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Geduldsprobe bis zum Krötenhotel – Amphibien im Testparcours

14.04.2015, von , in Karte anzeigen

 

In einem Fangkasten, auch genannt „Krötenhotel“, warten die Erdkröten auf ihren Einsatz. (Foto: BR)

In einem Fangkasten, auch genannt „Krötenhotel“, warten die Erdkröten auf ihren Einsatz.

Wenn der Schnee schmilzt, geht es los: Im März und April ziehen massenweise Amphibien instinktiv in Richtung Laichgewässer. Einige von ihnen müssen in diesen Tagen allerdings bei Holzkirchen einen Zwischenstopp einlegen. Als Probanden testen sie eine neuartige Amphibienschutzanlage. Reporterin Silke Schmidt-Thrö hat ein Rennen der etwas anderen Art beobachtet.

Mit den Forschern Severin Seifert und Anna Renzl an der Schutzanlage. Die Entwicklung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert. (Foto: BR)

Mit den Forschern Severin Seifert und Anna Renzl an der Schutzanlage.

Beim Öffnen des Deckels des Fangkasten ertönt aufgeregtes Quaken, fünf bis zehn Zentimeter große Erdkröten warten noch auf die Dämmerung. Dann wollen sie in Richtung Laichgebiete wandern – und das ist der richtige Zeitpunkt für Anna Renzl. Die Biologin vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in Valley setzt ihre Probanden dann auf einem ovalen Freiland-Parcours mit einer kniehohen Mauer an der Seite aus. Die Mauer gehört zu einer neuartigen Schutzanlage, die Kröten nicht nur vom Sprung auf der Straße abhalten, sondern noch schneller zu rettenden Krötentunneln führen soll.

Schneller ins Ziel durch Wärme

Die Lauffläche der Schutzanlage wird langsam dunkler in Richtung Ziel. (Foto: BR)

Die Lauffläche der Schutzanlage wird langsam dunkler in Richtung Ziel.

Neben mobilen Schutzzäunen werden heutzutage zwar regelmäßig feste Barrieren aus Stahl, Kunststoff oder Beton an Straßen verbaut, die neu entwickelten Betonelemente des Fraunhofer IBP sollen aber eine zusätzliche Wegweiserwirkung haben. Dafür ist die Lauffläche am Fuß der Mauer unterschiedlich leicht eingefärbt – von hell zu dunkel.

Die Idee: Der Instinkt soll Kröten leiten. „Amphibien fühlen sich wohler in warmen, dunklen Gegenden als in hellen, kalten Gegenden“, erklärt Projektleiter Severin Seifert. Sind die Platten dunkler, bleiben sie wärmer und locken Amphibien an. Die dunkelste Platte führt ins Ziel, einen Fangkasten.

Auf Beobachtungsposten

Verharren am Rande der Teststrecke (Foto: BR)

Verharren am Rande der Teststrecke

Ob das funktioniert, beobachten Anna Renzl und ihre Mitarbeiterin im Test von außerhalb der Absperrung. Folgen die Probanden dem Wärme-Wegweiser in Richtung Fangkasten? Verharren sie? Wechseln sie die Richtung? Alles wird protokolliert. Eine Geduldsprobe, denn während des Versuchs müssen die Forscher an die zwanzig Minuten möglichst regungslos verharren.

Zieleinlauf von Kröte A (Foto: BR)

Zieleinlauf von Kröte A

Das Ergebnis des Durchgangs: Eine Kröte geht ins Ziel, eine in die falsche Richtung und zwei verharren. Aber wieso? Das wissen die Forscher erst am Ende vieler Versuche. Es gilt, noch andere Wärme-Tricks in Bauelementen zu testen und mit gängigen Schutzanlagen zu vergleichen. Ein wichtiger Faktor bleibt dabei immer das Wetter: Denn auch Feuchtigkeit und Temperaturen haben großen Einfluss darauf, wie sich die Amphibien verhalten. Zumindest für die Probanden scheint sich der Testparcours schon zu lohnen. Ihre Wanderung ins Laichgewässer wird anschließend per Mitfahrgelegenheit abgekürzt.

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