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Die Grube Messel – Schaufenster in die Urzeit

03.02.2014, von , in Karte anzeigen

Ditmar Schaal präsentiert einen der neuesten Funde: ein Rieseneichhörnchen. (Foto: Ralf Caspary)

Dietmar Schaal präsentiert einen der neuesten Funde: ein Rieseneichhörnchen.

Vor 47 Millionen Jahren entstand bei einem Vulkanausbruch die heutige Grube Messel bei Darmstadt. Der sich plötzlich öffnende Erdkrater füllte sich mit Wasser und wurde für viele Tiere zum Verhängnis, die in dem sauerstoffarmen und mit vulkanischen Gasen vergifteten Wasser ertranken. Ihre Kadaver sanken zu Boden und versteinerten. Die heute gefundenen Schieferplatten zeigen das Abbild dieser Tiere in seltener Feinheit: vom sichtbaren Mageninhalt bis zur versteinerten Paarung von Schildkröten. Ein sensationeller Fund in dieser Grube  ist das etwa 30 Zentimeter große Urpferdchen, ein Vorfahr des Pferdes. Es ist heute das Logo der Stätte. Mittlerweile steht die Grube Messel auf der Welterbe-Liste der UNESCO. Jetzt im Winter präparieren die Forscher im Labor der Grube Messel ihre faszinierenden Funde. Ralf Caspary war dabei.

Stefan Schaal (links) und sein Forscherteam untersuchen und konservieren die Fundstücke der Grube Messel. (Foto: Ralf Caspary)

Stefan Schaal (links) und sein Forscherteam untersuchen und konservieren die Fundstücke der Grube Messel.

Stephan Schaal, der Leiter der Ausgrabungen und Paläontologe, ist begeistert, als er durchs Mikroskop guckt: Auf der Schiefertafel entdeckt er die feinen Umrisse einer kleinen urzeitlichen Schildkröte, die mit ihrem Hornpanzer noch sehr gut erhalten ist. Man sieht die Beinchen und einen 3 Zentimeter langen Schwanz. Schaal erklärt, dass diese Art der Funde typisch sei für die Grube Messel. Die meisten Objekte könne man in ihrem gesamten Habitus sehr gut rekonstruieren, man fände nicht nur einzelne Knochen, sondern eben komplette Tiere mit der Haut und manchmal auch samt Mageninhalt, was Rückschlüsse auf die Lebens- und Fressgewohnheiten zulasse.

Bergung der Schieferplatten der Grube Messel. (Foto: dpa/picture-alliance)

Bergung der Schieferplatten der Grube Messel.

Im Sommer waren die Paläontologen die ganze Zeit an der frischen Luft, sie haben Schieferplatten in der Grube gesammelt, diese dann mit Messern aufgespalten und die so entstandenen Flächen nach fossilen Objekten abgesucht. Im Winter werden die Funde nun präpariert.

Reporter Ralf Caspary untersucht eine fossile Schildkröte.

Reporter Ralf Caspary untersucht eine fossile Schildkröte.

Das Labor ist ein cirka 30 Quadratmeter großer karger Raum, auf vier Tischen stehen Mikroskope und kleine Plexiglaswannen mit Wasser, dort werden die Funde bearbeitet. Der erste Arbeitsschritt besteht darin, die Skelette auf der Schiefertafel mit einer feinen Nadel, die wie das Instrument eines Zahnarztes aussieht, frei zu legen. Das geht relativ einfach, weil der Schiefer sehr weich ist, man kann mit ihm arbeiten wie mit einem Stück Butter.

Hier wird vorsichtig ein versteinerter Barsch freigelegt. (Foto: dpa/picture-alliance)

Hier wird vorsichtig ein versteinerter Barsch freigelegt.

Wichtig bei der Arbeit ist Erfahrung: Man sollte schon im Vorhinein erahnen können, um was für ein Tier es sich handelt und wie seine gesamten Umrisse aussehen könnten. Nachdem die eine Seite frei gelegt worden ist, wird sie kurz getrocknet und dann wird flüssiges Kunstharz aufgetragen. Dieses verbinde sich beim Härteprozess –so Schaal- fest mit den Knochen. Das Ganze sieht jetzt wie ein Sandwich aus: oben ist das gelbbraune Kunstharz, darunter die schwarze Schiefertafel.

Dann wird das Objekt gedreht und nun präpariert man von der Rückseite her, also man trägt wie beim ersten Schritt wieder den Ölschiefer ab, befreit die andere Seite des Skeletts vom Schiefer. Am Ende befindet sich dann der Originalknochen auf der Harzplatte. Das Objekt kann nun lange Zeit  in den Sammlungen der Museen überdauern.

Berühmtester Fund der Grube Messel: Das Urpferd. (Foto: dpa/picture-alliance)

Berühmtester Fund der Grube Messel: Das Urpferd.

Auf die Frage, was das größte Objekt sei, das man in Messel gefunden habe, antwortet Schaal: „ Das ist ein fast fünf Meter langes Krokodil, das ähnlich ausgesehen haben dürfte wie das Nilkrokodil, der Schädel war fast einen Meter lang. Das spannendste Objekt war ein Urpferdchen, dafür ist ja Messel auch bekannt geworden, das Urpferdchen war so groß wie ein Foxterrier, und es zeigt, was Messel zu bieten hat.“

 

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