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Heimische Flusskrebse retten: Das Edelkrebs-Projekt NRW

27.08.2013, von , in Karte anzeigen

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Der in Deutschland heimische Edelkrebs

Früher wurden in Deutschland Flusskrebse oft gesammelt und gegessen. Sie galten als einer der Haupt-Eiweißlieferanten. Mittlerweile ist der deutsche Flusskrebs, der Edelkrebs, vom Aussterben bedroht. Allerdings nicht, weil er zu viel gegessen wurde, sondern die „Konkurrenz“ so groß geworden ist. Der so genannte Signalkrebs aus  Amerika verdrängt den Flusskrebs mehr und mehr. Der Signalkrebs überträgt zugleich eine Pilzkrankheit, die für den heimischen Edelkrebs tödlich ist. In Nordrhein-Westfalen gibt es eine bundesweit einzigartige Rettungs-Kampagne für den heimischen Krebs: Das Edelkrebsprojekt NRW. Hauptaufgabe ist es, alle Bäche und Flüsse auf Krebsvorkommen hin zu untersuchen.

Nachts am Bach wimmelt es: Krebse scheuen das Tageslicht

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Mit Taschenlampe mitten in der Nacht durch den Bach: Die Krebs-Kartiererin Liza Helfen

Mehr als 700 ehrenamtliche Kartierer streifen durch Bäche und Flüsse in Nordrhein-Westfalen, um die Krebse zu zählen. Eine von ihnen ist die Kartiererin Liza Helfen. Sie hat schon zehn Bäche durchkämmt. Dreißig Nächte war sie dafür unterwegs. Denn Krebse sind nachtaktiv und kommen erst in der Dunkelheit aus ihren Verstecken.

Mit sehr stark leuchtenden Taschenlampen wird der Bach, Meter für Meter abgesucht. Um das Wasser nicht aufzuwühlen und keine Tiere totzutreten, hüpft die Kartiererin von Stein zu Stein oder sucht das Wasser vom Ufer aus ab. – Da bewegt sich was im Wasser: Liza Helfen greift geschickt zu und hält einen 5 Zentimeter großen Signalkrebs in der Hand.

Wieder kein Edelkrebs, dafür viele Signalkrebse

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Kampfbereit und knallrot spreizt der Signalkrebs seine Zangen

Im Unterschied zum Edelkrebs hat der Signalkrebs weiße Flecken auf den Scheren-Oberseiten, die so genannten Signalflecken. Liza Helfen notiert auf einer Karte, in welchem Abschnitt im Bach der Krebs gefunden wurde und wie groß er ist. Ziel der Zählung ist es Gewässer ausfindig zu machen, in denen es noch heimische Edelkrebse gibt. Wir finden in diesem Bach nur Signalkrebse. Der Edelkrebs, den es auch hier früher einmal gab, wurde offenbar durch den Signalkrebs verdrängt.

Teufelchen auf Expansionskurs

Je nachdem, wie groß die Population der Signalkrebse ist, werden sie aus Gewässern herausgesammelt und Edelkrebse neu angesiedelt. Wo es noch Bäche mit Edelkrebsen gibt, wird streng geheim gehalten, aber es sind auch nicht viele. In Nordrhein-Westfalen etwa ein Dutzend, schätzt Liza Helfen. Auch wenn sie nicht heimisch sind: Beeindruckend sind auch die Signalkrebse. Etwa handtellergroß, bis zu 15 Zentimetern werden sie lang. Von oben betrachtet schimmern sie etwas bläulich. Wenn sie aber ihre Zangen aufstellen, um sich beim Kampf zu verteidigen, leuchten diese von unten knallrot. Die Krebse wirken so wie kleine Teufelchen.

 

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Durchblicker-Reporterin Stephanie Grimme auf Krebssuche

Die Kartiererin Liza Helfen schätzt die Krebse mittlerweile sehr. Egal, ob es die „guten“ heimischen Edelkrebse oder die „schlechten“ Signalkrebse sind. Essen würde sie beide nicht. Obwohl sie sehr schmackhaft sein sollen.

 

Link zum Thema: Edelkrebsprojekt NRW

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