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„Pestprofessor“ erforscht Erbgut historischer Krankheitserreger

20.01.2014, von , in Karte anzeigen

Johannes Krause untersucht Schädel (Foto: SWR)

Johannes Krause untersucht Schädel

Wie funktionieren Krankheitserreger? Wie verändern sie sich – und wie schnell? Diese Fragen treiben Forscher seit Jahrhunderten um. So auch Professor Johannes Krause von der Universität Tübingen. Er ist Deutschlands erster Professor für Archäogenetik– und  erforscht das Erbgut historischer Krankheitserreger. Bekannt wurde Krause, weil es ihm und seinem Team vor einigen Jahren als ersten gelang, das Erbgut des mittelalterlichen Pesterregers zu entschlüsseln. Bislang hatten Forscher das nur bei zeitgenössischen Erregern geschafft.Ulrike Mix ist mit Prof. Johannes Krause eingetaucht in die Welt des Schwarzen Todes.

Schädel eines Pestopfers aus dem Mittelalter (Foto: SWR)

Schädel eines Pestopfers aus dem Mittelalter

Wo aber findet heute man einen mittelalterlichen Pesterreger? Zum Beispiel unter den 10.000 Skeletten, die in der anthropologischen Sammlung der Universität Tübingen lagern. Darunter sind auch Skelette, die von einem Pestfriedhof in Stuttgart stammen.

 

In diesem Zahn lassen sich noch DNA-Spuren der Pesterreger finden (Foto: SWR)

In diesem Zahn lassen sich noch DNA-Spuren der Pesterreger finden

Aus einem Schädel zieht Professor Krause einen Backenzahn. Idealerweise einen, der kein Karies hat und auch nicht stark abgenutzt ist. Denn nur dann hat sich im Inneren das unversehrt erhalten, was die Forscher brauchen: minimale Reste von getrocknetem Blut, die im Zahn über Jahrhunderte konserviert wurden. In diesen Blutresten findet sich mit Glück auch ein mittelalterlicher Pesterreger.

 

Der Zahn wird im Labor audgesägt (Foto: SWR)

Der Zahn wird im Labor aufgesägt

Im Labor wird der Zahn aufgesägt. Mit einem Zahnarztbohrer wird das Innere ausgebohrt, so dass weißer Knochenpuder heraus rieselt. Der wird analysiert. Wenn es optimal läuft, erhält das Team am Ende den genetischen Code des Erregers.

 

Der Erreger steckt im Innern des Zahnes (Foto: SWR)

Der Erreger steckt im Innern des Zahnes

Die Arbeit von Professor Krause und seinem Team wird vom Europäischen Forschungsrat gefördert. Denn man erhofft sich viel von ihr: Die Geschichte der Krankheitserreger könnte zeigen, wie sie sich an den Menschen angepasst haben. Das wiederum könnte Anhaltspunkte geben, wie man Pest, Lepra, Ebola oder andere Erreger aktuell bekämpfen kann.

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