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Überschwemmungen vermeiden – Stresstest für Gullys

22.05.2015, von , in Karte anzeigen

 

Wie viel Wasser verkraftet ein Gully? (Foto: WDR)

Wie viel Wasser verkraftet ein Gully?

Unwetter und Starkregen werden zunehmen, da sind sich Klima-Experten einig. Große Wassermassen werden die Straßen entlangfließen. Das stellt unsere Infrastruktur vor große Herausforderungen: Insbesondere die Kanalsysteme sind nicht für Starkregen auslegt. Um künftige Überschwemmungs-Schäden begrenzen zu können, prüfen Forscher an der Bergischen Universität in Wuppertal, wie leistungsstark Gullys sind.

Die Gesamtanlage (Foto: WDR)

Die Gesamtanlage

Eine simulierte Straße samt Gully ist der Mittelpunkt in der Forschungshalle der Wasserbau-Ingenieure in Wuppertal. Die Straße ist so breit wie eine halbe Fahrbahn und 10 Meter lang. Sie wirkt fast wie eine Wasserrutsche. Nur nicht so steil. Auf nur 7 Prozent ist die Steigung bei diesem Versuch für die Durchblicker eingestellt. Das lässt sich aber variieren. Unten rechts ist ein Gully eingebaut. Darunter und am Ende der Fahrbahn stehen Auffangbehälter für Wasser. Mit diesen Behältern wird geprüft, wie viel Wasser in den Gully fließt und wie viel darüber hinweg strömt.

Täglich Regenwetter in Wuppertal

Strömungskanal mit Gully (Foto: WDR)

Strömungskanal mit Gully

Fast  jeden Tag drückt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Svenja Kemper auf die Fernbedienung, um „Regengüsse“ zu simulieren. Hier im Labor strömt das Wasser durch Leitungen auf die Fahrbahn. Mal mehr, mal weniger. Je nachdem, wie stark der Regen gerade sein soll. Die Tests heute starten mit einem durchaus alltäglichen Regen. „Das ist ein starker Regen, der aber eigentlich überall mehrmals im Jahr vorkommt“ erklärt Prof. Andreas Schlenkhoff. Er leitet die Studie.

Wasser schießt über den Gully hinweg

Ein nennenswerter Teil des Wassers fließt nicht in den Gully hinein, sondern darüber hinweg. „80 Prozent des Wassers geht in den Kanal. 10 Prozent fließt daran vorbei und 10 Prozent schießt über den Gully hinweg“ schätzt Prof. Schlenkhoff. Mit solchen Schätzungen arbeiten Straßen- und Kanalbauer seit Jahrzehnten. Hier in Wuppertal soll nun aber genau erforscht werden, wie viel Wasser Gullys aufnehmen. Das Problem ist ja nicht unbedingt der einzelne Gully. „Die Wassermenge steigt ja von Gully zu Gully, weil das vorbeilaufende Wasser sich aufsummiert.

Manche Straßen werden bei Starkregen überflutet (Foto: BR)

Manche Straßen werden bei Starkregen überflutet (Foto: BR)

Bei Starkregen kann das zu großen Problemen führen“ gibt Prof. Schlenkhoff zu bedenken. Dabei geht es den Wasserbau-Ingenieuren nicht so sehr um überflutete Privathauskeller. Richtig großen Schaden können Überflutungen vor allem in Einkaufszentren oder Krankenhäusern anrichten. In Krankenhäusern stehen teure medizinische Geräte oft in Souterrain- oder Kellergeschossen.

 

Gully zwecklos?

Die Wuppertaler Wissenschaftler erstellen sozusagen eine Blaupause für Stadtplaner. Dabei werden für alle erdenklichen Straßensteigungen und –neigungen Messungen vorgenommen und festgestellt, wie viel Wasser bei wie starkem Regen vorbeifließt. Auch unterschiedliche Gullyarten werden getestet.
Sonja Kemper dreht den Wasserhahn noch einmal richtig auf und lässt einen so genannten Jahrhundertregen sich über die Fahrbahn ergießen. Ins Gully fließt zwar viel Wasser, aber ein wahrer Sturzbach strömt auch darüber hinweg. Könnte man sich die Gullys dann nicht gleich sparen? „Nein“ sagt Prof. Schlenkhoff. „Die Gullys sind schon sehr leistungsstark.“ Mithilfe der Forschungsergebnisse können Stadtplaner aber besonders heikle Stellen genau berechnen.

Gullys müssen oft große Wassermengen verkraften (Foto Colourbox)

Gullys müssen oft große Wassermengen verkraften

Dort, wo bei einem Jahrhundertregen richtig großer Schaden angerichtet werden kann, sollten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Beispielsweise könnten zusätzliche Rohre gelegt oder aber auch ein See angelegt werden, der das Wasser dann aufnimmt.

 

Seen statt überflutete Keller

„Das Wasser sollte nicht planlos durch die Stadt laufen, sondern geführt werden“, sagt Schlenkhoff.  Um sich künftig bestmöglich auf solche Ernstfälle vorbereiten zu können, lassen es die Wasserbauingenieure tagtäglich plätschern.

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