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Koordination im Sport : Blick- und Bewegungsverhalten beim Turnen

09.03.2015, von , in Karte anzeigen

 

Reporterin Carmen Woiszcyk hüpft für die Forschung (Foto Isa Lange)

Reporterin Carmen Woiszcyk hüpft für die Forschung (Foto Isa Lange)

Flick-Flack oder dreifacher Salto: Turner fliegen und drehen sich blitzschnell in der Luft. Sie kontrollieren diese komplexen Bewegungen scheinbar mühelos. Doch dahinter steckt eine enorme Leistung des Sportlers. Sein ganzer Körper ist beim Turnen in Bewegung, das erfordert höchste Koordination. Welche Rolle das Auge dabei spielt, wollen Wissenschaftler der Universität Hildesheim herausfinden. In einer Sporthalle untersuchen sie das Blickverhalten von Trampolinspringern mit mobilen Highspeed-Kameras. Sie möchten wissen, welche Blickrichtungen oder Orientierungspunkte im Raum dabei helfen, komplexe Bewegungen wie einen Salto möglichst perfekt zu machen. Die Forschungsergebnisse könnten helfen, bessere Trainingsverfahren zu entwickeln – zum Beispiel für Anfänger im Schulsport. Carmen Woisczyk hat sich unter die Trampolinspringer gemischt:

 

Forscher untersuchen die Augenbewegungen beim Springen in der Luft.

Forscher untersuchen die Augenbewegungen beim Springen in der Luft.

Auf dem Trampolin in der Turnhalle der Universität Hildesheim springt ein Sportstudent hoch in die Luft. Er ist Teil des Experiments, bei dem es um den Zusammenhang zwischen Blick- und Bewegungsverhalten geht. Auf dem Kopf trägt er einen Fahrradhelm, an dem eine mobile Kamera befestigt ist. Damit werden seine Augenbewegungen aufgezeichnet, während er einen Salto Rückwärts macht.

 

 

Reporterin Carmen Woiszcyk hüpft für die Die Versuchsanordung (Foto Isa Lange)

Die Versuchsanordung (Foto Isa Lange)

Eine zweite Kamera filmt seine Körperbewegungen aus der Entfernung. Beide Aufnahmen werden per Funk auf einem Computerbildschirm übertragen und sind nebeneinander zu sehen. Darauf wird deutlich, dass der Student die Augen während des Saltos für einen kurzen Moment geschlossen hat. Ihm selbst war das gar nicht bewusst. Ebenso wie fast allen anderen Nichtprofis, die bisher mit dem Verfahren untersucht wurden: 98 Prozent der Teilnehmer haben die Augen während der Drehung in der Luft geschlossen, ohne es selbst zu bemerken. Das haben die Wissenschaftler der Universität Hildesheim in der Vergangenheit herausgefunden.

 

Die Helmkamera wird justiert

Die Helmkamera wird justiert

Echte Profis hingegen haben ihre Augen die ganze Zeit geöffnet, wie ein Video eines Trampolinspringers aus dem Nationalteam zeigt. Der Sportstudent schaut sich diese Videoaufnahmen an und erhält wichtige Tipps, die er sofort umsetzen soll. Er soll – genauso wie der Profi im Video – die Augen bewusst offen halten und kurz nach dem Absprung zum Salto gezielt Richtung Decke schauen.

Ziel der Forschung sind bessere Trainingsmethoden

Ziel der Forschung sind bessere Trainingsmethoden

Die mobile Kamera nimmt jetzt auch seinen 2. Versuch auf. Das Ergebnis: Seine Augen bleiben die ganze Zeit geöffnet und der Salto klappt perfekt. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass der Student so auch in Zukunft schneller lernen kann. Es sei eine bessere Voraussetzung, um noch komplexere Drehung wie einen doppelten Salto oder einen Salto mit Schraube zu erlernen. Die neue Trainingsmethode soll nun soweit entwickelt werden, dass auch Lehrer sie im Schulsport anwenden können.

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