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Die Nacht ist hell – Über die Lichtverschmutzung in Städten

23.02.2015, von , in Karte anzeigen

Festbeleuchtung auch bei Nacht (Foto: SWR)

„Festbeleuchtung“ auch bei Nacht

2015 ist das Internationale Jahr des Lichts. Die Vereinten Nationen haben dieses Motto ausgewählt. Das laufende Jahr soll dabei an die Bedeutung des Lichts für Menschen, Tiere und Umwelt erinnern – und dabei ist es auch wichtig, auf die Nachteile des künstlichen Lichts zu gucken. Denn die gibt es: In vielen Städten etwa ist die Nacht mittlerweile taghell – weil Straßenlaternen, beleuchtete Wohnungsfenster und illuminierte Hochhäuser die Nacht rauben. Forscher sprechen von Lichtverschmutzung. Und die hat Folgen. Thomas Gith ist mit einer Ökologin und einem Weltraumwissenschaftler durch Berlin spaziert – auf der Suche nach der verlorengegangenen Nacht.

Nachthimmel über Berlin (Foto: SWR)

Heller als das Licht des Mondes: der Nachthimmel über Berlin

Bei einem nächtlichen Spaziergang mit der Ökologin Annette Krop-Benesch vom Forschungsprojekt Verlust der Nacht und dem Weltraumwissenschaftler Christopher Kyba vom Potsdamer Geoforschungszentrum wird das deutlich: Am belebten Potsdamer Platz im Herzen Berlins ist es taghell – obwohl es von der Zeit eigentlich Nacht ist. Hochhäuser mit beleuchteten Bürofenstern ragen in den Himmel, Straßenlaternen tauchen Gehwege und Fahrbahnen in helles Licht, beleuchtete Werbetafeln funkeln in gelb, rot, blau.

Lichtemissionen messen (Foto: SWR)

Mit einem speziellem Gerät lassen sich die Lichtemissionen messen

Auch mehrere hundert Meter entfernte Fußgänger lassen sich erkennen, die Orientierung ist problemlos möglich. Der Nachteil: Das künstliche Licht wird in wolkigen Nächten am Himmel reflektiert und gelangt zurück zum Boden – die Nacht wird hell. Bei Menschen kann das den Hormonhaushalt durcheinander bringen, Insekten, die sich beim Flug natürlicherweise am Mond orientieren, werden von leuchtenden Werbetafeln irregleitet und verenden an ihnen.

Lichtermeer (Foto: SWR)

Lichtermeer – vor allem Insekten werden durch die nächtliche Beleuchtung irritiert

Dabei wäre Abhilfe möglich: Straßenlampen könnten das Licht statt in alle Richtungen gezielt zum Boden abstrahlen. Die Sicherheit auf den Wegen wäre nicht beeinträchtigt, die Nacht dennoch dunkler. Denn die ist uns in den großen Städten verloren gegangen. Selbst im Berliner Tiergarten, einem großen Park mit Bäumen, Wiesen und nur wenigen Lampen, ist es in einer wolkigen Nacht hell: Das künstliche Licht Berlins wird am Himmel reflektiert, zurück zur Erde geschickt und taucht den Park auch nachts in milchiges Licht.

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