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Fische mit Persönlichkeit – Verhaltensforschung mit Guppys

13.10.2015, von , in Karte anzeigen

Die zwei männlichen Guppys sind bunt gefärbt. Das Weibchen ist weniger farbenfroh. (Copyright: IGB Berlin)

Die zwei männlichen Guppys sind bunt gefärbt. Das Weibchen ist weniger farbenfroh. (Foto: IGB Berlin)

Fische haben Persönlichkeit, sagen Verhaltensbiologen. Sie konnten in Experimenten zeigen, dass es innerhalb einer Fischart besonders mutige, ängstliche, aktive, aggressive oder neugierige Individuen gibt. Unklar ist jedoch, wie sich Fische in einem Schwarm organisieren. Wer bestimmt die Richtung des Schwarms? Gibt es Führungspersönlichkeiten unter den Fischen und wenn ja, wie sieht die Führung konkret aus? Diese Fragen erforscht der Biologe David Bierbach vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Er experimentiert mit Fischen. Unsere Reporterin Julia Beißwenger war dabei.

David Bierbach holt einige Guppys aus dem Aquarium

David Bierbach holt einige Guppys aus dem Aquarium

Roboterfisch aus dem 3D-Drucker

Im Arbeitszimmer von David Bierbach stehen rund ein Dutzend Aquarien. Darin schwimmen Guppys. Das sind kleine Zierfische, ca. zwei bis drei Zentimeter lang. Die Männchen schimmern in orange, grün, rosa und blau. Die Weibchen sind von grün-gräulicher Farbe.
Wie reagieren die kleinen Guppys im Becken aufeinander? Gibt es Individuen, die andere Artgenossen führen? David Bierbach möchte das in einem Experiment herausfinden. Dafür hat er einen Plastikfisch gebastelt, der wie ein Guppy aussieht. Die Fische halten ihn für einen Artgenossen.

Der Plastikfisch ähnelt einem Guppy. Er wurde von einem 3-D-Drucker ausgedruckt und anschließend angemalt. Am Fuß befindet sich ein Magnet. (Copyright: Julia Beißwenger)

Der Plastikfisch ähnelt einem Guppy. Er wurde von einem 3-D-Drucker ausgedruckt und anschließend angemalt.

Am Bauch des Plastikfisches steckt ein Stab mit einem Magneten. Der ist wichtig, damit der Fisch schwimmen kann. Dafür setzt David Bierbach ihn in ein Ein-Quadrat-Meter großes Testaquarium. Direkt darunter befindet sich ein auto-ähnliches Gefährt mit einem Magneten auf dem Dach. Das Auto wird per Funk gesteuert. Sein Magnet zieht den Magneten vom Fisch.

Das autoähnliche Gefährt hat auf seinem Dach einen Magneten. Er zieht den Roboterfisch. Das weiße Testbecken befindet sich direkt über dem Auto. (Copyright: Julia Beißwenger)

Das autoähnliche Gefährt hat auf seinem Dach einen Magneten. Er zieht den Roboterfisch.

Der so genannte Roboterfisch soll gleich einen Zick-Zack-Kurs durch das Testbecken schwimmen. Dabei wird jeweils ein lebender Guppy zusehen. „Die spannende Frage ist, ob die einzelnen Fische dem Roboterfisch hinterherschwimmen und ob sie sich in ihrem Folgeverhalten unterscheiden“, sagt David Bierbach. Er beobachtet das Experiment über einen Computerbildschirm, auf dem das Aquarium über eine Kamera zu sehen ist.

 

Hinter dem schwarzen Sichtschutz steht das Testaquarium. David Bierbach wird das Experiment gleich am Computer verfolgen. (Copyright: Julia Beißwenger)

Hinter dem schwarzen Sichtschutz steht das Testaquarium. David Bierbach wird das Experiment gleich am Computer verfolgen.

Chef-Guppys wollen voranschwimmen
Als der Roboterfisch losschwimmt, folgt der lebende Fisch tatsächlich; er bleibt dicht hinter dem Plastikmodell. „Offenbar überlässt dieser Fisch gerne anderen die Führung“, stellt David Bierbach fest. Er holt den Guppy aus dem Becken und setzt einen Artgenossen ins Testaquarium. Wieder schwimmt der Roboterfisch los, doch dieses Mal dreht der lebende Fisch alleine seine Bahnen. Dabei versucht er immer wieder, den Roboterfisch abzuholen. Offenbar möchte er die Führung übernehmen.

 

Zwei Guppys schwimmen beim Roboterfisch. Noch sind sie in einem Zylinder im Testbecken. Für das Experiment wird der Zylinder angehoben, so dass die Fische umherschwimmen können. (Copyright: Julia Beißwenger)

Zwei Guppys schwimmen beim Roboterfisch. Noch sind sie in einem Zylinder im Testbecken.

Noch zweimal wiederholt David Bierbach das Experiment mit jeweils neuen Fischen. Auch sie zeigen unterschiedliche Reaktionen, der eine folgt, der andere folgt nicht. Der Verhaltensbiologe ist nicht überrascht. „Heutzutage weiß man, dass es in vielen Situationen nicht ein optimales Verhalten gibt, sondern verschiedene optimale Verhalten. Wenn zum Beispiel mehr Räuber da sind, können Mischstrategien besser sein.“

 

Guppys bleiben sich selbst treu
David Bierbach möchte als nächstes prüfen, wie sich eine Fischgruppe verhält, die aus ähnlichen Individuen besteht. Dafür setzt er zwei Guppys zum Roboterfisch, die jeweils alleine gut gefolgt sind. Der Plastikfisch macht wieder seine Zick-Zack-Bewegung. Die lebenden Tiere bleiben dicht beieinander.

Würden viele Guppys einem Plastikfisch folgen? (Copyright: IGB Berlin)

Würden viele Guppys einem Plastikfisch folgen? (Foto: IGB Berlin)

Nach einer Weile folgen sie gemeinsam dem Roboterfisch. Ganz anders verhalten sich die zwei Guppys, die alleine nicht gut gefolgt sind. Auch gemeinsam im Testbecken untersucht jeder das Becken eigenständig. Die Fische bleiben also ihrem Verhalten treu.

Doch was würde passieren, wenn gleich zehn dominante Guppys zusammen wären? Würden sie weiterhin alle unabhängig im Becken umherschwimmen? David Bierbach möchte das mit dem Roboterfisch untersuchen. Er vermutet, dass die Fische auch im Schwarm ihr individuelles Verhalten weitgehend beibehalten. Ein Schwarm, der nur aus dominanten Tieren besteht, würde demnach auseinanderfallen.

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