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Verhaltensexperiment: Sind Hunde Individualisten oder Gruppentiere?

17.04.2014, von , in Karte anzeigen

x Bevor das Experiment startet, sollen sich die Hunde auf einer Wiese kennenlernen (Foto: NDR)

Bevor das Experiment startet, sollen sich die Hunde auf einer Wiese kennenlernen

Etwas nachmachen, das andere vorgemacht haben – wer kennt das nicht? Viele Menschen lassen sich bei ihren Entscheidungen von anderen beeinflussen. Aber auch Tiere gucken sich das Verhalten von ihren Artgenossen ab. So gibt es bereits wissenschaftliche Verhaltensstudien, die zeigen, dass Hunde voneinander lernen können – zum Beispiel, wie sie an verstecktes Futter herankommen. Bisher wurde aber nie untersucht, ob Hunde andere Hunde auch aus ausschließlich sozialen Gründen nachahmen. Dieser Frage gehen nun erstmals Psychologen der Universität Hildesheim nach. Sie wollen in einem Verhaltensexperiment herausfinden, ob ein Hund seiner eigenen Erfahrung folgt oder ob er sich anderen anschließt. Reporterin Carmen Woisczyk war dabei.

Hundetrainerin Amira Sultan trainiert Bodo für den Versuch (Foto: NDR)

Hundetrainerin Amira Sultan trainiert Bodo für den Versuch

Bei dem Verhaltensexperiment in einer Reithalle spielt Bodo, ein kleiner Mops, die Hauptrolle. Er soll beobachten, was ein anderer Hund, er heißt Lotta, ihm vormacht. Lotta, ein schwarzer Mischling zwischen Labrador und Pudel, wird in die Halle gebracht und läuft ohne Leine selbstständig drei Mal hintereinander durch die linke Tür hinaus. Es gibt noch eine andere Tür auf der rechten Seite der Halle. Dort läuft Lotta aber niemals durch. Denn sie hat zuvor von Hundetrainerin Amira Sultan gelernt, dass hinter der linken Tür eine Belohnung auf sie wartet. Bodo schaut aufmerksam zu, was Lotta macht. Noch wird er an der Leine festgehalten.

Bodo spielt in dem Experiment die Hauptrolle (Foto: NDR)

Bodo spielt in dem Experiment die Hauptrolle

Der kleine Mops hat zuvor in einem speziellen Training gelernt, dass hinter der rechten Tür eine Belohnung auf ihn wartet. Nun ist er an der Reihe. Er wird von der Leine los gemacht und soll sich nun entscheiden. Läuft er dem anderen Hund hinter her, oder folgt er seiner eigenen Erfahrung, indem er die rechte Tür nimmt, wo ein Leckerli auf ihn wartet? Bodo überlegt nicht lange und rast hinter Lotta her. Die ist aber schon längst nicht mehr da und eine Belohnung bekommt Bodo auch nicht.

Psychologe Markus Germar von der Universität Hildesheim und Carmen Woisczyk verfolgen das Experiment über Video (Foto: NDR)

Psychologe Markus Germar von der Universität Hildesheim und Carmen Woisczyk verfolgen das Experiment über Video

Das Experiment wird jetzt ein zweites Mal durchgeführt. Der Psychologe Markus Germar beobachtet Bodo von einem Nebenraum über Videokameras ganz genau. Er möchte Bodo auf keinen Fall durch seine Anwesenheit in der Halle ablenken und das Ergebnis verfälschen. Wieder läuft Lotta drei Mal an Bodo vorbei durch die linke Tür nach draußen.

Dann soll Bodo sich wieder entscheiden. Doch er zögert. Er schnüffelt am Boden herum, geht langsam nach links, und plötzlich rennt er dann doch nach rechts durch die Tür aus der Halle. Da bekommt er nun auch seine Belohnung. Dann wird der Versuch ein letztes Mal wiederholt: Lotta läuft erneut drei Mal an Bodo vorbei, und diesmal folgt der Mops dem schwarzen Mischling wieder. Germar ist überrascht von dem Ergebnis: Zwei Mal folgt Bodo dem anderen Hund, ohne auch nur zu zögern. Dagegen nimmt er sich lange Zeit, um seiner eigenen Erfahrung zu folgen, indem er die rechte Tür wählt.

Wenn Bodo rechts aus der halle geht, bekommt er eine Belohnung (Foto: NDR)

Wenn Bodo rechts aus der Halle geht, bekommt er eine Belohnung

Es könnte sein, dass andere Hunde ein ähnliches Verhalten zeigen, sagt Germar. Er will das Experiment in den nächsten Wochen mit insgesamt 80 verschiedenen Hunden wiederholen. Er wird alle Durchläufe auf Video aufzeichnen und für das Ergebnis heranziehen. Außerdem wertet er Fragebögen aus, die von den privaten Besitzern der teilnehmenden Hunde ausgefüllt werden. Darin beschreiben sie unter anderem den Charakter ihrer Vierbeiner. Auch davon könnte abhängen, ob ein Hund seiner eigenen Erfahrung folgt oder ob er sich anderen anschließt, sagt Hundetrainerin Amira Sultan. Schließlich könne das Ergebnis später dazu dienen, Begleithunde für blinde oder gehbehinderte Menschen besser auszubilden.

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