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Frisch auf den Tisch: Labor testet Supermarkt-Kühltruhen

30.06.2014, von , in Karte anzeigen

Sensor in Messdummie ( Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Sensor in Messdummie

Ob Käse, Frischfleisch, Fisch, Tiefkühl- oder Molkereiprodukte – hygienisch, frisch und kühl sollen Lebensmittel gelagert werden. Besonders im Selbstbedienungsbereich im Supermarkt darf das nicht kompliziert sein. Außerdem möchten die Läden, dass ihre Kunden jederzeit an die Ware herankommen und nicht von Barrieren wie Türen in ihrem Kaufimpuls behindert werden. Denn die wären zwar energieeffizienter, aber eben nicht verkaufsfördernd. Das Ergebnis: Die meisten Kühlregale im Supermarkt sind offen. Für den Kunden, aber eben auch für die Wärme im Außenbereich. Damit das nicht schädlich für die Lebensmittel wird, kommt es auf die richtige Kühltechnik an. Inga Pflug war im mittelfränkischen Wendelstein unterwegs, wo Kühlmöbel in einem eigens eingerichteten Klimalabor auf den Prüfstand kommen.

Das Aima Kühllabor ((Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Das Aima Kühllabor

Im mittelfränkischen Wendelstein stellt die Firma Aichinger in ihrem eigens eingerichteten Klimalabor ihre Kühlgeräte auf den Prüfstand: In einem 12,5 x 7 Meter großen und drei Meter hohem Kubus, der Aichinger Measurement Area (AiMA), werden Kühltheken unter reproduzierbaren klimatischen Verhältnissen getestet. Ventilatoren sorgen dafür, dass im Raum immer die gleichen Temperatur- und Feuchteverhältnisse herrschen. Eine Klimaanlage hält das Klima in der Regel konstant bei 25°C und 60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Im Stresstest können die Parameter auf bis zu 40°C und 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit angehoben werden. Schließlich sollen Kühlmöbel die Wärme um sie herum vom Lebensmittel fernhalten. „Das ist ja der Stress. Wenn der Supermarkt kalt wäre, bräuchten wir vielleicht gar keine Kühlmöbel“, sagt Forschungsleiter Werner Kuhlmann. Auch Zugluft, Luftverwirbelungen oder Gewitterschwüle stellen die Experten hier nach. „Alle Unarten, die man machen kann, machen wir hier auch“.

Nebeltest (Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Nebeltest

Im Grunde funktionieren alle offenen Kühltheken nach dem gleichen Schema: Kalte Luft wird oben hineingeblasen und bildet im Herunterfallen einen Kaltluftschleier, der dann unten abgesaugt wird. So hält der Kaltluftschleier die warme Luft von der Ware fern, vorgekühlte Ware bleibt kalt. Denn runterkühlen, also warme Ware kälter machen, können die Kühltheken nicht. Deshalb ist es so wichtig, dass die Kühlkette im Supermarkt eingehalten wird und nur vorgekühlte Lebensmittel in die Truhen kommen. Wie gut die Kühltruhen dann tatsächlich die Temperatur halten können, wird im Labor ganz einfach mit Nebelmaschine getestet. Schon die Optik zeigt dann, ob der Luftstrom optimal verläuft oder ob etwa an den Auslassöffnungen oder am Luftdruck nachjustiert werden muss. „Weil Luft gemeinhin nicht immer das macht, was man sich so vorstellt“, haben die Geräteentwickler daran aber ganz schön zu tüfteln, sagt der Kälteexperte.

Kühlgutdummies in der Truhe ( Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Kühlgutdummies in der Truhe

Außerdem legen die Forscher im Labor Kühlgut-Dummies in die Theken. Die etwa ziegelsteingroßen Quader bestehen aus einer genormten Masse, die ähnliche Kühleigenschaften haben, wie Rindfleisch. Spezielle Mess-Dummies sind außerdem mit Sensoren verbunden, die ständig überprüfen können an welcher Stelle der Kühltheke welche Bedingungen herrschen. An die 180 Sensoren übermitteln Temperatur, Feuchtigkeit und Druck dann an eine zentrale Datenbank, wo sie ausgewertet werden können.

Werner Kuhlmann (r.) und Karsten Kunzmann (Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Werner Kuhlmann (r.) und Karsten Kunzmann

Kühltechniker wie Karsten Kunzmann lesen an diesen Daten beispielsweise ab, wie hoch der Stromverbrauch ist, ob der Kälteschleier alle Bereiche der Kühltheke gleichmäßig erreicht, ob genügend Kühlmittel zur Verfügung steht oder wie sich der Luftstrom bei unterschiedlicher Beladung ändert. Die Herausforderung: Alle Werte beeinflussen sich gegenseitig, beschreibt Kunzmann. „Deswegen ist Kühlmöbelentwicklung ganz viel Empirik, es müssen Versuche gefahren werden, es muss probiert werden, es muss natürlich auch gemessen, ausgewertet und analysiert werden. Und so kommt man über kurz oder lang zu einem optimalen Ergebnis,“ beschriebt der Entwickler. Mindestens ein Jahr dauert es den Experten zufolge, bis eines ihrer Kühlmöbel auf den Markt kommen kann. Doch der Aufwand lohnt sich: im Vergleich zu einem fünf Jahre alten Kühlregal braucht eine Theke mit neuester Technik bis zu 40 Prozent weniger Energie, so Kunzmann.

Auswertung am PC (Foto: BR-Studio Franken/Inga Pflug)

Auswertung am PC

Ob das Kühlregal im heimischen Supermarkt energieeffizient arbeitet, ist übrigens ganz einfach festzustellen: Wer im Supermarkt vor den Kühltheken kalte Füße bekommt, der bedient sich aus Möbeln, die nicht energieoptimiert arbeiten. Außerdem sollten Verbraucher darauf achten, dass die Produkte im Regal nicht höher gestapelt sind, als es die Stapelmarken (das sind i.d.R. kleine Pfeile in der Theke) zulassen.

Web-Tipp
Die Kälte-Experten aus Wendelstein zeigen im Internet in Echtzeit, wie eine ihrer Theken kühlt. Auf der Internetseite http://sirius3.de/ können Verbraucher rund um die Uhr einen Blick in die Auslage einer Metzgerei werfen und sehen, welche Temperaturen gerade herrschen und wie viel Energie verbraucht wird.

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