. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

„myDrive“: Handyapp soll beim Benzinsparen helfen

05.10.2015, von , in Karte anzeigen

 

Susi Weichselbaumer im Gespräch mit Sebastian Heger, dem Entwickler von "myDrive" (Foto: BR)

Susi Weichselbaumer im Gespräch mit Sebastian Heger, dem Entwickler von „myDrive“

Sag mir, wie Du Auto fährst und ich sage Dir, wer Du bist: ein Sparsamer, ein Verschwender, ein Umwelt-Rowdy … Nicht ganz so drastisch formuliert es die App „myDrive“, wenn sie nach einer Autofahrt Bilanz zieht in Sachen Benzinverbrauch, Geschwindigkeit oder CO2-Emmission. Aber sie markiert sehr eindringlich rot im Balkendiagramm auf dem Handydisplay, so man sich im Vergleich zu vorherigen Fahrten verschlechtert hat, und soll damit auf das ökologische Gewissen der Wagenlenker einwirken. Zumindest wünscht sich das Sebastian Heger vom FIM Kernkompetenzzentrum Finanz- und Informationsmanagement in Augsburg. Der Doktorand hat „myDrive“ entwickelt und sieht seine kostenfreie App nicht nur als nettes Geschenk an alle interessierten Autofahrer. Er will die hoffentlich vielen Daten, die ihm die freiwilligen Nutzer via App zukommen lassen, analysieren und herausfinden: Wie wird wer wann warum ein umweltschonenderer Autofahrer.



Wie ökologisch fahre ich

Bei unserer Probefahrt geht es von der Universität Augsburg über wenige Straßen hinüber auf einen leeren Schotterparkplatz. Ideales Gelände für wilde Testfahrten, verspricht Heger. Zunächst werten wir allerdings aus, was der Ford Mondeo meines Vaters, den ich ausgeliehen habe, weil er mehr hermacht als mein Auto, in den drei Minuten zum Parkplatz verbraucht hat. Dafür nimmt App-Entwickler Heger das Handy aus der Halterung an meiner Windschutzscheibe und drückt auf dem Display auf „Stopp“. Die wirbelnden Ziffern und Zahlen hinter Kategorien wie „Fahrgeschwindigkeit“ und „Fahrhärte“ halten an. Jetzt muss nur noch aus dem Bordcomputer der Durchschnittsverbrauch in Litern abgelesen und ins Handy eingetippt werden und die App rechnet ab:

„Wenn wir jetzt hier die 6,0 eingeben und auf „Weiter“ drücken, dann berechnet er uns Feedback. Wir haben die Fahrhärte von 7,8 – also im Vergleich ist das gut. Er sagt uns, das waren jetzt 14,2 Kilogramm auf 100 Kilometer gerechnet an CO2, also allein die Fahrt von der Uni hierher hat uns 140 Gramm gekostet beziehungsweise 9 Cent Kraftstoffkosten haben wir gebraucht“. (Sebastian Heger)

Balkendiagramme geben Aufschluss darüber, wie umweltfreundlich gefahren wird (Foto: BR)

Balkendiagramme geben Aufschluss darüber, wie umweltfreundlich gefahren wird

Ein erneuter Klick auf „Weiter“ führt zu übersichtlichen Balkendiagrammen. Maximal fünfzehn Fahrten kann „myDrive“ so auf einmal abbilden. Das sind immerhin 14 mehr als mein Bordcomputer, der jeweils nur den Verbrauch der letzten Fahrt verzeichnet. Mit den „myDrive“-Balken kann ich mich einmal von Tour zu Tour an mir selber messen. Vergleichen kann man sich aber auch mit anderen, die ähnliche Autos fahren, denn die Daten meiner Fahrten und der Fahrten all derer, die sich „myDrive“ kostenfrei aufs Handy geholt haben, laufen per WLAN und damit für den Nutzenden günstig in Augsburg zusammen. Über 1000 Menschen haben die App schon ausprobiert.

 

 

„Das Ziel ist natürlich dann zum Schluss Forschungsergebnisse veröffentlichen zu können, wie man denn so ein System letzten Endes am besten baut, egal ob das jetzt in einem Handy Anwendung findet oder auch von einem Autohersteller adaptiert wird und in die Informationssysteme, die jedes Auto jetzt an Bord hat, irgendwann mal eingebaut wird.“ (Sebastian Heger)

Erziehung zu besserem Fahrverhalten
Um genauer herauszufinden, welche Parameter bei den Probanden am besten verfangen, gibt es die App in drei Varianten: Eine Vollversion und jeweils abgespeckte Versionen, die etwa bloß über die Anzeige des Kraftstoffverbrauchs in Euro versuchen, den Fahrer zur Sparsamkeit zu erziehen, oder rein über die Angabe der CO2-Emmissionen. Was bei wem mehr verfängt, kann Sebastian Heger noch nicht eindeutig sagen, das Forschungsprojekt wird noch eine Weile laufen und Ergebnisse zusammen tragen.

"Die "myDrive" App im Praxistest (Foto: BR)

„Die „myDrive“ App im Praxistest

Klar zeigt sich aber schon jetzt, unsere rasante Testfahrt auf dem Parkplatz lässt sämtliche Werte massiv in die Höhe schnellen. Schnittige Kurven und harte Bremsungen jagen die Fahrhärte im Vergleich zur ersten Tour auf den doppelten Wert, aus 7 werden über 14. Das Feedback zeigt: Alle Werte rot! Auf der ganzen Linie schlechter als bei der Fahrt vorher!
Das soll bei der Rückfahrt zur Universität  besser werden, ich fahre gesitteter und Sebastian Heger schiebt das Handy noch einmal fester in die Halterung an der Windschutzscheibe.

Wie die Fahrhärte berechnet wird
Das Handy versucht auf Grundlage von dem magnetischen Erdfeld herauszufinden, wie es denn eigentlich  gerade liegt. Wir wissen ja nicht: Liegen wir auf dem Armaturenbrett oder sitzen wir in einer Halterung oder sind wir in den Getränkehalter eingeklemmt oder irgendwo zwischen Sitz und Rückenlehne eingeklemmt, das geht ja auch, und so berechnet jetzt das Handy die Lage und kuckt sich an, was ist vorne, was ist hinten, was sind die Seiten. Diese Werte sollten eigentlich in die Fahrhärte dann auch aufgenommen werden und die Vibrationen, die Schlaglöcher von der Straße, die Unebenheiten werden rausgerechnet. Das funktioniert nicht 100-prozentig, weil einfach – ich will jetzt nichts den asiatischen Handyherstellern unterstellen, aber die Sensorik ist nicht unbedingt die Genaueste. Aber sie ist ausreichend für unseren Zweck“. (Sebastian Heger)

Unser Ziel am Ende der Reise wieder auf dem Uniparkplatz angekommen, ist ein ordentliches Resümee. Gesitteter zu fahren hat sich gelohnt, die Werte auf der App sind wieder raus aus dem roten Bereich. Kein Vergleich mit den hohen Zahlen von vorhin bei der Spritztour auf dem Parkplatz. Sebastian Heger ist zufrieden mit der Fahrt. Ich auch. Man fühlt sich von „myDrive“ ein wenig überwachte, am Ende aber auch wie eine bessere Fahrerin.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019