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Bewerbungsgespräch mit einem Avatar

11.05.2015, von , in Karte anzeigen

Bewerbungs-Avatar Frau Wagner

Bewerbungs-Avatar Frau Wagner

Bewerbungsgespräche sind für viele ein Graus – vor allem, wenn sie wenig Erfahrung haben und nicht wissen, was von ihnen erwartet wird. Und Unsicherheit zeigt sich sofort in der Körpersprache – das kommt bei Personalern nicht gut an. An der Uni des Saarlandes haben Psychologen und Informatiker ein Übungsprogramm entwickelt, mit dem Jugendliche Bewerbungssituationen trainieren können. Dabei üben sie vor allem das angemessene nonverbale Verhalten. Charlotte Grieser hat’s ausprobiert.

Stufe 1 des Bewerbungsgesprächs mit Frau Wagner

Stufe 1 des Bewerbungsgesprächs mit Frau Wagner

Nett sieht sie aus, die Frau Wagner. Mit ihr habe ich gleich ein Bewerbungsgespräch, als Mechatronikerin bei einer Baumaschinenfirma. Frau Wagner ist ein Avatar, eine virtuelle Computerfrau, die mir auf einem Bildschirm präsentiert wird. Sie ist das Projekt von Arbeits- und Organisationspsychologe Professor Cornelius König von der Universität des Saarlandes und Dr. Patrick Gebhard, Leiter der Affective Computing Gruppe am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Sie haben TARDIS entwickelt, so heißt dieses Trainingsprogramm für SchülerInnen, die Bewerbungsgespräche machen müssen.

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Arbeits- und Organisationspsychologe Professor Cornelius König und Charlotte Grieser

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Dr. Patrick Gebhard, Leiter der Affective Computing Gruppe am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Das Programm übt mit mir die nonverbale Kommunikation. Bin ich aufmerksam und schaue Frau Wagner an? Signalisiert meine Körpersprache Desinteresse? Sehe ich aus dem Fenster? Lächle ich? Alles das wird über eine Kamera aufgezeichnet. Es gibt drei Stufen: Kennenlernen, Vorstellung der Firma und meine Stärken und Schwächen.

Start der ersten Stufe: Ich versuche zu lächeln und Frau Wagner anzugucken, ertappe mich aber dabei, wie ich immer zur Kamera schiele. Das ist natürlich falsch, denn die „richtige“ Blickrichtung ist die zum Bildschirm, zu meinem Gegenüber. Zu jedem Kapitel gibt es eine Karte, die vor mir neben der Tastatur liegt: darauf sind Emoticons abgebildet, die mich daran erinnern, was ich tun und lassen soll – eine ziemlich praktische Liste.

Runde zwei: Frau Wagner erzählt mir von ihrer Firma. Ich soll sie ansehen, lächeln, ab und zu bestätigend nicken und mich interessiert vorlehnen. Aha.

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Karten geben vor was zu tun ist

Letzte und wichtigste Runde: Ich soll ihr meine Stärken und Schwächen erklären und mich dabei angemessen verhalten: also selbstbewusst gestikulieren bei meinen Stärken und nicht zu viel lächeln bei meinen Schwächen, das wirkt unsicher.

Fazit: Sie ist zufrieden, rät mir aber, nicht zu viel zu grinsen. Außerdem ist das Programm immer mal wieder hängen geblieben, weil ich die ganze Zeit ins Mikro gequatscht habe – das irritiert Frau Wagner offensichtlich. Wer wenig Erfahrung mit angemessenem Verhalten in Bewerbungssituationen hat, kann hier sicher was mitnehmen.

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Der Versuchsaufbau mit Avatar Frau Wagner

Momentan wird TARDIS in Frankreich auch tatsächlich bei Jugendlichen eingesetzt. Und zur Zeit entwickelt das Forscherteam um Gebhard und König mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Weiterführung von Tardis, den EmpaT. Der soll mehr können als nur Blickrichtung, Gestik und Lächeln zu „sehen“.

TARDIS-Projekt: http://www.tardis-project.eu

EmpaT-Projekt: www.empat-projekt.de

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