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Pfeilschnell und treffsicher – Althistoriker bauen römische Feldgeschütze nach

21.07.2014, von , in Karte anzeigen

Das Feldgeschütz erinnert an eine riesige Armbrust (Foto: SWR)

Das Feldgeschütz erinnert an eine riesige Armbrust

Historiker der Universität  Trier  bauen Feldgeschütze der römischen Armee nach. Geschütze, wie sie die Römer vor 2000 Jahren in ihren Schlachten gegen die Germanen verwendeten. Auf einem kleinen Flugplatz für Privatflieger bei Trier testen sie ihre Waffen bei Wind und Wetter. Das Team um den Althistoriker Prof. Christoph Schäfer will unter anderem herausfinden, wie die Geschütze funktioniert haben und wie treffsicher sie sind. Ludger Peters war dabei:

Die Trierer Althistoriker versuchen, die Funktionsweise der Geschütze zu verstehen (Foto: SWR)

Die Trierer Althistoriker versuchen, die Funktionsweise der Geschütze zu verstehen

Die Geschütze erinnern an eine riesige Armbrust, die auf ein Holzgestell montiert wurde. Eine Sehne aus Pferdehaar wird mit einem aufwändigen Ratschensystem – einer Art Zahnrad –  gespannt und katapultiert die Pfeile über 200 Meter weit. Die Stahlspitzen an den Pfeilen bohren sich tief in den Boden.

Aus verschiedenen Quellen haben die Trierer Historiker die aufwändigen Geschütze rekonstruiert, erzählt Doktorand Arne Döpke: „Bei Ausgrabungen in Spanien sind Stahlteile dieser Geschütze gefunden worden. Daneben haben wir antike Quellen zur römischen Armee des 1. Jahrhunderts ausgewertet und mit den Funden kombiniert. Man bekommt dann ein ganz gutes Bild der Feldgeschütze.“

Die Geschütze sind relativ treffsicher(Foto: SWR)

Die Geschütze sind relativ treffsicher

Bei den Probeschüssen der Trierer Althistoriker fällt vor allem die Präzision auf, mit der die Geschütze ihre Pfeile abschießen. Bei einer Reichweite von über 200 Metern schlagen die Pfeile ohne große Streuung in einem engen Zielkorridor ein. Sie fliegen fast lautlos und sind während des Fluges am Himmel  kaum zu sehen. Eine große Gefahr für potentielle Gegner.
Die römische Armee konnte pro Legion 60 dieser Geschütze einsetzen. „Wir wollen mit diesen Forschungen herausfinden, wie die Römer, die normalerweise alles Alte gut fanden und bewahren wollten mit Technologie umgegangen sind und wie sie ihre Techniken weiter entwickelt haben“, sagt Prof. Christoph Schäfer.

Mit einer Art von Ratsche wird das Geschütz gespannt (Foto: SWR)

Mit einer Art von Ratsche wird das Geschütz gespannt

Eins ist aber jetzt schon klar. Römische Quellen, die die Niederlage der Römer in der Varusschlacht gegen die Germanen auf das schlechte Wetter zurückführten sind,  haben wohl eher Ausreden für die Schmach gesucht. Auch bei Dauerregen sind die Geschütze, anders als in antiken Schilderungen behauptet, einsatzbereit und funktionieren. Das haben die Tests in Trier gezeigt.

 

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