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Volkszählung im Goldersbach – Biotop für Wassertiere

25.08.2014, von , in Karte anzeigen

Messung am Sammelpunkt (Foto: Pia Fruth/SWR)

Messung am Sammelpunkt

Das idyllische Goldersbachtal zwischen Tübingen und Bebenhausen ist ein Paradies für Radler und Wanderer; der Goldersbach selbst mit 25 Kilometern Gesamtlänge ein eher kleiner Wasserlauf. Und dennoch leben an seinen Ufern und im Wasser – sozusagen fernab der Zivilisation – Hunderttausende von Lebewesen. Vor allem die Larven verschiedenster Fliegenarten, Bachflohkrebse und Neunaugen sind im Goldersbach zu Hause. Der fast völlig naturbelassene Bach ist eines der artenreichsten Gewässer in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Vor einigen Monaten hat der Stuttgarter Biologe Dr. Arnold Staniczek hier zufällig eine Steinfliegenart entdeckt, die bislang nur zwei Mal in Deutschland gemeldet worden war. Dieser Fund gab den Anstoß für eine systematische Untersuchung. Über einen Zeitraum von einem ganzen Jahr reist Arnold Staniczek jeden Monat einmal vom Naturkundemuseum Stuttgart mit einem Team nach Tübingen. Pia Fruth hat ihn dabei begleitet.

Beim Squarefootsamplen im Goldersbach (Foto: Pia Fruth/SWR)

Auf einer quadratfußgroßen Fläche werden die Bewohner des Baches „abgefischt“

In Gummistiefeln steht unsere Durchblickerin bis zu den Waden im kalten klaren Wasser. Sie misst Temperatur, Sauerstoffgehalt und Fließgeschwindigkeit des Baches an insgesamt 10 verschiedenen Stellen und nimmt Gewässerproben, so genannte „Squarefootsamples“. Von einer Grundfläche des Bachbodens, die genau einen Quadratfuß, also 33 auf 33 Zentimeter groß ist, löst sie alle Tiere mit einer Bürste und spült sie in einen großen Käscher.

Pia Fruth beim Fangen der Insekten (Foto:SWR)

Pia Fruth beim Fangen der Insekten

Weil die Tierchen an die schnelle Strömung des Gewässers angepasst sind, also sich platt an die Steine anschmiegen, muss man schon ziemlich kräftig bürsten, damit man auch alle erwischt. Das ist wichtig, denn Arnold Staniczek will nicht nur wissen, welche Tiere im Bach leben, sondern auch wie viele. Darum werden die Wasserproben in eine weiße Wanne geschüttet. Auf den ersten Blick sieht man gar nichts, außer Sand und Steinen. Wenn man aber genau hinschaut, kann man winzige Tierchen erkennen: kaum größer als ein Fingernagel, kaum dicker als ein Bindfaden.

Was dann kommt, stellt die Geduld der Forscher auf eine echte Probe: Geduldig müssen sie Tierchen um Tierchen mit einer Pinzette fangen. „Du hast Talent“, meint der Biologe anerkennend, als Pia Fruth selbst die flinken Bachflohkrebse irgendwann zu fassen kriegt und in einem Glas mit reinem Alkohol konserviert.

Goldersbachtal  (Foto: Pia Fruth)

Das Goldersbachtal – ein Refugium, für viele – auch seltene – Tierarten

Später im Labor werden die Tiere genau bestimmt und gezählt. So können die verschiedenen Tierarten im Jahreslauf qualitativ und quantitativ erfasst werden. Die Ergebnisse dienen unter anderem als Grundlage für die Roten Listen der bedrohten Tierarten.

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