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Wenn die Fritteuse Feuer fängt – Löschsystem im Extremtest

13.02.2014, von , in Karte anzeigen

Wanne mit brennendem Fett

Bei einer Temperatur von rund 330°C entzünden sich die 120 Liter Speiseöl von selbst.

Es kommt immer wieder vor – in Restaurants, in großen Küchen, in Betrieben, die Lebensmittel herstellen: die Fritteuse fängt Feuer. Weil solche Fettbrände schnell eine ganze Küche in Brand setzen und weil schlimmste Verbrennungen drohen, gibt es automatische Löschsysteme. Bevor sie zum Einsatz kommen, müssen die Anlagen getestet werden: Ob sie funktionieren und ob sie sicher sind. Für solche Tests gibt es das Zentrum für Brand- und Explosionsschutz in Dortmund. Unser Reporter Aeneas Rooch war dort und durfte einen außergewöhnlichen Test begleiten.

Der Hersteller möchte seine Anlage einem Extremtest unterziehen: Sie soll eine Wanne mit 120 Litern brennendem Öl löschen. Noch keine Löschanlage sei in einem Versuchslabor für einen so großen Fettbrand getestet worden, sagt ein Mitarbeiter der Firma. Den Test übernimmt das DMT Zentrum für Brand- und Explosionsschutz in Dortmund, das Produkttests und Abnahmeprüfungen rund um Feuersicherheit anbietet.

Prüfhalle

Reporter Aeneas Rooch vor der Prüfhalle, in der das Fritteusenlöschsystem getestet wird.

Die Prüfhalle, in der der Test ablaufen wird, erinnert an einen kleinen Flugzeughangar: Sie besteht aus rotem Wellblech, besitzt ein rundes Dach und ist etwa acht mal acht Schritte breit und tief. Jan Klemme, Prüfingenieur bei der DMT, führt hier regelmäßig Brandtests durch – und entsprechend sieht die Halle von innen aus: Die Wände sind verrußt, der Boden ist mit einer dreckig-schmierigen Schicht überzogen, eine geschmolzene und in langen Tropfen erstarrte Verkleidung einer Leuchtstoffröhre legt Zeugnis vom letzten Brandversuch ab, bei dem das Feuer nicht schnell genug eingedämmt werden konnte und die gesamte Inneneinrichtung der Halle vernichtet hat.

In der Mitte der Halle ist eine flache Wanne aufgebaut, 70 Zentimeter breit und 2,10 Meter lang. Unter der Wanne sind drei Gasbrenner installiert, die an Fußbänke erinnern und den Bodenwannen später gleichmäßig erhitzen werden. Über der Wanne ist das Löschsystem aufgebaut, das getestet werden soll: Eine Rohrleitung mit vier Düsen zieht sich auf Kopfhöhe durch die Halle. Durch diese Leitung wird später ein spezielles Löschmittel mit Druck auf das brennende Fett gespritzt; dabei wird es durch die Düsen so fein zerstäubt, dass beim Löschen kein Fett aus der Wanne spritzt, was für noch vor Ort befindliche Mitarbeiter gefährlich wäre und den Brand womöglich weiter ausbreitete.

Video: Wenn die Fritteuse Feuer fängt
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Jan Klemme und seine Kollegen füllen 120 Liter Speiseöl in die Wanne und befeuern sie von unten mit den Gasbrennern. Nach einer halben Stunde ist das Fett auf 300°C aufgeheizt. Grauer Qualm steigt auf und sammelt sich, trotz eines leistungsstarken Lüfters, unter der Hallendecke; es riecht nach einer Mischung aus verbranntem Plastik und einem schlechten Schnellimbiss. Die Mitarbeiter der DMT überwachen den gesamten Versuch mit Kameras und Messgeräten. Für den Fall, dass der Test fehlschlägt, haben Jan Klemme und seine Kollegen Feuerschutzkleidung angelegt; es liegen Löschrohre und Atemmasken bereit.

Versuchsleiter Jan Klemme

Versuchsleiter Jan Klemme nach dem Test.

Schließlich entzündet sich das Öl selbst, bei einer Temperatur von 338°C, und brennt, erst in flackernden Flammen, dann in einer massiven Wand aus orange-gelbem Feuer. Nach einer Minute zündet der Hersteller sein Löschsystem per Hand – die automatische Auslösung wird heute nicht getestet. Unter lautem Zischen spritzt das Löschmittel auf die Flammen, dichter Qualm steigt auf. Darunter erstickt das Löschmittel die Flammen und verbindet sich mit dem Öl zu einem hellgrauen, schmierigen Gel, das brodelnd über die Ränder der Wanne quillt und auf den Boden tropft.

Nach einigen Minuten ist der Qualm abgesaugt und das Brodeln versiegt. Der Hersteller ist zufrieden, seine Löschanlage hat den enormen Fettbrand gut unter Kontrolle bekommen.

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