. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Libellen mögen Ballungszentren

16.06.2015, von , in Karte anzeigen

Eine Prachtlibelle in der Hand des Forschers

Eine Prachtlibelle in der Hand des Forschers

Libellen schweben wie kleine, schillernde Hubschrauber durch die Luft. Mehr als 6000 Arten gibt es weltweit. In Mitteleuropa sind es 85 Arten, davon sind fast zwei Drittel vom Aussterben bedroht. Ein Beispiel:  die grüne Flussjungfer. Sie lebt an Bächen und Flüssen und galt bisher unter Experten als städtehassend. Doch in Braunschweig  kann man davon nichts merken. Libellenforscher vom Institut für Geoökologie der Technischen Universität Braunschweig haben sie schon in der Vergangenheit dort aufgespürt.

Jetzt wollen die Forscher  herausfinden, wie häufig die grüne Flussjungfer tatsächlich im Stadtgebiet vorkommt – und warum das in Braunschweig anders als in anderen Städten ist. Denn auf diese Art lässt sich vielleicht auch eine Möglichkeit herausfinden, wie diese Libellen deutschlandweit besser geschützt werden können. Carmen Woisczyk hat die Forscher bei der Libellensuche an einem Flusslauf begleitet.

Bei der Suche nach kleinen Libellenlarven ist ein gutes Auge gefragt

Bei der Suche nach kleinen Libellenlarven ist ein gutes Auge gefragt

Die Libellenforscher suchen in einem Flusslauf, der durch die Stadt Braunschweig führt, nach den Larven der grünen Flussjungfer. Denn als schillerndes Insekt fliegt sie nur wenige Monate durch die Luft. Aber im Wasser verbringt sie bis zu drei Jahre ihres Lebens. Um sie dort zu finden, stellen die Forscher, Odonatologen genannt, einen Kescher mit feinmaschigem Netz auf den Flussgrund.

Suchender Blick in der Kescher

Suchender Blick in der Kescher

Dann wirbeln sie Wasser und damit auch Sand und Kies vom Grund mit dem Fuß in den Kescher hinein. Ein prüfender Blick auf den Inhalt verrät, ob sie fündig geworden sind. Die Larven der grünen Flussjungfer sind nur wenige Zentimeter groß und relativ unscheinbar. Sie sind graubraun, haben wie alle Insekten sechs Beine, kurze, eng am Körper liegende Fühler und als besonderes Erkennungsmerkmal Dornen auf dem Hinterleib.

Drei Prachtlibellen - gut zu erkennen an ihren langen Fühlern

Drei Prachtlibellen – gut zu erkennen an ihren langen Fühlern

Für Libellenforscher sind diese Insekten ein wichtiger Bioindikator für den Zustand von Gewässern und Landschaften. Insbesondere die grüne Flussjungfer reagiert empfindlich auf Umweltveränderungen. Das Vorkommen dieser Art im Stadtgebiet von Braunschweig werten die Forscher deshalb als Erfolg für eine gute Gewässerpflege. Der Fluss verläuft nicht gerade, sondern schlängelt sich durch ein Stadtgebiet nahe der Universität. Außerdem gibt es eine Wiese mit Obstbäumen neben dem Ufer. Von dort aus sind eine Bahnlinie und eine Straße zu sehen. Ganz in der Nähe sind auch einige große Bürogebäude und Wohnhäuser. Der städtische Trubel scheint die Libellen aber nicht weiter stören, stellen die Forscher fest.

An welchem Gewässerabschnitt ist die grüne Flussjungfer häufiger zu finden?

Gibt es Abschnitte, wo sie gar nicht vorkommt?

Libellen sind ein wichtiger Bioindikator für den Zustand von Gewässern und Landschaften

Libellen sind ein wichtiger Bioindikator für den Zustand von Gewässern und Landschaften

Fragen, die die Forscher für  Schlussfolgerungen für die weitere Planung von Renaturierungsmaßnahmen beantworten. Vielleicht lassen sich so auch die Libellen wieder in manchen anderen Städten ansiedeln.

 

 

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019