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Tiermonitoring – Wie man Wildkatzen zählt

10.06.2014, von , in Karte anzeigen

Wildkatzen bekommt man nur selten zu sehen (Foto: dpa)

Wildkatzen bekommt man nur selten zu sehen

Wildkatzen sehen aus  wie normale getigerte Hauskatzen. Vor 150 Jahren waren sie in Deutschland sehr verbreitet. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland nur noch fünf bis siebentausend von ihnen. Zu wenig, denn sie gelten als Leitart. Der BUND hat ein Wildkatzen-Rettungsprogramm gestartet. Dafür müssen die Tiere erst einmal gezählt werden. Das ist schwer. Denn sie sind extrem scheu und nachtaktiv, deshalb bekommt man sie eigentlich nie zu Gesicht. Reporterin Stephanie Grimme hat eine Wildkatzen-Retterin bei ihrer Arbeit begleitet.

Eine Holzlatte mit Baldrianduft lockt die Wildkatzen magisch an (foto: WDR)

Falle für Katzenhaare: Eine Holzlatte mit Baldrianduft

Christine Thiel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)  ist in den Mittelgebirgen von NRW unterwegs. Wir treffen uns im Kottenforst, einem sehr naturnah belassenem Waldgebiet bei Bonn, in dem auch schon Wildkatzen nachgewiesen wurden. Jetzt soll überprüft werden, wie viele es sind. Dafür schlägt Christine Thiel eine etwa 50 Zentimeter lange Dachlatte in den Boden, am Rand einer Waldlichtung. Die Stelle hat sie genau ausgesucht. Katzen halten sich hier gerne auf. An Waldlichtungen gibt es besonders viele Mäuse.

Baldrian macht Katzen munter

Christine Thiel zählt Wildkatzen, ohne diese zu Gesicht zu bekommen (Foto: WDR)

Christine Thiel zählt Wildkatzen

Die Latte raut sie mit einer Feile an, dann wird Baldrian-Tinktur darauf gesprüht. „Für den Menschen stinkt das,“ erklärt Christine Thiel, „aber für Katzen ist das eine Art Sexuallockstoff. Das macht sie so ein bisschen high.“ Aus bis zu einem Kilometer Umkreis können die Katzen den Lockstoff riechen. „Dann kommen sie und umarmen den Lockstab und reiben sich an ihm.“ Dabei bleiben Haare hängen, die Christine Thiel eine Woche  später vorsichtig mit einer Pinzette absammelt. Sie werden einzeln verpackt in ein Labor zur DNA-Analyse geschickt.

Katzenhaar nicht gleich Katzenhaar

Im Genetiklabor werden die Wildkatzenhaare untersucht (Foto: Thomas Stefan, BUND)

Im Genetiklabor werden die Wildkatzenhaare untersucht (Foto: Thomas Stefan, BUND)

Nicht alle Haare, die am Lockstab hängen bleiben, sind tatsächlich von Wildkatzen. Manchmal werden auch Hauskatzen angelockt. Aber per DNA-Analyse kann genau bestimmt werden, ob es Wildkatzen- oder Hauskatzenhaare sind. Bundesweit werden 300 solcher Lockstäbe aufgestellt, um die Wildkatzen möglichst genau zu zählen. Eine der wichtigsten Wildkatzen-Populationen gibt es in Nordrhein-Westfalen. In der Eifel lebt ein Drittel aller deutschen Wildkatzen. Deswegen wird hier auch besonders darauf geachtet, dass sie erhalten bleiben.

Waldpflege für die Katz
Wildkatzen brauchen Unterschlüpfe. „Vor allem tagsüber müssen sie Verstecke finden, damit sie nicht von Greifvögeln oder Füchse angegriffen werden, sondern sicher in kleinen Höhlen sitzen.“ Deswegen plädieren Naturschützer wie Christine Thiel unter anderem dafür, dass von Bäumen, wenn sie denn überhaupt abgeholzt werden müssen, zumindest die Baumkronen als Verstecke auf dem Waldboden liegen bleiben.

Der Wildkatzensprung

Reporterin Stephanie Grimme (r.) im Interview mit Christine Thiel (Foto: WDR)

Reporterin Stephanie Grimme (r.) im Interview mit Christine Thiel

Noch viel wichtiger ist es aber die Lebensräume der Wildkatzen miteinander zu verbinden, damit sie sich vermehren können. In dem bundesweit angelegten Projekt „Wildkatzensprung“, das unter anderem vom Bundesumweltministerium gefördert wird, geschieht dies. Es werden 50 Meter breite Waldkorridore angelegt, damit sich die Reviere der Tiere vergrößern. Unter anderem werden bewaldete Brücken über Autobahnen gebaut.

Wildkatze hilft Marder und Uhu

Diese Aktionen sind keineswegs nur Katzenliebhaberei. Wildkatzen gelten als wichtiger Indikator, wie gut es Waldtieren geht. Sie sind eine so genannte Leitart. Der biologische Fachbegriff „umbrella species“ (von engl. umbrella: Regenschirm) trifft die Bedeutung noch genauer: „Das heißt, wenn die Wildkatze ein optimales Habitat vorfindet, dann hat sie unter ihrem Schirm noch ganz viele andere Waldtierarten, die davon profitieren.“ Mit anderen Worten: Geht es der Wildkatze gut, dann hilft es auch anderen Waldtieren, wie dem Marder, dem sehr seltenen Haselhuhn oder auch dem Uhu.

 

 

Links

WDR Lokalzeit aus Bonn vom 19.3.2014: Die Wildkatze ist zurück

WDR Abenteuer Erde vom 8.4.2014: Wildkatzen – Unsichtbar in Deutschlands Wäldern

BUND: Ein Rettungsnetz für die Wildkatze

BUND: Projekt Wildkatzensprung

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