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Holzlack aus Zucker

19.05.2014, von , in Karte anzeigen

Friebel streicht ein Probestück mit dem gekochten Lack ein. (Foto: NDR)

Der Chemiker Dr. Stefan Friebel streicht ein Probestück mit dem gekochten Lack ein.

Wer schon mal ein Karamellbonbon am Zahn kleben hatte, der weiß, das Zuckerzeug kann wirklich ganz schön fest sitzen und ist kaum wieder abzulösen. Wenn Zucker so gut haftet, könnte man doch auch Klebstoff daraus herstellen oder Lacke, die als harzartiger Schutzfilm auf wertvollen Hölzern kleben? Dieser Frage gehen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung in Braunschweig nach. Carmen Woisczyk hat den Forschern dabei über die Schulter geguckt:

Chemiker Dr. Stefan Friebel vor dem Stahlreaktor, in dem der Lack gekocht wird.

Chemiker Dr. Stefan Friebel vor dem Stahlreaktor, in dem der Lack gekocht wird.

Statt Acrylsäure, die zur Herstellung herkömmlicher Lacke verwendet wird, nehmen die Braunschweiger Forscher Itaconsäure. Diese wird aus Wasser, einem speziellen Pilz und Melasse, einem Nebenprodukt von Zucker, gewonnen. Die Vorteile der Itaconsäure gegenüber der Acrylsäure sind ihre geringere Giftigkeit, sie ist kostengünstiger und sie wird aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht.

Im Labormaßstab werden nur kleine Mengen Lack hergestellt.

Im Labormaßstab werden nur kleine Mengen Lack hergestellt.

Der Chemiker Dr. Stefan Friebel vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung in Braunschweig hat das Geheimrezept für den Lack auf Zuckerbasis entwickelt und zeigt im Labor, wie er hergestellt wird. Er schüttet zuerst Alkohol und dann Itaconsäure in einen überdimensionalen Topf, den so genannten Stahlreaktor. Die durchsichtigen Flüssigkeiten werden darin verrührt und bei 200 Grad gekocht. Schließlich gibt er noch ein weißes Pulver dazu, den Katalysator, der das chemische Verfahren beschleunigt.

Dann kommt es in den UV-Ofen

Das mit Zucker-Holzlack bestrichene Probestück kommt in den UV-Ofen

Diese Grundmischung wird nun aus dem Stahlreaktor in ein Gefäß abgelassen. Die Flüssigkeit sieht beinahe durchsichtig aus, sie schimmert etwas gelb. Der Wissenschaftler schüttet noch ein paar geheime Zutaten dazu – und wieder wird alles mit einem großen Rührstab gut verrührt und in einem zweiten Stahlreaktor bei 80 Grad nochmals aufgekocht – wie in einer Großküche.

Einige Probestücke mit Holzlack auf Zuckerbasis liegen bereits zwei Jahre lang auf dem Dach.

Einige Probestücke mit Holzlack auf Zuckerbasis liegen bereits zwei Jahre lang auf dem Dach.

Schließlich werden noch  3 Liter Wasser dazu gegeben. Dadurch färbt sich die Flüssigkeit milchig weiß. Nun ist die Grundmischung fertig. Der Lack ist dickflüssig aber noch farblos. Der Chemiker färbt ihn mit einer Pigmentpaste nussbraun und streicht ihn mit dem Pinsel auf ein Probeholzstück. Das kommt dann in den so genannten UV-Ofen, eine mehrere Meter lange Maschine, in der das Probestück auf einem Förderband hindurchgeführt und mit UV-Licht bestrahlt wird. Das Licht härtet den Lack, es macht ihn besonders lange haltbar und widerstandfähig gegen Wind und Wetter.

Auf dem Dach werden Probestücke mit Holzlacken der Witterung ausgesetzt

Auf dem Dach werden Probestücke mit Holzlacken der Witterung ausgesetzt

Auf einem hauseigenen Bewitterungsstand auf dem Dach des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung wird die Haltbarkeit getestet. Dort liegen dutzende Proben. Einige davon sind mit dem neu entwickelten Zuckerlack bestrichen und bereits seit 2 Jahren dem Wetter ausgesetzt. Dennoch sehen sie aus wie neu: Der Lack glänzt und fühlt sich seidig weich an. Die Proben haben den Test bestanden!

Dennoch könnten Kunden den Lack noch nicht im Handel kaufen, so die Wissenschaftler. Er ließe sich zwar schon produzieren und einen Hersteller habe man auch gefunden. Aber der Markt habe doch immer so seine eigenen Gesetze.

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