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Graumulle – Forscher erkunden Magnetsinn der Nagetiere

12.05.2014, von , in Karte anzeigen

Kleine Tiere mit großen Fähigkeiten: Graumulle (Foto: WDR)

Graumulle haben eine ausgeprägten Magnetsinn

Sie sind so groß wie Hamster, beige-braun und haben völlig überdimensioniert große Zähne. Graumulle stammen aus den südlichen Ländern in Afrika und sind hierzulande sehr selten. In der Zoologischen Abteilung der Universität Duisburg-Essen gibt es eine ganze Kolonie von den Tierchen. Insgesamt 350 Graumulle leben hier in Terrarien, im sogenannten Mullarium. Professor Hynek Burda und sein Team erforschen die erstaunlichen Fähigkeiten der Tiere. Stephanie Grimme hat die Tiere beim Nestbau beobachtet und belauscht.

Professor Hynek Burda erforscht die erstaunlichen Fähigkeiten der Graumulle

Professor Hynek Burda erforscht die erstaunlichen Fähigkeiten der Graumulle

In den 1990er Jahren hat Professor Hynek Burda bereits nachweisen können, dass die Tiere über einen Magnetsinn verfügen. Bei Versuchen bauen Graumulle trotz völliger Dunkelheit ihre Nester in 80 Prozent aller Fälle in süd-östlicher Ausrichtung. Um dies nachzuweisen, wird ein Graumullenpaar in einen separaten Stall, eine so genannte Arena, gesetzt.

Forscher untersuchen u.a. den Magnetsinn der Graumulle (Foto: WDR)

Forscher untersuchen u.a. den Magnetsinn der Graumulle

Dazu wird Material für den Nestbau gegeben. Besonders gerne benutzen die Graumullen dafür Zellstoff, zum Beispiel Küchenpapier, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Begall, zerreißt drei Blätter von solchem Papier in viele Streifen und gibt sie in die Arena. Dann wird die Arena komplett abgedunkelt und die Tiere werden 3 bis 4 Stunden alleine gelassen.

Video: Graumelle bauen ein Nest
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Manchmal wird mithilfe von Helmholtz-Spulen ein künstliches Magnetfeld erzeugt. Immer wieder werden aber, wie jetzt, Referenzversuche gemacht, bei dem das natürliche Erdmagnetfeld genutzt wird.

Graumulle haben einen ausgeprägten Magnetsinn (Foto: WDR)

Graumulle leben normalerweise in selbst gegrabenen Tunnelsystemen, die sie mit Hilfe ihrer kräftigen Nagezähne graben

Mit solchen Versuchen wollen die Wissenschaftler um Professor Burda nun erforschen, wo genau sich die Rezeptoren für diesen Magnetsinn befinden. Bisherige Experimente haben ergeben, dass sie an den Augen sein müssen. Mit betäubten Augen hatten die Tiere offenbar keine Kompassorientierung mehr und haben die Nester willkürlich in allen Himmelsrichtungen gebaut. Jetzt wollen die Essener Wissenschaftler herausfinden, wo genau sich diese Rezeptoren befinden. Eher an der Retina oder zum Beispiel an der Hornhaut.

Bei den Versuchen an der Universität Duisburg-Essen handelt es sich um Grundlagenforschung. Die Wissenschaftler erhoffen sich aber letztendlich auch, Rückschlüsse auf Menschen ziehen zu können. Zum Beispiel über den Orientierungssinn und den Einfluss des Erdmagnetfelds.

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