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Archäologie mit der Fotodrohne: Mit dem Quadrokopter in die Steinzeit

09.06.2015, von , in Karte anzeigen

 

Diese Drohne fliegt für die Wissenschaft   (Foto: SWR)

Diese Drohne fliegt für die Wissenschaft

Archäologen müssen meistens für sie interessante Areale Zentimeter für Zentimeter bearbeiten, sie müssen messen, kartieren, skizzieren, und sie müssen dann alle Daten zusammenbringen, um eine Gesamtansicht erstellen zu können. Das ist langwierig und wird immer dann zum Problem, wenn die Grabungen schnell ablaufen müssen, weil auf dem Areal gebaut werden soll. Genau vor diesem Problem standen Archäologen in Baden-Württemberg. Ihre Idee: warum soll uns nicht eine Drohne helfen. Nicola Wettmarshausen hat die Grabungsstelle in Kirchheim unter Teck besucht.

Für die Aufnahmen mit der Fotodrohne muss der Boden geglättet werden (Foto: SWR)

Für die Aufnahmen mit der Fotodrohne muss der Boden geglättet werden

Bei der Bauplanung eines zukünftigen Industriegebiets stehen Archäologen und Denkmalschützer unter Stress. In Notgrabungen versuchen sie den Boden zu kartieren und noch alle Funde zu sichern, die sich im Erdreich verbergen. Wie kann man die Grabungen  beschleunigen und wertvolle Funde retten?

Dr. Jörg Bofinger, Grabungsleiter und Drohnenspezialist vom Landesdenkmalamt (Foto:SWR)

Dr. Jörg Bofinger, Grabungsleiter und Drohnenspezialist vom Landesdenkmalamt

Dr. Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalschutz hat mit seinen Kollegen an einer Lösung getüftelt, durch die die Kartierung künftig viel schneller gelingen soll: Mit einer Fotodrohne werden Siedlungen und Funde abgescannt. Dieses Verfahren wird zum ersten Mal bei einer Grabung eingesetzt. Bei der jungsteinzeitlichen Siedlung in Kirchheim/Teck, Baden-Württemberg, testen Bofinger und Kollegen zur Zeit die Methode großflächig, immer wieder lassen sie die kleine Drohne über das Gelände fliegen und sammeln so Tausende von Fotos.

Keramikscherbe eines Topfes oder Vorratsgefäßes mit Knuppe zum Anfassen (Foto: SWR)

Keramikscherbe eines Topfes oder Vorratsgefäßes mit Knuppe zum Anfassen

Das Grabungsteam findet Werkzeuge aus Feuerstein, Mahlsteine und verzierte Scherben, die als sogenannte Linearbandkeramik eingestuft wird. Daneben sieht man auf den Drohnenfotos zum Beispiel deutlich die Pfostengruben, dort standen eben die massiven Pfosten aus Holz, die zum Gerüst der Häuser gehörten. Das waren zumeist Gebäude, die bis zu 30 Meter lang sein konnten.

Dieses Stück verbrannter Lehm gehörte zu einer steinzeitlichen Hauswand (Foto: SWR)

Dieses Stück verbrannter Lehm gehörte zu einer steinzeitlichen Hauswand

Man kann –so die Forscher- mittels Drohne die komplette Siedlung freilegen, man bekommt einen Eindruck vom Grundriss des Dorfes und kann dann versuchen, eine Dorfgeschichte zu schreiben. Unsere Reporterin Nicola Wettmarshausen hat mit gegraben und ein Stück verkohlte, lehmige Hauswand gefunden  – nicht weniger als 7000 Jahre alt.

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