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Vision: Baustellen ohne Staus und Unfälle

18.11.2013, von , in Karte anzeigen

Stau in Baustelle (Quelle: dpa)

Wissenschaftler wollen Staus und Unfälle in Baustellenabschnitten verhindern

Autobahn-Baustellen sind oft eng, unübersichtlich und unangenehm zu befahren. Vielen Autofahrern sind sie ein Graus. Mit gutem Grund. Zwar passieren in den Baustellen selbst in der Regel keine schlimmen Unfälle, aber davor: Immer mal wieder kracht ein LKW in ein Stauende, sagt Anna Gerhards vom Institut für Straßenwesen an der RWTH Aachen. Und der Stau wird mitunter durch Lappalien, wie einem abgefahrenen Spiegel verursacht. Deswegen erforschen nun Straßenbautechniker und Verkehrspsychologen im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen intensiv das Verhalten von Autofahrern in Baustellen. Mehr als 40 Probanden machen dafür Testfahrten in drei verschiedenen Baustellen in Deutschland, unter anderem auf der A 4 zwischen Kerpen und Düren.

 

Eine hoch moderne Brille: Nicht schick, aber schlau

Stefanie Grimme

Reporterin Stefanie Grimme wurde mit der Eye-Tracking Brille ausgestattet.

Die Probanden, wie die Durchblicker-Reporterin Stephanie Grimme auch, werden dafür mit einem speziellen Equipment ausgestattet.

Zur Messung des Pulses wird ein Brustgurt samt Pulsmess-Uhr angelegt. Ungewöhnlicher ist aber die Eye-Tracking-Brille. Dieses überdimensionierte Brillenmodell verfügt über eine Technik, die genau die Augenbewegungen des Fahrers aufzeichnet. Damit wird festgestellt, ob die Augen sich in unübersichtlichen Situationen nervös  hin- und herbewegen. Zudem ist das Testfahrzeug, ein normaler PKW, mit vielen verschiedenen Mess-Apparaturen ausgestattet:

Geschwindigkeitsmesssystem an Anhängerkuppel

Geschwindigkeitsmesssystem an Anhängerkuppel

Auf der Anhänger-Kupplung ist ein Geschwindigkeitsmesssystem angebracht, das die exakte Geschwindigkeit aufzeichnet. Auf dem Beifahrersitz sind zwei Kameras montiert. Eine filmt durch die Windschutzscheiben den Verkehr, so wie er vom Fahrer gesehen wird. Die zweite ist auf das Lenkrad fixiert, um eventuelle hektische Lenkbewegungen bei unsicherem Fahrverhalten zu beobachten.

 

Fahrverhalten erstmals im Visier der Forscher

Außerdem wird das Fahrverhalten der Probanden auch noch von einem Verfolger-Fahrzeug aufgenommen. Insgesamt zehn verschiedene Daten werden erfasst, die unmittelbar dem Verkehrsgeschehen zugeordnet werden können.

Kameras beobachten alle Reaktionen der Probanden

Kameras beobachten alle Reaktionen der Probanden

Noch nie wurde in Deutschland eine so umfangreiche Analyse des Fahrverhaltens mit realen Testpersonen in Baustellen durchgeführt, sagt Anna Gerhards. Bei der Einrichtung von Baustellen werden bislang hauptsächlich nur technische Gegebenheiten berücksichtigt. Dabei sei der Wohlfühl-Faktor der Autofahrer ebenfalls wichtig. Unsicherheiten verursachen nämlich Staus. Und Staus wiederum verschulden nicht nur Unfälle und verärgern Autofahrer, sie verursachen auch großen monetären Schaden: LKW-Fahrer verbringen viel unnütze Fahrzeit in Staus, Ware verdirbt und der Kraftstoffverbrauch ist hoch.

 

Die Vision: Baustellen ohne Staus und Unfälle

Forscherin Anna Gerhards

Forscher wie Anna Gerhards treten dafür ein, dass Baustellen in Zukunft sicherer werden.

Bei der Testfahrt durch die Baustelle merkt die Durchblicker-Probandin Stephanie Grimme auch ohne auf die Pulsuhr zu gucken, welche Situationen ihr den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Vor allem enge Fahrstreifen und „Verschwenkungen“ der Fahrstreifen auf die Gegenfahrbahn verunsichern viele Autofahrer, haben die Aachener Forscher in ersten Auswertungen festgestellt. Mithilfe der Forschungsergebnisse soll dies beim Einrichten von Baustellen in Zukunft, größere Beachtung finden. Das Ziel der Forscher ist es, Baustellen künftig so sicher wie möglich zu gestalten. Allerdings: Zu komfortabel und breit sollten die Fahrstreifen in Baustellen auch nicht sein. Dann fahren die Autofahrer zu schnell und gefährden die Bauarbeiter.

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