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Schutz der Flusslandschaft – Reißende Ströme aufhalten

12.01.2015, von , in Karte anzeigen

Blick durch die Glasscheibe der Versuchswasserrinne (Foto: NDR)

Blick durch die Glasscheibe der Versuchswasserrinne

Flusslandschaften zählen zu den am stärksten geschädigten Ökosystemen in Mitteleuropa. In den letzten 150 Jahren wurden die meisten Flüsse in einem hohen Ausmaß begradigt, vertieft, kanalisiert und mit Staustufen verbaut. Die Folge: Die Flüsse fließen immer schneller – ein sichtbares Zeichen dafür ist, dass Uferböschungen regelrecht ausgehöhlt werden und wegbrechen. Deshalb wurden Ufer bisher auch aufwendig befestigt – zum Beispiel mit Mauern aus Beton. Naturnah und umweltverträglich für Tiere und Pflanzen ist das allerdings nicht, denn durch den reißenden Strom werden sie regelrecht mitgerissen. Damit das künftig nicht mehr passiert, sollen Flüsse langsamer fließen. Ob das mit einfachen, naturnahen Steinbarrieren am Wassergrund funktioniert, wollen Wissenschaftler vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau an der Technischen Universität Braunschweig herausfinden: In einer der größten Wasserforschungshallen Europas – sie ist so groß wie ein ganzes Fußballfeld. Carmen Woisczyk war dort.

Die Forschungshalle (Foto: NDR)

Die Forschungshalle

In der Wasserforschungshalle befindet sich eine 20 Meter langen und schnurgerade Wasserrinne, wo mit Hilfe eines speziellen Sensors die Geschwindigkeit des Wassers gemessen wird. Durch die seitliche Begrenzung der Wasserrinne aus Glas ist eine zwei Zentimeter hohe und feste Steinbarriere zu sehen – eine Lenkbuhne aus Kieselsteinen. Sie ist in Strömungsrichtung des Wassers geneigt und fest auf dem Grund der Rinne verankert – auf der Flusssohle.

Rechts im Bild ein Teil der Steinbarriere und links ein Teil aus dem Flussbett (Foto: NDR)

Rechts im Bild ein Teil der Steinbarriere und links ein Teil aus dem Flussbett

Die Wissenschaftler  gehen davon aus, dass die Strömung dadurch umgelenkt wird, weil viele kleine Wirbel im Wasser entstehen, die die Strömung hinter der Buhne abbremsen.
Eine Idee, die nicht neu ist, aber erstmals werden nun auch die  tatsächlichen Auswirkungen solcher Buhnen wissenschaftlich untersucht. Die Messungen im Labormaßstab sollen die Grundlage für eine Anwendung im größeren Maßstab draußen in der Natur liefern.

Eine Sonde misst die Fließgeschwindigkeit  (Foto: NDR)

Eine Sonde misst die Fließgeschwindigkeit

Das Ergebnis der Messung: Die Fließgeschwindigkeit wird durch die Barriere unter Wasser im ufer- und sohlennahen Bereich reduziert. Vor der Buhne ist sie doppelt so hoch wie dahinter. Ein weiterer wichtiger Effekt ist, dass die Flusssohle vielfältig strukturiert wird, denn durch die Kraft der Wirbel entstehen in der Mitte der Wasserrinne Kuhlen im Kiesboden. Direkt an der Glasscheibe in unmittelbarer Nähe der Buhne haben sich dagegen Kieselsteine vom Grund angesammelt.

Versuchsrinne  (Foto: NDR)

In der Versuchsrinne wird der Einfluss der Bodenstruktur auf die Fließgeschwindigkeit untersucht

Diese vielfältige Bodenstruktur und die reduzierte Fließgeschwindigkeit in Ufernähe sind die Lebensgrundlage für Fische und andere Wasserlebewesen draußen in der Natur. Die Kiesablagerungen in Ufernähe zeigen, dass die Buhne das Ufer zusätzlich befestigt und vor Erosion schützt.
Bisher wurden Wasserbaumaßnahmen wie diese stark vernachlässigt, sagen die Braunschweiger Forscher. Das liege zum Teil an der bisher fehlenden wissenschaftlichen Grundlage. Deshalb sollen weitere Versuche mit Buhnen in verschiedener Größe und Anzahl folgen. Nur so könne Umwelt und Artenvielfalt besser geschützt werden.

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