. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Blendfreies Fernlicht: Tests im Lichttunnel von Lippstadt

14.04.2014, von , in Karte anzeigen

 Reporter Aeneas Rooch neben der verfahrbare Walze mit Testscheinwerfern. (Foto: SWR)

Reporter Aeneas Rooch neben der verfahrbare Walze mit Testscheinwerfern. (Foto: WDR)

Helles Fernlicht ist praktisch, wenn man nachts auf einer schlecht beleuchteten Straße unterwegs ist; doch es blendet entgegenkommende Fahrer, deshalb muss es bei Gegenverkehr ausgeschaltet werden, was hingegen wieder unkomfortabel ist. Ingenieure haben dieses Problem behoben und Lichtsysteme entwickelt, die die Straße hell ausleuchten, dabei aber entgegenkommende Fahrer und Fußgänger nicht blenden. Durchblicker-Reporter Aeneas Rooch hat sich zeigen lassen, wie blendfreies Fernlicht funktioniert und getestet wird.

Europas größter Lichttunnel steht in Lippstadt. (Foto: Hella)

Europas größter Lichttunnel steht in Lippstadt. (Foto: Hella)

Im nordrhein-westfälischen Lippstadt trifft er sich mit Christian Schmidt, dem Leiter der Lichttechnik-Vorentwicklung der Firma Hella, die für Fahrzeughersteller weltweit Lichtsysteme und Elektronik entwickelt. Zum Hauptsitz der Firma gehört auch ein Lichttunnel, der mit 140 Metern Länge der größte in Europa ist. Hier testen Christian Schmidt und seine Kollegen neue Lichtsysteme.
Der Tunnel ist einer Landstraße nachempfunden: Den Boden bildet eine Asphaltdecke mit weißer Fahrbahnmarkierung, die Betonwände und die Decke sind dunkel, und auf den ersten Blick könnte man glauben, man schaue nicht in einen Tunnel, sondern stehe tatsächlich in der Nacht auf einer Landstraße. Über ein Kontrollpult am Kopf der Fahrbahn können die Mitarbeiter aus den Seitenwänden Leitpfosten oder Fußgänger-Attrappen ausfahren.

Blick aus dem Lichttunnel zurück auf den Teststand. (Foto: Hella)

Blick aus dem Lichttunnel zurück auf den Teststand. (Foto: Hella)

Mit dem Kontrollpult lässt sich auch eine große Walze steuern, die am Kopf der Fahrbahn steht und auf der viele verschiedene Scheinwerfer montiert sind. Sie kann so verfahren werden, dass sich die Testscheinwerfer genau auf der Höhe und in der Position befinden, die sie hätten, wenn sie in einem bestimmten Fahrzeug eingebaut wären; so können die Ingenieure die Scheinwerfer testen, ohne sie dafür in Fahrzeuge montieren zu müssen. Hier im Tunnel werden die Prototypen getestet, bevor sie im realen Straßenverkehr erprobt werden. Christian Schmidt fährt die Walze jedoch zur Seite, um Platz für zwei Fahrzeuge zu machen, denn heute testet er Prototypen, die bereits jeweils in einem PKW installiert sind.

Das blendfreie Fernlicht ist ein Zusammenspiel von Bildverarbeitung, Software und Lichttechnik: Eine Kamera hinter dem Rückspiegel in der Frontscheibe filmt die Straße, die Software erkennt in dem Bild entgegenkommende Autos oder andere Verkehrsteilnehmer und verfolgt ihre Position, und genau an der Stelle, an der sich der Gegenverkehr befindet, wird das Fernlicht schlicht ausgespart.

Christian Schmidt, Leiter der Lichttechnik-Vorentwicklung bei Hella, und Reporter Aeneas Rooch testen das blendfreie Fernlicht. Auf einer Leinwand beobachten sie die Lichtverteilung.

Christian Schmidt, Leiter der Lichttechnik-Vorentwicklung bei Hella, und Reporter Aeneas Rooch testen das blendfreie Fernlicht. Auf einer Leinwand beobachten sie die Lichtverteilung. (Foto: WDR)

Reporter Aeneas Rooch hat sich zu Ingenieur Christian Schmidt in einen der Wagen gesetzt. Die beiden schauen auf eine Leinwand, die einige Meter vor dem Fahrzeug herabgelassen wurde und von den Scheinwerfern des Fahrzeugs beleuchtet wird. Je nach dem, wie Christian Schmidt das Lichtsystem einstellt, bildet sich in dem breiten, hellen Streifen auf der Leinwand vor ihnen eine Lücke. Die Position und Breite dieser Lücke wird von der Software automatisch geregelt, sodass sich der entgegenkommende Fahrer immer in der Aussparung befindet und nicht angestrahlt wird. Die Aussparung wird dadurch erzeugt, dass eine Walze verschiedene Bereiche im Scheinwerfer abdeckt oder dass der Scheinwerfer aus vielen kleinen Lampen besteht, die einzeln an- und ausgeschaltet werden können. Das Fernlicht kann somit so lange wie gewünscht angeschaltet sein und die Fahrbahn ausleuchten.

Lichtexperte Christian Schmidt zeigt Reporter Aeneas Rooch schließlich, wie das blendfreie Fernlicht aus der Perspektive des Gegenverkehrs aussieht. Die beiden gehen tief in den Tunnel hinein und blicken zurück auf das Fahrzeug. Ist das gewöhnliche Fernlicht eingeschaltet, werden sie von dem gleißenden Lichtkegel geblendet. Wird jedoch das blendfreie Fernlicht aktiviert, so stehen sie just in der automatisch justierten Aussparung des Lichtkegels, und aus ihrer Perspektive ist überhaupt nicht mehr erkennbar, dass das Fahrzeug gegenüber Fernlicht eingeschaltet hat – sie stehen, vom Fahrzeug aus gesehen, in einem winzigen Aussparung, einem kleinen, dunklen Streifen im breiten Schein des Fernlichts

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019