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Fischen im Trüben – Wie viel Mikroplastik schwimmt in Flüssen?

14.09.2015, von , in Karte anzeigen

Isabella Schrank und Martin Löder lassen den Mantatrawl ins Wasser.

Isabella Schrank und Martin Löder lassen den „Manta Trawl“ ins Wasser.

Über zehn Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr im Meer, treiben in Müllstrudeln auf Atlantik und Pazifik, zersetzen sich in mikroskopisch feine Teilchen und versinken in den Tiefen der Ozeane. Unzählige Kampagnen gegen die Plastikflut im Meer gibt es inzwischen, Politiker diskutieren das Problem auf Konferenzen, und Forscher untersuchen die Folgen für die Meeresumwelt. Doch: Wie verseucht sind unsere Flüsse und Seen? Auch im Süßwasser schwimmen inzwischen Plastikpartikel. Forscher vom Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Bayreuth wollen herausfinden, wie schlimm es mit der Plastikflut dort schon ist.

Ein erster systematischer Überblick
Als Mikroplastik gelten Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Die meisten davon sind so klein, dass man sie nicht mit bloßem Auge erkennt. Deswegen rücken Dr. Martin Löder und Diplom-Biologin Isabella Schrank von der Universität Bayreuth mit diversen Netzen und Sammelgeräten an, wenn Sie am Inn oder anderswo nach Plastikteilchen suchen.

Isabella Schrank (Uni Bayreuth) und Miriam Stumpfe auf einer Sandbank am Inn.

Isabella Schrank (Uni Bayreuth) und Miriam Stumpfe auf einer Sandbank am Inn.

Sie gehören zu einer der ersten Forschergruppen in Deutschland, die sich einen systematischen Überblick über die Plastikbelastung von deutschen Flüssen und Seen verschaffen wollen. Am Inn haben sie sich ein Flussufer südlich von Rosenheim zur Probenentnahme rausgesucht. Dort holen sie mit Eisenröhren Sedimentbohrkerne aus dem Schlamm am Ufer und verpacken sie – garantiert plastikfrei – in Alu-Eimern. Aufwändiger ist es, im Wasser nach Mikroplastik zu suchen. Je nachdem, ob es um Reste von Plastikfolie oder kaputten Kunststoffboxen geht, schwimmen die Teilchen entweder an der Wasseroberfläche oder am Grund des Flusses.

„Manta Trawl“
Martin Löder verankert zuerst ein Trichternetz am Grund des Flusses. Es sieht aus wie eine überdimensionale Spritztülle aus der Bäckerei. Eisenstangen halten es unter Wasser am Boden fest und es hat winzig feine Poren. Eine Stunde lang strömt das Wasser hindurch, außer Schlamm und Algenresten bleiben dann auch winzige Plastikpartikel hängen.

„Manta-Trawl“: ein langes feines Netz, das an einem Rahmen mit metallenen Schwimmflügeln hängt.

„Manta-Trawl“: ein langes feines Netz, das an einem Rahmen mit metallenen Schwimmflügeln hängt.

Um Plastikreste von der Oberfläche des Inn einzusammeln, zum Beispiel winzige Reste von Plastikfolie oder Kunststoffbechern, ist Teamwork gefragt: Martin Löder und Isabelle Schrank haben einen sogenannten „Manta-Trawl“ dabei: ein langes feines Netz, das an einem Rahmen mit metallenen Schwimmflügeln hängt. An Seilen lassen sie es von einer Brücke in den Fluss hinab. Während sie es von oben und vom Ufer aus sichern, müssen sie das Netz möglichst weit in die Mitte des Flusses steuern. Das geht nur mit Fingerspitzengefühl und klaren Kommandos, sonst reißt die Strömung das Sammelgerät herum und stellt es auf den Kopf. Erst nach mehreren Anläufen strömt das Wasser ruhig durchs Netz und nach zehn Minuten kann Isabella Schrank die Reste, die darin hängen bleiben, in einem Becher aufsammeln. Ein Strömungsmesser hat mitgezählt, wieviel Liter Wasser dabei durchs Netzt geströmt sind.

Blattreste, Schlamm, vielleicht auch Plastik- Isabella Schrank spült den Trichter aus, mit dem sie Proben von der Wasseroberfläche gesammelt hat.

Blattreste, Schlamm, vielleicht auch Plastik- Isabella Schrank spült den Trichter aus, mit dem sie Proben von der Wasseroberfläche gesammelt hat.

Zahlen für die Politik
Mit bloßem Auge ist Plastik in der Probe nicht zu entdecken. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch: Drei bis vier Wochen dauert es, bis die Mitarbeiter im Labor eine Probe fertig ausgewertet haben und sagen können, wieviel Kunststoffreste darin stecken. Viel Aufwand für ein paar winzige Plastikteilchen. „Aber“, sagt Martin Löder, „die Politik braucht Zahlen, um zu sehen, ob es ein Problem ist. Und wir wollen Daten generieren.“ Und: „Wir sehen ja selber, es liegt überall was rum, Zigarettenschachteln, Kippen, Plastiktüten. Und wenn das ins Gewässer kommt, kann es zum Problem werden.“

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