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Fische die summen und knattern

07.09.2015, von , in Karte anzeigen

Elefantenruesselfisch-512

Der Elefantenrüsselfisch ist durchschnittlich 25cm lang.

Es gibt Fische, die stehen ständig unter Strom. Das klingt seltsam, ist aber wichtig um zu überleben. Forscher der Universität Tübingen untersuchen Arten, die sich mittels elektrischer Felder orientieren. Manche Fische stehen sprichwörtlich seit ihrer Geburt unter Spannung, andere bevorzugen es zu knattern.

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Im Labor werden die eletrischen Signale der Fische hörbar.

Sag´s elektrisch – wenn Fische summen und knattern

Mit zwei Elektroden – ganz normalen Kupferdrähten – ausgerüstet steht die Reporterin vor einem Aquarium im Labor an der Universität Tübingen. Im nüchtern eingerichteten Wasserbecken – keine Pflanzen, nur eine graue Plastikröhre – schwimmt ein unscheinbarer Fisch. Doch der kann auf eine ganz ungewöhnliche Art kommunizieren: Hält man zwei dünne Kupferdrähte in das Aquarium, dann entsteht ein seltsam surrendes Geräusch, das über die angeschlossenen Lautsprecher zu hören ist.

Mit einem speziellen Organ in seinem Schwanz erzeugt der sogenannte Weißstirn-Messerfisch aus Südamerika ein schwaches elektrisches Feld, erklärt Jan Benda, Professor für Neurobiologie. Tausendmal pro Sekunde entlädt der Fisch sein elektrisches Organ, dabei wechselt das elektrische Feld permanent seine Polarität. „Das Signal können wir über den Verstärker aufnehmen, und auf einen Lautsprecher geben, und dann hört sich das an wie ein Ton von 1000 Hertz“, sagt Benda. Es ist ein konstantes Summen, weshalb Jan Benda den Fisch zu den Summern zählt.

Wie entstand das elektrische Organ?

Der Messerfisch sendet diese elektrischen Felder ständig aus, um seine Umgebung wahrzunehmen und um mit Artgenossen zu kommunizieren. Wenige Tage nach seiner Geburt beginnt er damit und ist dann sein ganzes Leben lang „auf Sendung“. Das funktioniert so, dass der Fisch nicht nur Signale aussendet, sondern auch Rezeptoren auf seiner Körperoberfläche hat, mit denen er die unterschiedlichen Feldstärken seiner Umgebung messen kann. Objekte in der Nähe erzeugen eine messbare Veränderung der Feldstärke, die der Fisch zur räumlichen Wahrnehmung und Orientierung nutzt.

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Der Elefantenrüsselfisch nimmt seine Umgebung mittels elektrischer Impulse wahr.

Das elektrische Organ hat sich im Laufe der Evolution aus Muskelzellen gebildet. Jede dieser Zellen kann normalerweise eine kleine Spannung erzeugen, die dann aber nachher in eine Bewegung umgewandelt wird; und bei diesen elektrischen Fischen können die Zellen sich nicht mehr bewegen, aber die Spannungserzeugung existiert immer noch. Ganz viele Zellen sind hintereinander geschaltet, dadurch addieren sich die Spannungen auf und ein elektrisches Feld entsteht. Zu den elektrischen Fischen zählt auch der afrikanische Elefantenrüsselfisch. Im Gegensatz zum Messerfisch erzeugt er einzelne Pulse, weshalb die Forscher ihn „Knatterer“ nennen.
Jan Benda und sein Team erforschen übrigens nicht nur im Labor diese Art von Fischen, sondern auch im Freiland, sie wollen herausfinden, wie Messerfische die elektrischen Felder in freier Wildbahn einsetzen.

Doktorant Joerg Henninger bei der Arbeit in Panama.

Doktorand Joerg Henninger bei der Arbeit in Panama.

 

 

 

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