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Innovation im Flugverkehr: Lotsenassistenzsystem mit Spracherkennung

26.11.2013, von , in Karte anzeigen

Fluglotsen überwachen den Flugverkehr am Düsseldorfer FlughafenFluglotsen überwachen den Flugverkehr am Düsseldorfer Flughafen (Foto: dpa)

Fluglotsen überwachen den Flugverkehr am Düsseldorfer Flughafen

Ohne die Anweisungen eines Fluglotsen darf kein Flugzeug landen. Lotsen sitzen im Tower eines Flughafens und geben jedem einzelnen Piloten in der Luft vor, in welcher Reihenfolge, Höhe und Geschwindigkeit er die Landebahn anfliegen darf. Das ist keine leichte Aufgabe, denn der Flugverkehr nimmt von Jahr zu Jahr zu und die Verkehrsdichte steigt. Darum sind vor allem auf größeren Airports Lotsenassistenzsysteme mittlerweile unverzichtbar. Diese computergestützten Systeme helfen dem Lotsen, indem sie ihm Flugrouten und Startreihenfolgen für alle ankommenden Flugzeuge vorschlagen. Wissenschaftler des

wollen diese Hilfe nun verbessern und testen ein neu entwickeltes Lotsenassistenzsystem mit Spracherkennung. Carmen Woisczyk war bei den ersten Probedurchläufen dabei.

Spracherkennung erleichert die Arbeit für Fluglotsen (Foto: DLR, Braunscheig)

Spracherkennung könnte die Arbeit von Fluglotsen schon bald erleichtern

Eine Spracherkennung gibt es bei Navigationssystemen im Auto schon länger. Das erkennt die Worte des Fahrers, wenn er zum Beispiel die Route ändern will und die Anweisung mündlich gibt, statt den Befehl per Hand einzugeben. Das Navi versteht die Worte des Fahrers und reagiert, indem es die auf dem Display angegebene Route entsprechend ändert.

Das Team vom Institut für Flugführung des DLR in Braunschweig (Foto: NDR)

Das Team vom Institut für Flugführung des DLR in Braunschweig

So ähnlich funktioniert auch das neu entwickelte Lotsenassistenzsystem, das eine Spracherkennung hat. Projektleiter Prof. Dr. Hartmut Helmke und sein Team vom DLR wollen herausfinden, ob die Spracherkennung zuverlässig funktioniert und dem Lotsen hilft.

Im Test wird der Flugverkehr auf dem Flughafen Düsseldorf am Computer simuliert:
Der Lotse sieht auf einem Radarbild alle wichtigen Informationen wie Höhen, Geschwindigkeiten und Flugrouten von ankommenden Maschinen: 7 Flugzeuge befinden sich im Landeanflug. Jedes wird auf dem Radar als Zahlenkombination angezeigt. Das Assistenzsystem unterstützt den Lotsen und weist jedem Flugzeug nun eine Position zu.

Ein Blick auf den Radarbildschirm

Ein Blick auf den Radarbildschirm: Zwischen den Flugzeugen an Position 3 und 4 ist genug Platz.

Es schlägt dem Lotsen somit vor, in welcher Reihenfolge die Flugzeuge landen könnten. Der Lotse entscheidet jedoch anders und weicht im Test vom Vorschlag des Systems ab. Er gibt dem Piloten an Position 5 die Anweisung über Funk, sich zwischen den Flugzeugen an Position 3 und 4 einzureihen. Denn der Abstand ist dort so groß, dass ein Flugzeug dazwischen passt.
Es funktioniert: Das Assistenzsystem mit Spracherkennung hört die Funkanweisung mit und versteht, dass der Lotse die vorgeschlagene Reihenfolge geändert hat. Sofort reagiert das System und zeigt die geänderte Reihenfolge auf dem Radar an, noch bevor der Pilot in der Luft seine Route geändert hat. Das ist neu.

Die geänderte Flugroute (Foto: NDR)

Die geänderte Flugroute

Bisher erkennen Assistenzsysteme nur anhand der Radardaten, dass der Lotse etwas anderes macht, als das System geplant hat. Es dauert mit den herkömmlichen Assistenzsytemen heute ca. 30 Sekunden bis das System zum Beispiel eine Kurve anhand der Radardaten erkennt. Autofahrer kennen das Problem, wenn sie zum Beispiel einen Stau umfahren wollen und von der Autobahn abfahren, obwohl ihr Navigationssystem noch etwas anderes vorschlägt. Es dauert eine Weile, bis das Navi merkt, dass der Autofahrer schon auf der Landstraße ist und eine Ausweichroute empfiehlt.

Es hat geklappt - der Spracherkenner hat die Funkanweisung des Lotsen an den Piloten sofort auf dem Radarbild umgesetzt (Foto: NDR)

Es hat geklappt – der Spracherkenner hat die Funkanweisung des Lotsen an den Piloten sofort auf dem Radarbild umgesetzt

Durch die Spracherkennung geht es beim Lotsenassistenzsystem nun wesentlich schneller. Der Flugverkehr soll damit optimiert werden, mit dem neuen System könnte Sprit gespart werden. Und für die Lotsen wäre es eine Arbeitserleichterung. Doch bevor das neu entwickelte System im realen Flugverkehr eingesetzt werden kann, muss es noch viele weitere Testläufe bestehen.

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