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Den Schatz aus dem Bildschirm bergen – Indiumrecycling

13.01.2014, von , in Karte anzeigen

Prof. Dr. Ing. Daniel Goldmann von der TU Clausthal und Reporterin Carmen Woisczyk mit einem Flachbildfernseher

Prof. Dr. Ing. Daniel Goldmann von der TU Clausthal und Reporterin Carmen Woisczyk mit einem Flachbildfernseher

Ohne Indium, ein wertvolles und sehr seltenes Metall, funktionieren keine Flachbildschirme, Touchscreens oder Handy-Displays. Doch dieser Rohstoff wird immer knapper. Schon heute wird der Bedarf gerade noch so gedeckt. Experten schätzen, dass die Weltreserven nur noch 20 Jahre reichen. Der Preis hat sich darum im vergangenen Jahrzehnt verachtfacht. Ohne Recycling geht es in Zukunft also nicht, zumal die Nachfrage weiter steigt. Doch Indium ist tief in den Hi-Tech-Geräten versteckt, und es da wieder herauszubekommen ist nicht so einfach. An der TU Clausthal hat man jetzt aber einen Weg gefunden und ein  Verfahren zum Indium-Recycling aus Altgeräten entwickelt. Carmen Woisczyk hat es sich angeschaut.

Zuerst wird der Bildschirm im Schredder zerkleinert

Zuerst wird der Bildschirm im Schredder zerkleinert

Indium ist ein silberweißes Schwermetall. In Flachbildschirmen, Handydisplays, Touchscreens und Dünnschicht-Solarzellen wird es jedoch als Indiumzinnoxid, als ein transparenter Halbleiter eingesetzt. Zum Beispiel in einem Fernsehflachbildschirm steckt Indium im Wert von ca. 1 Euro pro m². Wenn der Preis weiter steigt, wird es bald noch viel mehr sein. Die Wiederverwertung lohnt sich also vor allem mit Blick auf die Zukunft.

Das Bildschirmkonfetti besteht aus Glas und Plastik

Das Bildschirmkonfetti besteht aus Glas und Plastik

Bisher wurde Indium kaum wiederverwertet – weil niemand wusste, wie es geht. Prof. Dr. Daniel Goldmann von der TU Clausthal hat ein neues  Recyclingverfahren für das wertvolle Metall entwickelt. Dabei wird der Bildschirm zuerst vom Gehäuse und der Elektronik getrennt und anschließend im Schredder maschinell zerkleinert.

Die kleinen Glas- und Plastikteile sehen nun aus wie Konfetti und kommen in die Laugung. Das heißt, sie werden chemisch behandelt, um das Indium herunter zu lösen.

Im Autoklav wird das Indium aus dem zerkleinerten Bildschirmmaterial herausgelöst

Im Autoklav wird das Indium aus dem zerkleinerten Bildschirmmaterial herausgelöst

Dabei spielen Schwefelsäure, hoher Druck von 6 Bar und Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius eine wichtige Rolle. Es ist so ähnlich wie bei einem Schnellkochtopf: Durch den hohen Druck, er ist ungefähr doppelt so hoch ist wie bei einem Autoreifen, läuft der Löseprozess wesentlich schneller ab.

Eine klare, indiumreiche Lösung. Sie kann nun in einer Metallhütte weiterverarbeitet werden

Eine klare, indiumreiche Lösung. Sie kann nun in einer Metallhütte weiterverarbeitet werden

Nach diesem Prozess befindet sich das gelöste Indium in der Säure. Die festen Bestandteile des Bildschirms werden nun herausgefiltert.

Das Ergebnis ist eine klare Flüssigkeit, die reich an Indium ist. Diese könnte jetzt in einer Metallhütte weiterverarbeitet werden. Doch vom Labormaßstab bis hin zur industriellen Umsetzung des Recyclingverfahrens dauert es noch ein paar Jahre.

Das Recycling-Verfahren im Labormaßstab.  An der Umsetzung wird noch gearbeitet

Das Recycling-Verfahren im Labormaßstab. An der Umsetzung wird noch gearbeitet

Zusammen mit Industriepartnern wollen die Wissenschaftler eine Pilotanlage entwickeln, um den gesamten Prozess hintereinander geschaltet betreiben zu können.

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