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Altbeton-Recycling mit künstlichen Blitzen

12.11.2013, von , in Karte anzeigen

Volker Thome mit Altbeton - vorher und nachher. (Foto: BR)

Volker Thome mit Altbeton – vorher und nachher.

Recycling von Altglas, Altpapier und Kunststoffen ist heute selbstverständlich. Anders sieht es bei sogenannten Verbundstoffen aus, die aus mehreren Materialien bestehen. In Müllverbrennungsschlacken zum Beispiel befinden sich große Anteile von wertvollen Metallen. Oder Beton: er besteht aus Kies, Sand und Kalk. Wird ein Betongebäude abgerissen, lässt sich der Altbeton nur noch zerkleinern und zum Beispiel für Straßenfundamente nutzen. Ein klassischer Fall von „Downcycling“: hochwertigen Ausgangsmaterialien werden als Gemisch minderwertig wiederverwendet. Im  bayerischen Oberland wird nun eine Anlage erprobt, in der Altbeton in seine wertvollen „Zutaten“ aufgespalten werden kann. Roland Söker war für die Durchblicker bei einem Testlauf dabei.

Volker Thome startet die Fragmentierungsanlage (Foto: Fraunhofer Institut für Bauphysik)

Volker Thome startet die Fragmentierungsanlage (Foto: Fraunhofer Institut für Bauphysik)

Elektrodynamische Fragmentierung nennt sich das Verfahren in der Fachsprache.  Die Anlage steht in einer unscheinbaren Garage in einem Industriegebiet am Rande des Örtchens Holzkirchen. Volker Thome arbeitet schon seit seiner Diplomarbeit am Thema Betonrecycling. In seiner Versuchsanlage liegt der Betonklotz, der recycelt werden soll, in einem mit Wasser gefüllten Zylinder.

Volker Thome an der Fragmentierungsanlage (Foto: BR)

Volker Thome an der Fragmentierungsanlage

Gut verschlossen schickt der Ingenieur dann Blitze im Nanosekundenbereich durch den Behälter. Nur wenn die Blitze so kurz sind, suchen sie sich nicht den Weg durch das Wasser, sondern durch den darin befindlichen Festkörper und sorgen dafür, dass der Klotz sich in seine einzelnen Bestandteile aufspaltet.

Betonklotz wurde wieder in seine Einzelbestandteile zerlegt (Foto:Fraunhofer Institut für Bauphysik )

Betonklotz wurde wieder in seine Einzelbestandteile zerlegt (Foto: Fraunhofer Institut für Bauphysik )

Nach dem Fragmentieren ist das Wasser in dem Gefäß nur noch eine trübe Brühe. Volker Thome schüttet sie durch ein Sieb und schon bleiben saubere Kiesel zurück, die dem Beton beigemischt waren. Durch das Sieb fallen die feineren Fraktionen, Sand und Kalk, die nun in weiteren Prozessen problemlos getrennt werden können. Am Ende könnten sie wieder für Frischbeton verwendet werden. Ein beeindruckendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass jährlich 130 Millionen Tonnen Altbeton allein in Deutschland anfallen.

Müllverbrennungsschlacke - vorher und nachher (Quelle: BR)

Müllverbrennungsschlacke – vorher und nachher

Doch nicht nur Altbeton kann mit der Anlage fragmentiert werden. In einem zweiten Durchlauf befüllt Volker Thome den Behälter mit Schlacke aus einer Müllverbrennungsanlage, eine übel riechende graue Masse, die nur noch für die Deponie taugt. Nach 40 kontrollierten Blitzen in der Fragmentierungsanlage wird daraus eine bunte Mischung kleiner Körner, die sich teilweise schon mit dem bloßen Auge erkennen lassen: Metalle, Eisenstücke, Glas, Keramik – schön sauber könnten sie nun getrennt und dem Stoffkreislauf zugeführt werden. Es bleibt nur ein kleiner Rest von nicht verwertbarem Material.

Noch ist das Verfahren energieintensiv, aber daran arbeiten die Wissenschaftler um Volker Thome. Im kommenden Jahr soll eine Versuchsanlage entstehen, die 20 Tonnen Verbundstoffe pro Stunde auftrennen kann. Als langfristige Vision könnte dann das sogenannte „Urban Mining“ Realität werden, bei dem aus alten Deponien hochwertige Rohstoffe gefördert würden.

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