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Hünenburg – Auf der Suche nach einer versunkenen Großstadt

13.10.2014, von , in Karte anzeigen

 

Archäologe Martin Posselt sucht nach Störungen im Erdmagnetfeld (Foto: NDR)

Archäologe Martin Posselt sucht nach Störungen im Erdmagnetfeld

Das sagenumwobene Troja ist es zwar nicht, aber die Hünenburg bei Watenstedt im niedersächsischen Landkreis Helmstedt war in der Bronzezeit vor 3000 Jahren ein bedeutender Herrschaftssitz mit einer der größten Siedlungen Mitteleuropas. Das Ausmaß der sogenannten Unterstadt könnte sogar noch weit größer sein als bisher angenommen. Archäologen der Universität Göttingen suchen unter der Erde nach Spuren ehemaliger Bewohner, um die wahre Größe der versunkenen Stadt zu ermitteln. Sie vermuten, dass dort neben rund 500 einheimischen Landwirten, Metallhandwerkern und Händlern auch Menschen fremder Kulturen eine neue Heimat fanden. Reporterin Carmen Woisczyk war bei der Suche dabei.

Vor der Messung wird das Feld mit Wäscheleinen abgesteckt (Foto: NDR)

Vor der Messung wird das Feld mit Wäscheleinen abgesteckt

Die Archäologen messen mit einem Magnetometer das Erdmagnetfeld auf einem abgeernteten Getreidefeld, das mit Wäscheleinen abgesteckt ist. Dieses Areal haben sie bisher noch nicht untersucht. Das Messgerät kann Störungen im Magnetfeld der Erde anzeigen. Es könnten Bodeneingriffe der ehemaligen Bewohner sein wie zum Beispiel Gebäudereste, Fundamente, Gräber oder erhitzte Steine von Feuerstellen. In der Vergangenheit haben die Archäologen bei Watenstedt ein besiedeltes Gebiet von rund 30 Hektar nachweisen können. In der so genannten Unterstadt außerhalb der Burganlage lebten schätzungsweise rund 500 Menschen in einfachen Holzhäusern.

Video: Mit dem Magnetometer auf der Suche nach einer versunkenen Großstadt
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Das bisher nicht untersuchte Areal wird mit Wäscheleinen markiert (Foto: NDR)

Das bisher nicht untersuchte Areal wird mit Wäscheleinen markiert

Heute ist von der imposanten Siedlung und der Burg nur noch ein ringförmiger Erdwall auf einem freien Feld zu sehen. Doch unter der Erde haben die Archäologen etwas Neues entdeckt: Die Unterstadt ist tatsächlich noch größer als bisher angenommen. Das wird den Forschern bei der Auswertung der Magnetometermessung vor Ort am Computer jetzt klar. Denn auf dem Bildschirm sind dutzende weiße Flecken zu sehen. Einige Flecken liegen schnurgerade in einer Reihe. Die Forscher sind sich sicher, dass es Gargruben sind. Das sind Gruben in der Erde, in denen man mit Feuer Steine erhitzte, um Fleisch zu garen. Doch anders als bei den bereits freigelegten Gargruben im Zentrum der Siedlung, sind die neu entdeckten in ungewöhnlich großer Anzahl vorhanden.

Grabungsleiter Immo Heske legt eine 3000 Jahre alte Feuerstelle frei (Foto: NDR)

Grabungsleiter Immo Heske legt eine 3000 Jahre alte Feuerstelle frei

Es sind weit mehr als 300 Feuerstellen in unmittelbarere Nähe eines ehemaligen Bachlaufs. Das ist in Deutschland einzigartig. Die Forscher schließen daraus, dass es ein ritueller Platz war. Ähnlich große Kultstätten wurden auch im Ostseebereich, im heutigen in Mecklenburg-Vorpommern und in Dänemark gefunden. Sie nehmen an, dass ca. um 900 v.Chr. eine größere Bevölkerungszahl aus dem Norden zur Hünenburg gekommen ist und dort eine neue Heimat gefunden hat. Watenstedt am Nordrand des Harzes war also offenbar auch für fremde Kulturen ein attraktiver Heimatort, vor allem weil der Harz in unmittelbarer Nähe wichtige Rohstoffe für die Metallverarbeitung lieferte, die es in ihrem Land nicht gegeben hat.

Neben der Feuerstelle finden die Archäologen Knochen von geschlachteten Schweinen und Rindern in einer Abfallgrube der Siedlung (Foto: NDR)

Neben der Feuerstelle finden die Archäologen Knochen von geschlachteten Schweinen und Rindern

Die Archäologen finden beinahe täglich Hinweise auf das Metallhandwerk in Watenstedt – zum Beispiel Schmucknadeln, Bronzeschalen und passende Gießformen. Und die Suche geht weiter. Sie legen einige der neu entdeckten Feuerstellen frei, um sie zu fotografieren und zeichnerisch zu dokumentieren. Denn jeder neue Fund ist ein Mosaikstein, der das Wissen um das Leben der Menschen vor 3000 Jahren vervollständigen kann.

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