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Flöten mit Endoskop – Forscher entschlüsseln Körperfunktionen während des Musizierens

31.03.2014, von , in Karte anzeigen

Prof. Claudia Spahn spielt hier Blockflöte für die Wissenschaft (Foto: SWR)

Prof. Claudia Spahn spielt hier Blockflöte für die Wissenschaft

Wenn man Flöte spielt oder Horn, dann laufen die entscheidenden Vorgänge im Innern des Körpers ab, zum Beispiel im Kehlkopf, in der Mundhöhle und im Brustraum. Und wenn man weiß, wie die Physiologie beim Musizieren genau funktioniert, was das Zwerchfell beim Staccato macht, dann kann man besser eine falsche von einer richtigen Spielweise unterscheiden, dann kann man als Musiker verhindern, dass man zum Beispiel seine Stimmbänder ständig überreizt. Das Freiburger Institut für Musikermedizin reist regelmäßig ins Körperinnere von Musikern, um mehr über die Physiologie beim Musizieren herauszufinden.  Kristina Hortenbach hat der Leiterin des Instituts beim Flötenspielen zugesehen:

Geschlossene Stimmlippen währen des Flötenspiels, aufgenommen per Endoskop (Foto: SWR)

Geschlossene Stimmlippen währen des Flötenspiels, aufgenommen per Endoskop

Prof. Claudia Spahn, Leiterin des Instituts, kann wunderschön Blockflöte spielen, aber die Musik ist nicht alles – gleichzeitig interessiert sie sich besonders für die Frage, was einzelne Organe wie Kehlkopf oder Stimmlippe dabei machen, wie bestimmte physiologische Vorgänge aussehen, wenn man ein Instrument spielt, eine Geige, eine Flöte, ein Horn oder eine Geige. Für Frau Spahn bietet dieser Ansatz erst einmal eine neue Art der Wahrnehmung, eine Visualisierung von Dingen, die man bisher noch nicht gut sehen konnte oder für die man sich nicht interessiert hat. Hinzu kommt, dass man durch die Ergebnisse dieser Forschung auch ein neues Körpergefühl entwickeln kann.

Dieses metallfreie Horn wurde speziell für den Magnetresonanztomographen entwickelt (Foto: SWR)

Dieses metallfreie Horn wurde speziell für den Magnetresonanztomographen entwickelt

„Bläser“, sagt Spahn,   „denken zum Beispiel oftmals, sie hätten beim Spielen zu wenig Luft, manche denken auch, sie hätten zu kleine Lungen. Und wenn man sich jetzt das ganze mal genau ansieht, dann erkennt man, dass nur in den seltensten Fällen physiologischen Defizite vorliegen. Jeder Mensch hat eben seine eigenen Potentiale, die kann er gut nutzen. Diese Erkenntnis aufgrund unserer Forschung  gibt den Forschern mehr Selbstbewusstein“.

Prof. Dr. Claudia Spahn, Prof. Dr. Bernhard Richter mit dem Hornisten und Medizinstudenten Johannes Pöppe (Mitte) (Quelle: FIM)

Prof. Dr. Claudia Spahn, Prof. Dr. Bernhard Richter mit dem Hornisten und Medizinstudenten Johannes Pöppe (Mitte) (Quelle: FIM)

Frau Spahn schlüpft dann in die Rolle der Probandin, sie lässt sich beim Flötenspiel den Kehlkopf spiegeln, die Frage dabei ist: Was machen die Stimmlippen, wenn man spielt. Der Mediziner Matthias Echternach führt die Spiegelung aus, mit einem modernen Endoskop, das durch die Nase eingeführt wird und das man fast nicht spürt, deshalb ist es ja auch möglich, während der Endoskopie zu musizieren. Wenn das Endoskop richtig platziert ist, muss Frau Spahn loslegen, sie spielt ein Vibrato, dann eine Tonleiter, dann ein Staccato. Echternach kann dabei genau beobachten, wie die Stimmlippen bei der Erzeugung der Töne mit arbeiten.

MRT-Aufnahme - Querschnitt des Kopgfes beim Instrumentenspiel  (Foto: SWR)

MRT-Aufnahme – Querschnitt des Kopfes beim Instrumentenspiel

„Diese Art der Untersuchung bringt uns sehr viel“, betont Echternach,  „es gibt bei einigen Musikern das Phänomen, wenn die mit ihren Blasinstrumenten zu viel gespielt haben, dann bekommen die Sprechprobleme. Warum das so ist, das können wir jetzt beantworten, weil wir wissen, was die Stimmlippen überfordert.“ Andererseits lernen Musiker durch diese Untersuchungen auch ökonomischer zu spielen.
Die Ergebnisse der Analysen wurden in mehr als 130 Videoclips didaktisch aufbereitet und man kann sie als Lehr-DVD kaufen, die im Helbig Verlag erschienen ist.

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