. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Aggressive Kämpfer – Besuch im Ameisenlabor

10.02.2014, von

Japan gegen Brasilien: Ameisenmännchen mit Flügeln kämpfen (Foto: BR)

Japan gegen Brasilien: Ameisenmännchen mit Flügeln kämpfen gegeneinander

Wenn Ameisen in ihrem Bau auf Artgenossen aus fremden Nestern treffen, kennen sie kein Pardon. Sie beißen, stechen, schieben, und versuchen mit aller Gewalt den Eindringling aus dem Nest zu entfernen. Meist mit tödlichem Ausgang. Wie genau sie dabei vorgehen, wie sie fremde Ameisen erkennen, wann der Startschuss zum Angriff fällt  und wie sie Verstärkung organisieren, untersuchen Biologen an der Universität Regensburg. In Kühlkammern halten sie Ameisenpopulationen aus aller Welt und testen wie sie aufeinander reagieren. Susi Weichselbaumer hat sie in ihrem Ameisenlabor besucht.

Ameisennest im Labor der Regensburger Forscher (Foto: BR)

Ameisennest im Labor der Regensburger Forscher

Muffig feucht riecht es in der Klimakammer. Im Halbdunkel leuchten orange Blinklichter an den Kühlschränken, die links und rechts des Mittelgangs aufgereiht sind. Auf den Türen der Schränke markieren Klebezettel den Inhalt: „Brasilien“, „Japan“, „Nummer 8“, „Nummer 9“. Es handelt sich um Ameisenkolonien, die hier im Regensburger Labor leben. Heute sollen in einem Testlauf zwei dieser Kolonien gegeneinander antreten.

Das Forscherteam um Prof. Heinze (Foto: Uni Regensburg)

Das Forscherteam

Die Forschergruppe um den Biologieprofessor Jürgen Heinze untersucht das Aggressionsverhalten der Tiere. Ausgewählt für den Aufritt im Ring haben Heinze und sein Team diesmal „Brasilien“ und „Japan“ – genauer Vertreter der Gattung „Cardiocondyla obscurior“ aus beiden Ländern. In zwei getrennten Boxen trägt Doktorandin Katharina die Konkurrenten hinüber in den Binokularraum.

 

Kämpfende Ameisenmännchen der Art Cardiocondyla obscurior (Foto: BR)

Kämpfende Ameisenmännchen der Art Cardiocondyla obscurior

Ein Mikroskop mit Kamera überträgt vergrößerte Bilder auf einen Computermonitor. Das tut Not, denn die Ameisen messen gerademal zwei Millimeter. Zudem unterscheiden sich die Brasilianer äußerlich nicht von den Japanern. In beiden Boxen wuseln optisch identische hellbraune Kerlchen, die Weibchen erkennbar am schwarzen Po. Beide ernähren sich von Honig und toten Fliegen in kleinen Schälchen. Den Unterschied mache der Geruch, erklärt Magisterstudent Tobias.

Tobias sucht eine flinke japanische Arbeiterin als Angreiferin aus und platziert sie per Pinzette direkt vor dem brasilianischen Nest. Noch bevor sich der Neuankömmling orientieren kann, hat eine brasilianische Wächterin schon Witterung aufgenommen und attackiert die Fremde.

Beißen, stechen, schieben, damit wehren sich die Ameisen gegen Eindringlinge (Foto:BR)

Beißen, stechen, schieben – damit wehren sich die Ameisen gegen Eindringlinge

Die Wahl der Waffen ist für die Ameisenart typisch: Beißen, stechen, schieben, an den Beinen packen oder am Nacken – mit dem einen Ziel, die Unbekannte möglichst rasch vom Nest zu entfernen. Die Verteidigerin beschmiert ihr Gegenüber mit einem Sekret und markiert sie so als Bedrohung. Nach und nach kommen daraufhin Brasilianerinnen zur Verstärkung. Die Japanerin wehrt sich tapfer, beißt, sticht und schmiert auch. Allerdings kann sie mit keiner Unterstützung rechnen, ihre Kolleginnen sitzen weit weg in der Box auf dem Tisch gegenüber. Das Ringen könne mehrere Minuten dauern, erklärt Student Tobias. Irgendwann sei nur mehr ein Haufen Brasilianer zu erkennen und unten drunter die Japanerin.

 

Die Ameisen sind winzig klein und werden daher unter dem Mikroskop beobachtet

Die Ameisen sind winzig klein und werden daher unter dem Mikroskop beobachtet

Bislang hat das Team um Biologieprofessor Jürgen Heinze das Verteidigungsverhalten der Ameisen in intensiven Verhaltensstudien beschrieben. In einem zukünftigen Schritt wollen die Forscher in neurologischen Untersuchungen herausfinden, wie die Informationsverarbeitung im Gehirn der Tiere funktioniert und welche Einflüsse wann Aggressionen auslösen. Apropos Aggressionen – die Japanerin in unserem Test schafft es nicht gegen die Übermacht aus Brasilien. Aber sie hält bis zuletzt dagegen… unter dem Mikroskop im Regensburger Labor im Dienste der Wissenschaft.

 

 

Mehr zum Thema:
Ameisen mit Personalnummer

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019