. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Hörtests im schalltoten Raum – Wenn man nur „Bahnhof“ versteht

24.02.2014, von , in Karte anzeigen

 

Reporterin Carmen Woisczyk beim Sprachtest (Foto: NDR)

Reporterin Carmen Woisczyk beim Sprachtest

Durchsagen in Bahnhöfen oder Flughäfen sind oft schwer zu verstehen. Schuld sind Störgeräusche und der Nachhall. Dabei ist es sehr wichtig, dass Durchsagen wie zum Beispiel Zug- oder Flugverspätungen, aber vor allem Warnungen und Anweisungen bei Feueralarm oder einer Bombendrohung gut verständlich sind – und zwar auch für Schwerhörende. Ihr Hörvermögen steht jetzt erstmals im Mittelpunkt einer aktuellen Studie der Physikalisch Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Diese Studie im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projektes soll helfen, Beschallungsanlagen zu optimieren. Dabei geht es um Sprachverständlichkeitstests im schalltoten Raum. Reporterin Carmen Woisczyk war dort.

Keilförmige Schallabsorber (Foto: NDR)

Keilförmige Schallabsorber

Überall an den Wänden sind spitz zulaufende Keile angebracht. Der Boden ist ein schwankendes Drahtnetz. Schaut man hindurch, ist erst in 2 Metern Tiefe fester Grund zu sehen – auch dort sind Keile angebracht. Sie sollen sämtlichen Schall im schalltoten Raum absorbieren. Es ist einer der wichtigsten Laborräume für akustische Untersuchungen. Beim Sprachverständlichkeitstest sitzt der Proband in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl im Testschallfeld. 8 Lautsprecher sind auf ihn gerichtet. Dann werden einfache Sätze wie zum Beispiel: „Britta verleiht elf alte Bilder“ vorgespielt und der Proband soll jedes verstandene Wort wiederholen.

Audiologe Florian Kramer steuert die Qualität der Sätze und prüft, ob der Proband alles richtig verstanden hat  (Foto: NDR)

Audiologe Florian Kramer steuert die Qualität der Sätze und prüft, ob der Proband alles richtig verstanden hat.

Die vom Tonband abgespielten Sätze sind jedoch entweder durch ein starkes oder schwaches Rauschen und/ oder durch Hall in unterschiedlicher Intensität gestört. Sie bilden eine bestimmte Güte einer Übertragungsanlage nach. Sie wird mit einem Kennwert, dem STI, auf einer Skala von 0 bis 1 gemessen. Dabei erzeugt ein Wert von 0,5 auf der Skala bei Normalhörenden eine Satzverständlichkeit von rund 90 Prozent. Dieser Wert ist durch frühere Studien bereits bekannt. Er ist ausreichend für Alarmierungsdurchsagen im Brand- oder Katastrophenfall. Unbekannt ist jedoch, wie gut Schwerhörende oder Hörgeräteträger die Sätze bei gleicher Übertragungsqualität verstehen.

Akustiker Dr.-Ing. Thomas Fedtke im reflexionsarmen Raum (Foto: NDR)

Akustiker Dr.-Ing. Thomas Fedtke im reflexionsarmen Raum der PTB. Es ist einer der maßgeblichen akustischen Laborräume.

Das wollen die Akustiker in ihrer aktuellen Studie mit Schwerhörenden Versuchspersonen und Hörgeräteträgern herausfinden. Denn erst wenn man den Zusammenhang zwischen dem STI, also dem Übertragungsqualitätskriterium für Beschallungsanlagen, und dem wirklich verstandenen Sprachmaterial kennt, kann man Konsequenzen daraus ziehen, wie man Beschallungsanlagen für Schwerhörende und Hörgeräteträger optimieren kann. Die Akustiker schaffen also erst die Grundlage dafür, dass Hersteller Beschallungsanlagen auch für Schwerhörende verständlicher machen können. Bisher haben sich Hersteller nur an Normalhörenden orientiert. Noch ist der Sprachtest mit schwerhörenden Probanden und Hörgeräteträgern nicht ausgewertet. Doch schon jetzt kann man sagen, dass im Mittel der Hall mehr stört als das Rauschen.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019