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Jäger der Nacht: Fledermausforschung

19.08.2013, von , in Karte anzeigen

Meister der Echoortung: Hufeisennasen-Fledermaus (Foto:BR)

Meister der Echoortung: Hufeisennasen-Fledermaus

Sie sind lautlose Jäger der Nacht: Fledermäuse. Und sie sind die Forschungsobjekte am Max Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Klemen Koselj  ist einer der Fledermausforscher dort und ihn interessiert: Wie können Fledermäuse in Gruppen jagen – ohne, dass sie sich beim Echoorten stören? Und für seine Experimente braucht er natürlich auch Fledermäuse, genauer gesagt: Große Hufeisennasen. Die sind in einem Nebengebäude untergebracht, und da ist Hygiene Pflicht. Inklusive grüner Schuhe, die auch unsere Reporterin Yvonne Maier anziehen musste:

Wer hier forscht, ist ein Batman. Oder eine Batwoman. Denn am Eberhard-Gwinner-Str.haben nicht nur Vogelkundler ihre Heimat, sondern auch Fledermausforscher. Und was bedeutet das? Arbeiten im Dunkeln. Um mit den Fledermäusen tagsüber arbeiten zu können, hat Dr. Klemen Koselj hat bei seinen Tieren Tag und Nacht vertauscht – denn Fledermäuse sind bekanntlich nachtaktiv.  Deshalb ist es im Labor tagsüber stockdunkel. Dann sind die Tiere hellwach und bereit für die Testflüge. Nachts strahlen die Lampen und die Fledermäuse schlafen.

Hier wird das Verhalten der Fledermäuse beobachtet und ausgewertet

Hier wird das Verhalten der Fledermäuse beobachtet und ausgewertet

Klemen Koselj treibt die Frage um: Was machen Fledermäuse, wenn sie in Gruppen jagen? Stören sie sich gegenseitig mit ihrer Echoortung  oder nutzen sie die Echos der anderen? Um das zu testen hat er einen quadratischen Flugtunnel gebaut, in dem er immer zwei große Hufeisennasen- Fledermäuse gleichzeitig fliegen lässt. Der Tunnel ist dreieinhalb auf dreieinhalb Meter lang und einen Meter hoch. Einmal im Kreis herum sind also rund 14 Meter Wegstrecke zurückzulegen. In dem Tunnel sind noch zwei Frisbee-Scheiben angebracht, mit denen der Klemen Koselj die Fledermäuse erschrecken kann. Das ist der entscheidende Punkt in seinem Experiment: Die erste Fledermaus wird erschreckt und weicht aus. Was macht die zweite Fledermaus, die noch hinter der Ecke ist? Wird sie auch ausweichen – weil sie die Echos der ersten interpretiert – oder nicht?

Leckereien für Fledermäuse: Mehlwürmer

Leckereien für Fledermäuse: Mehlwürmer

Angelockt durch Mehlwürmer an Angelfäden ziehen die Fledermäuse ihre Runden. Mit Hochgeschwindigkeitskameras wird jede Bewegung aufgezeichnet. Und siehe da, es funktioniert tatsächlich: Zumindest einmal fliegt auch die hintere Fledermaus einen größeren Bogen, wahrscheinlich, weil sie die Echos der vorderen Fledermaus richtig interpretiert.
An einem Versuchstag kann Klemen Koselj nur ein paar wenige Versuchsflüge durchführen, die Fledermäuse sollen sich nicht an die zuckende Frisbee gewöhnen. Bis er also genug hieb- und stichfeste Beweise für seine Vermutung hat, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern. Zeit hat er nur bis November, denn dann werden die Fledermäuse wieder in Bulgarien in die Freiheit entlassen.

 

Video: Die geheimniswolle Welt der Fledermäuse
Wo wohnen Fledermäuse? Wie funktioniert die Echoortung? Warum sind sie nützlich?
(Quelle: Klaus Heblich/SWR)
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Zusatzinfo:
Am 24. /25. August 2013  fand wieder die „International Batnight“ statt: Naturschutzgruppen in ganz Deutschland bieten Exkursionen zum Fledermaus-Beobachten an.
http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/batnight/

 

 

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