. .

Ein Projekt von: BR | NDR | SWR | WDR

Beerenauslese im Akkord – Traubensortiermaschine für besseren Wein

05.11.2013, von , in Karte anzeigen

Hochgeschwindigkeitskameras erfassen die wichtigsten Merkmale der Rauben in Sekundenbruchteilen (Foto: dpa)

Hochgeschwindigkeitskameras erfassen die wichtigsten Merkmale der Trauben in Sekundenbruchteilen

Spitzenweine entstehen nicht durch Zufall, sondern durch viel Handarbeit. „Auslesen“ oder „Trockenbeerenauslesen“ heißen nicht nur so, sondern für diese Weine werden tatsächlich einzelne Beeren aussortiert. Mit Menschenauge und –hand! Das macht Spitzenweine auch so teuer. Dieses aufwändige Traubensortieren kann jetzt von einer Maschine erledigt werden. Sie hat keine Augen, sondern Kameras, die in einem Sekundenbruchteil erkennen, welches Potential in einer Weinbeere steckt. Verfahrensingenieure vom Fraunhofer Institut in Karlsruhe entwickeln diese Maschine gemeinsam mit den Weinbau-Fachleuten der Universität Geisenheim im Rheingau. Jetzt zur Weinlese wird der Prototyp ausprobiert und Umweltredakteurin Elke Klingenschmitt hat sich angeschaut, wie der Sortier-Roboter arbeitet – zuerst war sie allerdings noch draußen im Weinberg, wo alles noch traditionell mit der Hand gemacht wird…

Bisher müssen die Trauben mühsam von Hand sortiert werden (Foto: SWR)

Bisher müssen die Trauben mühsam von Hand sortiert werden

Am „Geisenheimer Mäuerchen“ wird traditionell Riesling angebaut. Auf den Versuchsflächen der Universität Geisenheim läuft die Traubenernte gerade auf Hochtouren. Da es sich um Spitzenwein handelt, kommt es darauf an, die Ernte gut zu sortieren: am wichtigsten ist es, die faulen von den gesunden Beeren zu trennen, denn die faulen Beeren erzeugen später eine ganz andere Weinqualität mit einem nicht mehr einwandfreien Aroma. Mit Traktoren werden die reifen Trauben in Aluminiumbehältern gesammelt.

Guter Wein braucht gute Trauben

Das Sortieren geschieht im Moment noch mühsam mit der Hand, doch bald könnte eine neue Technik das übernehmen. Das Karlsruher Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB hat eine Traubensortiermaschine entwickelt, die im Weingut der Uni Geisenheim ausprobiert wird.

 

Video: Die Last mit der Lese – mit automatischer Sortiertechnik zum Spitzenwein
Von Thomas Hillebrandt (SWR/3sat nano)
[media id=18 width=600 height=380]

Die Maschine macht einen Höllenlärm, sie besteht aus einem langen Förderband, das im schnellen Tempo von drei Metern pro Sekunde die Trauben transportiert. Am Ende des Bandes befinden sich hoch empfindliche Kameras, die die Beeren abscannen. Diese Kameras „sehen“ Fremdkörper wie Blätter oder Schnecken, sie „sehen“ auch, ob die Beeren faul sind oder nicht.

Faule Trauben werden weggeblasen

Trauben sortieren im Akkord (SWR)

Trauben sortieren im Akkord

Die Trauben  fliegen an einer Hochgeschwindigkeitskamera vorbei, die bis zu 18.000 Bilder pro Sekunde macht. Jede einzelne Beere wird so erkannt und markiert. Was in anderen Bereichen der Lebensmittelindustrie schon zum Einsatz kommt, etwa bei Kaffeebohnen oder Nüssen, soll sich auch im Weinbau etablieren.  Was schlecht ist, wird von Ventilen zur richtigen Zeit am richtigen Ort mittels Druckluft ausgeblasen.

Große und kleine, reife und unreife, gesunde und kranke Beeren – damit das alles funktioniert, müssen sie ihre Sortiermaschine erst „anlernen“ – damit die Software überhaupt weiß, was gute und was schlechte Trauben sind und was sie aussortieren soll. Dazu geht’s ab ins „Trainingslager“. Mit den vorsortierten Trauben, deren Qualität die Wissenschaftler nun genau kennen, passen sie das System an.

Auch Maschinen müssen lernen

Mit Trauben unterschiedlicher Qualität muss die Trauben-Sortiermaschine erst mal "trainiert" werden. (Foto: SWR)

Mit Trauben unterschiedlicher Qualität muss die Trauben-Sortiermaschine erst mal „trainiert“ werden.

Dazu bestrahlen sie die Trauben mit Licht verschiedener Wellenlängen und messen, welche Beere welches Licht wie stark reflektiert. Je höher zum Beispiel der Zuckergehalt ist, desto stärker wird das Licht gebrochen. Auch die Farbe spielt eine Rolle. So lernt die Software nach und nach, die einzelnen Qualitäten zu unterscheiden. Diese Technik befindet sich noch in der Erprobungsphase. Sie könnte in Zukunft vor allem in Großbetrieben eingesetzt werden, die sich die teure aber effektive Maschine leisten können.

Guter Wein braucht Zeit
Die Wissenschaftler sind sicher, dass ihr System bald Trauben sehr schnell und sehr genau sortieren kann – und die Winzer so besser in der Lage sind, gute Qualität relativ kostengünstig anzubieten. Doch Schnelligkeit ist beim Wein nicht alles. Die Kultur und Tradition des Weinbaus wird auch nach der Einführung neuer Technologien erhalten bleiben – mit ausgezeichnetem Wein aus alten Holzfässern, der genügend  Zeit zur Reife hatte.

Share

Schreibe einen Kommentar

*

Kartendarstellung

Karte
 

Der SWR ist Mitglied der ARD.

Impressum | SWR ©2019