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Eisen, Stahl und Feuer – Archäometallurgen lüften Geheimnis eines Damastschwerts

07.10.2013, von , in Karte anzeigen

Reporter Christoph König assistiert Frank Trommer bei der Herstellung eines Damastschwertes (Foto: SWR)

Reporter Christoph König assistiert Frank Trommer bei der Herstellung eines Damastschwertes (Foto: SWR)

Damals war sie „state oft he art“, Ausdruck der höchsten Schmiedekunst: Die Ingersheim Spatha, ein Schwert, das den Namen seines Fundorts trägt. Es ist aus Damaststahl geschmiedet, der aus vielen verschiedenen Metallschichten zusammengefügt worden ist und zwar so, dass die Klinge ein kunstvoll verschnörkeltes, organisches Muster trägt. Nur haben die Schmiede der Alemannen im sechsten Jahrhundert nicht aufgeschrieben, wie sie das Schwert hergestellt haben.
Frank Trommer will das Geheimnis des alten Schwerts lüften. Aber nicht im Archiv oder bei einer Ausgrabung. Er schwingt selbst den Hammer und sammelt praktische Erfahrungen für die Forschung. Christoph König hat ihn in seiner Schmiede bei Blaubeuren besucht.

Das kunstvoll geschmiedete Spatha aus Ingersheim (Foto:Landesmuseum Stuttgart LMW)

Das kunstvoll geschmiedete Spatha aus Ingersheim (Foto:Landesmuseum Stuttgart LMW)

Die Vorlage für das Langschwert stammt aus dem frühen Mittelalter: Die Klinge besteht aus vielen Schichten Eisen und Stahl, die vielfach miteinander verschmiedet sind und auf der Oberfläche ein organisch wirkendendes Muster bilden.

 

 

 

Für den Nachbau eines Damastschwertes sind viele Arbeitsprozesse erforderlich (Foto: Adler, Traunstein)

Für den Nachbau eines Damastschwertes sind viele Arbeitsprozesse erforderlich

 

Das Steinkohlefeuer glüht weiß, Funken sprühen, die Lüftung dröhnt. Frank Trommer schaut in die Flammen. Er hält ein Paket Metallbündel  mit einer Zange in die Glut. Das Stück das etwa so groß ist wie ein Schokoriegel und besteht aus verschiedenen Streifen Metall mit unterschiedlichem Gehalt an Kohlenstoff.

Das Beste aus zwei Metallschichten

Verschiedene Stadien der Schmiedekunst. Rechts sieht man gut die beiden verschiedenen Metallschichten.

Verschiedene Metallschichten werden kunstvoll zusammengeschmiedet

Eine Schicht ist hart und eher spröde, die andere flexibler, dafür aber weicher. Mit diesem Prinzip haben Schmiede schon im frühen Mittelalter versucht, die Vorzüge der unterschiedlichen Metalle zu verbinden, zum Beispiel wenn Sie Schwerter schmiedeten. Eines dieser Stücke ist Frank Trommers Vorlage: Die Ingersheimer Spatha, ein Langschwert wie es bei den Alemannen zum Einsatz kam, auf dessen Schneide die verschiedenen Metallschichten ein charakteristisches Muster bilden.

 

Auf das Muster kommt es an

Vom Metallpäckchen...

Vom Metallpäckchen…

Anders als die Schmiede früher hat Frank Trommer eine moderne Lüftung, Werkzeug und ein Steinkohlefeuer. Es ginge natürlich auch mit Holzkohle und Blasebalg, sagt er, nur dauere es dann eben länger. Aber nicht die mittelalterlichen Werkzeuge sind diesmal von Interesse. Es geht vor allem um die Nachbildung. Wie ist dieses bestimmte Muster entstanden? Wie muss man den Stahl drehen? Wie viele Schichten muss man in welcher Form miteinander verbinden?

 

Viel Geduld und Ausprobieren

Hämmern, Schmieden, Drehen - in einem Damastschwert steckt sehr viel Arbeit.

Hämmern, Schmieden, Drehen – in einem Damastschwert steckt sehr viel Arbeit.

Mindestens zwei Wochen wird Frank Trommer mit seinem Gehilfen daran arbeiten. Zuerst wird  er Damastrohlinge herstellen, die Rohlinge muss er in sich drehen, dann mit den anderen  Rohlingen verschweißen und wieder flach schmieden, bevor er am Ende Schneidleisten  anbringt und den Feinschliff beginnt. Viel Geduld, Planung und Ausprobieren ist gefragt, um die mittelalterliche Vorlage genau zu treffen.

 

 

Auf dem Weg zur Klinge (Foto: SWR)

…auf dem Weg zur Klinge

Das rotglühende Metallpäckchen ist nach vielen Schlägen auf dem Amboss schmaler, dünner und vor allem länger geworden. Es hat nun nicht mehr die Größe eines Schokoriegels, es ist nun eine Metallstange, etwa einen Zentimeter breit und hoch, dafür vielleicht 30 bis 40 Zentimeter lang: Das Ergebnis, mühevoller körperlicher Arbeit und nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum fertigen Schwert.

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