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Detektive der Lüfte – Flugunfalluntersuchung

24.03.2014, von , in Karte anzeigen

Die Unfalluntersucher Uwe Berndt (links) und Holger Röstel (rechts) bauen die Anzeigen aus dem Cockpit aus (Foto: NDR)

Die Unfalluntersucher Uwe Berndt (links) und Holger Röstel (rechts) bauen die Anzeigen aus dem Cockpit aus

Jedes Flugzeug, das in Deutschland abstürzt, aber auch deutsche Flugzeuge oder Flugzeuge deutscher Airlines, die anderswo in der Welt verunglücken, werden von Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig genau unter die Lupe genommen. Es sind Ingenieure für Luft- und Raumfahrttechnik, Piloten, Mechaniker und Psychologen. Sie arbeiten als Unfalluntersucher und haben gemeinsam das Ziel, nach Spuren und einer Erklärung für den Absturz eines Flugzeugs zu forschen. Sie reisen zur Unfallstelle, wo sie unter anderem Fotos machen und Zeugen befragen. Schließlich werden alle Überreste der verunglückten Flugzeuge nach Braunschweig gebracht. Dort wird beispielsweise die Blackbox ausgewertet, die jedes größere Verkehrsflugzeug an Board haben muss. Bei kleineren Privatmaschinen ist diese feuerfeste und stoßsichere Box mit wichtigen Daten wie dem Funkverkehr allerdings nicht verpflichtend und fehlt. Dann suchen die Ermittler nach technischen Mängeln, aber auch jeder Kratzer am Wrack könnte die Unfallursache erklären. Carmen Woisczyk war bei der Spurensuche an einer kleinen Maschine dabei, die im November 2013 in einem Waldstück bei Coburg abstürzte – drei Menschen wurden damals getötet.

Die Einzelteile liegen wie ein unfertiges Puzzle in der Halle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig (Foto:NDR)

Die Einzelteile liegen wie ein unfertiges Puzzle in der Halle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig

Hunderte Flugzeugteile liegen in einer riesigen Halle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig. Überall sind Spuren vergangener Tragödien zu sehen: Flügel, Heck und Cockpit des Kleinflugzeuges, das in Coburg abstürzte, liegen in Einzelteilen nebeneinander auf dem Boden – wie ein unfertiges Puzzle. Die Ermittler wissen, dass am Unfalltag schlechte Sicht durch Nebel herrschte. Nun wollen sie herausfinden, ob der Nebel ursächlich für den Unfall war oder vielleicht technisches Versagen an Board.

Die Anzeigen des Cockpits werden ausgebaut und im Labor genauer untersucht (Foto: NDR)

Die Anzeigen des Cockpits werden ausgebaut und im Labor genauer untersucht

Die Unfalluntersucher drehen und wenden jedes Teil und schauen sich ganz genau an, was defekt ist: Am Flügel hängen noch kleine Kiefernzweige, denn der Flügel hat sich um einen Baum gewickelt. Das Cockpit ist nur noch ein Klumpen verbogenes Metall, überall schauen Drähte heraus. Die Anzeigen zum Beispiel für Geschwindigkeit und Flughöhe sehen aus wie kleine Uhren im Cockpit. Bei vielen ist das Glas zersplittert.

Das Glas der Anzeigen im Cockpit ist beim Aufprall zersplittert (Foto: NDR)

Das Glas der Anzeigen im Cockpit ist beim Aufprall zersplittert

Dennoch könnten die Instrumente zur Unfallklärung beitragen – zum Beispiel die Warnanzeige, die im Cockpit aufleuchtet, wenn ein Triebwerk überlastet ist oder der Öldruck gefährlich niedrig ist. Es ist ein kleiner Metallkasten mit noch intakten Glühbirnen darin. Er wird ausgebaut und die Lampen werden im Labor genauer untersucht.

Die Abdeckung der Warnanzeige ist zerbrochen (Foto: NDR)

Die Abdeckung der Warnanzeige ist zerbrochen

Unter dem Mikroskop können die Unfallermittler schließlich sehen, dass die Lampe, die einen zu niedrigen Öldruck anzeigt, beim Absturz nicht brannte. Das heißt, der Öldruck kann nicht die Ursache des Absturzes gewesen sein. Aber die Lampe, die anzeigt, dass ein Triebwerk überlastet ist, war eindeutig an. Denn man erkennt, dass der Glühfaden warm war, er hat sich beim Aufprall gedehnt. im Gegensatz zu einer ausgeschalteten Lampe, bei der der Glühfaden beim Aufprall kalt ist und bricht. Das heißt, dass der Pilot wahrscheinlich Vollgas gegeben hat, weil er merkte, etwas stimmte nicht. Er wollte durchstarten und einen erneute Landeanflug wagen. Dieser missglückte jedoch. Die Unfallursache ist damit aber noch nicht geklärt, die Suche geht also weiter. Falls die Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig dabei einen technischen Mangel feststellen, könnten sie Herstellern von Flugzeugtechnik Empfehlungen geben und Unfälle wie diesen in Zukunft vermeiden helfen.

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