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Krabbeln im Unterholz – Suche nach neuen Käferarten

18.08.2014, von , in Karte anzeigen

Alexander Riedel sucht unbekannte Käferarten (Foto: SWR)

Alexander Riedel sucht unbekannte Käferarten

Die meisten Menschen finden sie nicht besonders attraktiv und denken, sie sind eher groß, mit schillerndem Panzer und langen Fühlern ausgerüstet. Richtig ist: Die meisten Käfer sind winzig klein, nur milimetergroß, sie übernehmen im Ökosystem wichtige Aufgaben, und längst sind nicht alle Arten bekannt. Alexander Riedel ist Insekten- und Käferforscher am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe; erst Anfang dieses Jahres entdeckte er zusammen mit Kollegen neue Käferarten auf Bali. Doch wie macht man das? Wie sammelt man Käfer und ordnet sie ein in die Kategorien „bekannt“, „unbekannt“? Ralf Caspary hat sich mit Alexander Riedel auf Käfersuche begeben:

Im Unterholz tummeln sich unzählige Käferarten   (Foto: SWR)

Im Unterholz tummeln sich unzählige Käferarten

Auf der Suche nach Käfern geht unser Durchblicker Ralf Caspary mit dem Entomologen Alexander Riedel durch den Oberwald bei Karlsruhe. „Käfer sind die artenreichste Gruppe auf unserem Planeten, es sind allein ungefähr 6.500 Käferarten in Deutschland bekannt, ab und an werden immer wieder bisher unbekannte entdeckt“, sagt Riedel und holt aus seinem Rucksack einen länglichen Sack heraus, in dem an der oberen Öffnung ein Metallsieb eingearbeitet ist. Auf das Sieb kommt Walderde,  dann wird geschüttelt, die kleineren Insekten fallen durchs Sieb und sammeln sich im Sack.

Mehr-als-nur-Dreck-viele-Käferarten sind winzig (Foto: SWR)

Mehr-als-nur-Dreck-viele-Käferarten sind winzig

Diese Probe wird dann ins Labor ins Staatliche Museum für Naturkunde gebracht. Dort breitet Riedel auf einem Tisch die braune Mischung aus Insekten und feiner Erde aus, um sie dann wiederum in einen Gazebeutel  unterzubringen. Der Beutel wird in einen sogenannten Winklerapparat eingehängt- das ist ein Zylinder aus Stoff, an seinem unteren Ende ist eine Flache angebracht, in der sich nach und nach die Insekten sammeln.

Einfach-aber-effektiv: der Winklerapparat (Foto: SWR)

Einfach, aber effektiv: der Winklerapparat

Nach cirka 10 Minuten ist es soweit: Riedel kann die Flasche abschrauben, und in der Tat kreucht und fleucht es: Zu sehen sind Asseln, Tausendfüßler und ein paar ganz kleine Käfer. Riedel entdeckt einen Rüsselkäfer, nimmt ihn mit der Pinzette auf und steckt ihn in eine kleine Flasche mit reinem Alkohol. „Darin wird die DNA am besten konserviert, die DNA müssen wir analysieren,  um genau feststellen zu können, um welche Art es sich hier handelt“, erklärt Riedel.

Rund 6500 Käferarten gibt es allein Deutschland (Foto: SWR)

Rund 6500 Käferarten gibt es allein in Deutschland

Dann entdeckt er noch einen Käfer der Gattung Acalles, das seien sehr interessante Tiere, die würden sich erst einmal sehr lange tot stellen, nach fünf Minuten wache der Käfer auf und beginne mit seinen Beinen zu zucken. Das sei eine gute Verteidigungsstrategie gegen Feinde. Riedel ist begeistert von seiner Arbeit, die immer wieder Überraschungen bietet: erst im März konnten er und seine Kollegen acht unbekannte Käferarten auf der indonesischen Insel Bali entdecken.

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