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Wenn Piloten müde werden – Tests im Simulator

29.06.2015, von , in Karte anzeigen

Der Flugsimulator der Uni Kassel ist der Boing 747 nachempfunden.

Der Flugsimulator der Uni Kassel ist der Boing 747 nachempfunden.

Auf Langstreckenflügen haben auch Piloten ihre „Durchhänger“. Wann genau sie diese Tiefs haben, ob nach zwei, vier oder sechs Stunden: Das wollen Arbeitspsychologen an der Uni Kassel heraus finden. Sie haben in Zusammenarbeit mit der Lufthansa eine Studie dazu gestartet und einen Flugsimulator gebaut, wo sie den Piloten im wahrsten Sinne in die Augen schauen. Jens Wellhöner hat ihn ausprobiert:

 

 

„Fliegen“ wie im echten Leben

Für Fluggesellschaften ist zentral, wann der optimale Zeitpunkt für einen Schichtwechsel der Piloten ist.

Für Fluggesellschaften ist zentral, wann der optimale Zeitpunkt für einen Schichtwechsel der Piloten ist.

Auf Langstreckenflügen über Nacht wechseln sich immer drei Piloten ab. Für die Fluggesellschaften ist es wichtig zu wissen, wann der optimale Zeitpunkt für den Schichtwechsel ist, denn damit können sie die Sicherheit während der Flüge verbessern. Und hier kommen die Kasseler Forscher ins Spiel: Sie haben ein Messsystem entwickelt, mit dem sie auf Langstreckenflügen die Piloten beobachten und feststellen können, wann es für sie Zeit wird, Pause zu machen. Herzstück des Systems ist die Stirnkamera. Ob und wie sie funktioniert, testen die Forscher in ihrem Flugsimulator. Torsten Burghardt zum Beispiel ist ausgebildeter Pilot und studiert am Fachbereich Arbeitspsychologie. Er hat den Simulator schon oft benutzt. Während er darin „fliegt“ zeichnet die Stirnkamera seine Blickbewegungen auf und misst das Pulsieren seiner Pupillen.

Zusage von Lufthansa

Im Simulator muss der Pilot ganz normal starten, die Flughöhe erreichen und den Autopiloten einstellen. Wie im echten Leben. Burghardt konnte auch schon auf einem realen Langstreckenflug die Piloten beobachten und das Kasseler Messsystem ausprobieren. Die Piloten trugen dabei die Stirnkamera. Zwischen 2 und 3 Uhr deutscher Zeit hatten sie ihr „Tief“.

Das nächste Projekt der Forscher ist die Anwendung des Müdigkeits-Messsystems auf einem Flug nach Japan

Das nächste Projekt der Forscher ist die Anwendung des Müdigkeits-Messsystems auf einem Flug nach Japan

Die Ergebnisse der Studie hat die Airline auch schon umgesetzt und auf ihrer Buenos-Aires-Verbindung in den Dienstplan eingebaut. Jetzt steht noch ein Projekt für die Kasseler an: Sie wollen ihr Müdigkeits-Messsystem auf der Verbindung nach Japan einsetzen. Denn durch die unterschiedliche Zeitverschiebung herrschen auf der Ostroute für die Piloten wieder andere Verhältnisse wie auf der Westroute nach Buenos Aires. Vor seinem Einsatz im realen Cockpit muss das System noch einmal im Flugsimulator getestet werden. Die Lufthansa hat auch schon zugesagt.

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