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Wearables – Kluge Klamotten

13.02.2015, von , in Karte anzeigen

Kristina Hortenbach testet die Radiomütze: Schlaufe binden heisst Radio einschalten

Kristina Hortenbach testet die Radiomütze: Schlaufe binden heisst Radio einschalten

Im Design Research Lab der Universität der Künste in Berlin untersuchen Professoren und Studierende, wie man Kleidung und Technik zusammenbringen kann. „Fashion Tech“ nennt man das in der Fachsprache. Technische Erfindungen sollen sich an die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen anpassen. Kristina Hortenbach hat die Nachwuchstüftler besucht.

In mehreren Forschungsgruppen entwickeln die Mitarbeiter des Design Research Lab interaktive Textilien. Einige der Fragen, die sie umtreiben: Wie lässt sich die Interaktion von Mensch und Technik neu denken, wie werden Computer textil? Gibt es alternative Eingabegeräte zu den bisherigen, zu Knöpfen, Dreh- oder Schiebereglern?

Die Herstellung der Kleidung erfordert auch viel Fingerspitzengefuehl (© designresearchlab)

Die Herstellung der Kleidung erfordert auch viel Fingerspitzengefuehl (© designresearchlab)

Gerade arbeiten die Nachwuchsforscher in ihrem Labor an einer Strickmütze. Von außen sieht sie ganz normal aus, doch im Inneren entpuppt sie sich als technisches Gerät: Sie ist ein Radio. Unter dem Strick ist ein Stoffteil angeknöpft. Drähte verbinden verschiedene textile Sensoren mit einer kleinen Elektronik. Setzt man die Mütze auf und verknotet die zwei Schlaufen der Mütze, wird ein Schalter im Inneren der Mütze kurzgeschlossen – die Mütze ist angeschaltet. Zwei Bommel sind für die Lautstärkeregelung zuständig: Zieht man am linken, wird es lauter, mit dem rechten kann man leiser stellen.

Innentasche der Notfalljacke (© designresearchlab)

Innentasche der Notfalljacke (© designresearchlab)

Um einen Sender in der Radiomütze einzustellen, verschiebt man ein Glöckchen auf einem silbernen Streifen. Der Streifen ist ein Sendersuchlauf, der wie die Suchleiste eines Autoradios früher funktioniert, die man von links nach rechts, von 85MHz bis 115MHz, verstellen konnte.

Die Wissenschaftler hinterfragen die politischen und sozialen Dimensionen von Design: Statt einen auffälligen roten Notfallknopf um den Hals tragen zu müssen, sollen Schlaganfallpatienten durch einen dezent im Kleidungsstück versteckten Sender Hilfe holen können. Das sei weniger stigmatisierend.

Gürtel zur Musiksteuerung (© designresearchlab)

Gürtel zur Musiksteuerung (© designresearchlab)

Im Zuge des Projekts wird noch an vielen anderen klugen Klamotten geforscht: Zum Beispiel an einem gestrickten Schal als Lautsprecher, den man an das Handy anschließen kann. Oder an einer Art Gürtel aus Strick, der mit Kleingeld gefüllt ist und durch die Schwerkraftverlagerung der Münzen nach unten das nächste Lied im MP3-Player abspielt. Mode kann eben mehr als nur zu wärmen oder schön auszusehen.

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