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Blutsauger gesucht – Zecken sammeln für die Wissenschaft

06.07.2015, von , in Karte anzeigen

Reporterin Charlotte Grieser versucht die Maus zu packen

Reporterin Charlotte Grieser untersucht eine Maus auf den Befall mit Zecken

Heimtückisch stürzen sie sich auf ahnungslose Spaziergänger und saugen ihnen das Blut aus! Zecken sind ziemlich unangenehme Biester und können außerdem Krankheiten übertragen. Aber wo gibt es die meisten Zecken, welche Umweltfaktoren begünstigen ihre Ausbreitung und was übertragen sie eigentlich wirklich? Das Zeckenprojekt des Karlsruher Instituts für Technologie untersucht seit mehreren Jahren die Verbreitung und die Population von Ixodes ricinus in Baden-Württemberg, gefördert vom Landesumweltministerium. Dafür muss man die Zecken aber erst mal haben! Unsere Reporterin Charlotte Grieser ist mit Wissenschaftlerinnen auf Zeckenfang gegangen.

Auf Zeckenfang

Die Mücken fressen uns fast auf, als wir uns den Weg durchs Unterholz am Michaelsberg in Untergrombach bei Karlsruhe bahnen. Es ist gut 20°C warm und etwas feucht, also ideales Zeckenwetter, erklärt Dr. Miriam Pfäffle. Die Ökologin vom Karlsruher Institut fürTechnologie (KIT) untersucht Zecken in Baden-Württemberg auf Verbreitung, Populationsgröße und -dichte, Krankheiten und Umweltfaktoren. Dafür müssen die Zecken aber eingefangen werden, und da es keine Zeckenfallen gibt, haben Miriam Pfäffle und ihre Mitarbeiterin Iris Vavatzanidou zwei Möglichkeiten:

Rötel-oder Wühlmäuse sind eine der am häufigsten vorkommenden Arten in Deutschland

Rötel-oder Wühlmäuse sind eine der am häufigsten vorkommenden Arten in Deutschland

Entweder sie flaggen die Zecken ab, dass heißt ein weißes Tuch wird zum Beispiel über eine Wiese gezogen und die Zecken bleiben darin hängen. Oder sie fangen größere Tiere, an denen sich die Zecken festbeißen – das machen wir heute: im Wald stehen Mausefallen.Wir sammeln die kleinen Alukästchen ein. Durch einen Tunneln kann die Maus in die Falle hinein zum Köder, dann schnappt die Tür hinter ihr zu. Miriam Pfäffle sammelt pro Standort mehrere Tage hintereinander jeweils morgens und abends die Fallen ein – keine Maus ist also länger als ein paar Stunden gefangen.

Identifizierung der Maus

Mit einer Pinzette werden die Zecken abgesammelt

Mit einer Pinzette werden die Zecken abgesammelt

Ich ziehe mir Handschuhe an, stecke die Falle in eine Plastiktüte und öffne sie vorsichtig. Meine erste Falle ist leer, manchmal löst ein anderes Tier, das vorbeischleicht, den Mechanismus aus, oder es kriechen Nacktschnecken hinein. Beim zweiten Versuch habe ich mehr Glück: eine Rötel- oder Wühlmaus ist in die Falle gegangen. Ich packe sie im Nacken und hebe sie aus der Tüte. Iris Vavazanidou misst die Größe und das Gewicht des Tieres und trägt alles in eine Tabelle ein. Damit die Maus identifiziert werden kann, falls sie noch einmal gefangen wird, bekommt sie eine Tätowierung auf die Füße.

In diesen Behältern werden die Zecken gesammelt und ins Labor gebracht

In diesen Behältern werden die Zecken gesammelt und ins Labor gebracht

Anschließend sammeln die beiden Wissenschaftlerinnen mit einer Pinzette die Zecken von der Maus – meist noch im Larvenstadium. In einem kleinen Plastikbehälter wird die „Ausbeute“ am Abend ins Labor gebracht. Dort werden die Zecken tiefgefroren und die toten Blutsauger anschließend auf Krankheiten untersucht.

Im Zusammenhang mit den Standorten, an denen die Mäuse gefangene wurden, der Jahreszeit, der Art der Mäuse, ihrem Alter und Geschlecht sowie Umweltfaktoren wie Temperatur und Niederschlag entsteht so seit drei Jahren ein Überblick, der die Zeckenpopulation und die Ausbreitung von Krankheitserregern in Baden-Württemberg erfasst.

Nach dem Besuch im Grünen

Miriam Pfäffle (links) und Iris Vavatzanidou tragen alle Daten genau ein

Miriam Pfäffle (rechts) und Iris Vavatzanidou (l.) tragen alle Daten genau ein

Miriam Pfäffle empfiehlt übrigens, sich nach jedem Spaziergang in der Natur auf Zecken zu untersuchen. Die getragene Kleidung sollte lieber draußen ausgeschüttelt werden und wer ein Tier auf sich findet, sollte es mit einer Pinzette am Kopf greifen und gerade herausziehen. Wenn der Kopf steckenbleibt oder im Zeitraum von zwei Wochen nach einem Biss Hautverfärbungen oder Fieber auftreten, unbedingt einen Arzt aufsuchen! P.S.: Ich habe nach dem Besuch am Michaelsberg übrigens nur eine Zecke von meinem Körper pflücken müssen.

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