. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Marder im Schnuppertest: Kann ein Spray die Tiere vertreiben?

07.04.2015, von , in Karte anzeigen

 

Marder, niedlich, aber nicht sehr beliebt (Foto: Fischotterschutz e.V.)

Marder, niedlich, aber nicht sehr beliebt (Foto: Fischotterschutz e.V.)

Klein, flink, braungraues Fell, kleine schwarze, wunderschöne Knopfaugen – und trotzdem der Schreck vieler Autofahrer, weil sie so gern die Kabel im Motorraum anknabbern: Die Rede ist von Steinmardern. Im Otterzentrum Hankensbüttel im Kreis Gifhorn wollen Wissenschaftler jetzt mit ihrer Hilfe herausfinden, wie man sie am besten vertreiben kann: Die Tiere sollen ein spezielles Marder-Flucht-Spray testen, das Autofahrer vielleicht bald in den Motorraum sprühen können. Denn es gibt eine neue EU-Verordnung, die vorschreibt, dass Hersteller ihre Produkte wie dieses Spray erst verkaufen dürfen, wenn die Wirkung auch tatsächlich nachgewiesen ist. Carmen Woisczyk war beim Marderschnuppertest dabei und konnte beobachten, wie die Tiere darauf reagiert haben.

Vorbereitungen im Mardergehege (Foto: NDR)

Vorbereitungen im Mardergehege (Foto: NDR)

Die Marder sind noch nicht zu sehen, sie haben sich im Gehege versteckt, während der Versuch aufgebaut wird. In der Mitte des Geheges ist eine Trennwand aus Holz aufgebaut. In der Wand sind sechs Durchgänge – gerade so groß, dass ein Tier hindurch schlüpfen kann, wenn es auf die andere Seite des Geheges wechseln möchte. Dort haben die Wissenschaftler Äpfel und Bananenscheiben verteilt als Lockmittel. Jetzt werden seitlich an drei von sechs Durchgängen kleine Brettchen gehängt, die mit einem speziellen Marderfluchtspray besprüht wurden. Die Frage ist, ob die Marder diese Türchen künftig meiden und nur durch die drei duftneutralen Durchgänge gehen, um an ihr Futter zu kommen. Die Wissenschaftler beobachten das Verhalten der Tiere von einem Beobachtungsposten hinter einer Holztür durch ein kleines Fenster, um die Marder nicht zu stören. Denn die Tiere sind relativ scheu.

Marder sind geruchempfindlich

Marder haben eine empfindliche Nase (Foto: NDR)

Marder haben eine empfindliche Nase (Foto: NDR)

Kaum haben die Wissenschaftler das Gehege verlassen, fühlt sich der Marder ungestört und streckt seine Nase in die Luft. Vielleicht wittert er das süße Obst. Auf der Suche nach den Leckerbissen nähert er sich der Trennwand. Zuerst bewegt er sich auf einen Durchgang mit Marder-Flucht-Spray zu. Dann macht er allerdings einen großen Bogen darum, schnuppert weiter und hüpft in einem Satz durch einen duftneutralen Durchgang.

 

Auf Beobachtungsposten (Foto: NDR)

Auf Beobachtungsposten (Foto: NDR)

Das Spray hat scheinbar gewirkt. Doch es könnte auch Zufall gewesen sein. Deshalb beobachten die Biologen das Verhalten von verschiedenen Mardern weitere 3 bis 6 Wochen –Tag und Nacht. Sie haben Fotofallen und Videokameras im Gehege angebracht. Zusätzlich ist vor jedem Durchgang in der Trennwand ein schmales  Holzbrett angebracht. Es ist eine Wippe, die einen Zähler auslöst, wenn ein Marder durch die Tür schlüpft und darauf tritt.

Stinkesocken als Marderschreck

Die Wippe löst einen Zähler aus (Foto: NDR)

Die Wippe löst einen Zähler aus (Foto: NDR)

Erst im Langzeittest können die Forscher ermitteln, ob das Spray tatsächlich eine abschreckende Wirkung hat und wie lange diese anhält. Solange müssen Autofahrer wohl noch auf altbekannte Hausmittel zurückgreifen: Katzenhaare, Klosteine, aber vor allem Menschengeruch mögen Marder gar nicht gern riechen, sagen die Experten. Ihr Tipp: Autofahrer sollten alte, getragene Socken in den Motorraum hängen, das hält die Tiere fern und kostet weniger.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019