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Technik für Kriminalisten – Neue Verfahren der Spurensicherung

19.05.2015, von , in Karte anzeigen

 

Die Spurensuche am Tatort ist durch viele Störfaktoren erschwert. (Foto: Colourbox)

Die Spurensuche am Tatort ist durch viele Störfaktoren erschwert.

Forschungsprojekte haben oft klangvolle Namen, die sich aus Anfangsbuchstaben zusammensetzen. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München gibt es auch ein „Labor für Konstruktionen“ und genau dort ist das Projekt mit dem Namen „HUSSA“ angesiedelt. HUSSA steht für „Humanspurensuche und -analyse“. Was sich dahinter verbirgt, hat Roland Söker für die Durchblicker herausgefunden.


Aus unzähligen Kriminalfilmen kennt man die Spurensicherung am Tatort eines Verbrechens. Besonders wichtig ist die Sicherung von Fingerabdrücken. Das geschieht normalerweise, indem die Abdrücke mit Ruß- oder Magnetstaub bepinselt  und auf diese Weise sichtbar werden. Dieses Verfahren hat aber große Nachteile: Der Tatort wird durch die Partikel verschmutzt und auch die Sicherung der DNA-Spuren wird erschwert. Schöner wäre es, ein Verfahren zu haben, bei dem die Fingerabdrücke nicht berührt werden müssen.

Peter Sedlmeier & Prof. Peter Leibl mit HUSSA-Geräten (Foto: BR)

Peter Sedlmeier & Prof. Peter Leibl mit HUSSA-Geräten

Das dachten sich auch Peter Leibl, Professor für Konstruktionstechnik und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Peter Sedlmeier von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Die beiden machten sich daran, ein berührungsloses Verfahren der Spurensicherung zu entwickeln. Unterstützung erhielten sie dabei von der Bayerischen Forschungsstiftung sowie vom Bayerischen Landeskriminalamt und von einem Gerätetechnikhersteller. Sie schlossen sich zum Projekt mit dem Namen HUSSA zusammen, was für Humanspurensuche und -analyse steht.

Fingerabdruck-Pistole

Das Gerät für das physikalisch-chemische Verfahren (Foto: BR)

Das Gerät für das physikalisch-chemische Verfahren

Im Rahmen dieses Projektes entstanden gleich zwei neue Verfahren. Beim physikalisch-chemischen Verfahren wird der Fingerabdruck mit einem erhitzten Sekundenkleber bedampft. Peter Leibl füllt eine kleine, fingerdicke Kartusche mit dem Kleber und schraubt diese auf ein Gerät, das einer Pistole ähnelt. Wenn er das Gerät anschaltet, ertönt ein Ventilator, der Luft ansaugt, gleichzeitig steigt die digitale Temperaturanzeige in kurzer Zeit auf 80 Grad. Nur wenige Sekunden hält Peter Sedlmeier die Spitze des Gerätes nah an den Fingerabdruck und schon wird dieser erkennbar. Er kann nun abgenommen und ins Labor gebracht werden. Eventuelle DNA-Spuren bleiben daran haften und sind verwertbar. Beim optischen Verfahren wird der Fingerabdruck durch eine spezielle Einstellung von Leuchtdioden sichtbar gemacht.

 

 

Zukunft der Kriminalistik

Peter Sedlmeier mit dem Gerät für das optische Verfahren (Foto: BR)

Peter Sedlmeier mit dem Gerät für das optische Verfahren

Hier sieht der entwickelte Apparat aus wie ein kleiner schwarzer Fernseher, der seinen Bildschirm oben hat. Mit diesem kleinen Kasten fährt Peter Sedlmeier mit wenigen Zentimetern Abstand über die berührte Fläche und schon zeichnet sich auf dem Bildschirm ein unscharfer Fingerabdruck ab. Dieser wird dann in besserer Auflösung auf einem Chip im Inneren des Gerätes abgespeichert.

Beide Geräte sind noch sogenannte „Demonstratoren“: Einzelanfertigungen, die in den nächsten Monaten zur Serienreife entwickelt werden sollen. Peter Leibl ist sich sicher, dass die „Spurensicherungspistole“ mit dem physikalisch-chemischen Verfahren schon im Herbst 2016 in Serie hergestellt werden wird. Vielleicht werden dann in zukünftigen Krimiserien auch die Leute von der Spurensicherung eine Pistole bei sich haben …

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