chaotisch – eben so, wie es die Daten der Seismografen aufgezeichnet haben und es jetzt der Simulator nachstellt.

Nach 20 Minuten ist die Vorführung vorbei, fünf Beben sind durchlebt. Der Bauch ist flau vom Gerüttle, aber auch von den vielen Filmeindrücken, die zeigen, dass Erdbeben unbeherrschbare Naturgewalten sind – und ein Simulator nichts für den Vergnügungspark.

Erdbeben zu Demonstrationszwecken

Museumsleiter Dr. Michael Apel spricht über die technischen Möglichkeiten des Simulators: „Theoretisch könnte der natürlich noch sehr viel schnellere oder heftigere Bewegungen produzieren, aber das ist ja nicht unsere Intention. Wir wollen ja wirklich Erdbeben wie sie stattgefunden haben darstellen. Wir würden es schon schaffen, Sie durch den Raum fliegen zu lassen“.

Museumsleiterin Dr. Gilla Simon (vorne links) und Museumsleiter Dr. Michael Apel (hinten links) mit Besuchern im Erdbebensimulator.

Museumsleiterin Dr. Gilla Simon (vorne links) und Museumsleiter Dr. Michael Apel (hinten links) mit Besuchern im Erdbebensimulator.

Der Erdbebensimulator im Museum „Mensch und Natur“ dient rein Demonstrationszwecken. Er soll Besuchern ein Gefühl gegen für die Gefahr Erdbeben und Neugierig machen darauf, mehr zu erfahren über den aktuellen Stand der Erdbebenforschung, wie ihn das Museum in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München in seinen Ausstellungsräumen abbildet.

 

 

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