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Glockenforschung – Mit Sensor und Laptop im Turmgebälk

13.08.2013, von , in Karte anzeigen

Roland Söker im Interview (Foto: BR)

Roland Söker interviewt den Glockenforscher Michael Plitzner (m.) und Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese

Jede Glocke hat ihren ganz individuellen „musikalischen Fingerabdruck“. Diesen Begriff hat Michael Plitzner entwickelt. Er erforscht an der Fachhochschule Kempten das Gefährdungspotenzial von Glocken, zum Beispiel durch falsches Läuten oder zu massive Klöppel. In einem Messlabor in Kempten hat er Untersuchungsmethoden entwickelt, mit denen er heute vor Ort in Kirchtürmen Glocken prüfen kann. Ob im Petersdom in Rom, in Sacre Coeur in Paris oder im Kölner Dom, die weltweit einzigartige Expertise von Michael Plitzner ist vielerorts gefragt. Roland Söker hat ihn bei der Arbeit im Eichstätter Dom begleitet.

Michael Plitzner misst am Computer (Foto: BR)

Michael Plitzner misst am Computer, ob der neue Klöppel die Willibaldglocke besser schont

Heute ist Michael Plitzner im Südturm des Eichstätter Doms beschäftigt. Dort hängen drei wertvolle Glocken aus dem 13. Jahrhundert, darunter auch die Willibaldsglocke. Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese hatte im Rahmen einer Sanierung zunächst alle Glocken durch die Kemptner Fachhochschule untersuchen lassen. Aufgrund seiner Messungen „verordnete““Michael Plitzner dem Geläut neue, leichtere und glockenschonende Klöppel.

Heute ist der große Tag der abschließenden Messungen nach dem Einbau der neuen Klöppel.

Die Willibaldsglocke beim Test (Foto: BR)

Die Willibaldsglocke beim Test

Michael Plitzner turnt im Gebälk herum und befestigt Sensoren mit Klebestreifen an der Glocke. Diese Sensoren werden an sein Computerprogramm angeschlossen und liefern genaue Daten über die Belastungen, die der Klöppel an der Glocke verursacht. Im Idealfall „küsst“ der Klöppel die Glocke nur, wie Michael Plitzner sagt. Dann lautet sein Kommando: „Messung läuft“ und die Glocke läutet in einem fünfminütigen Testlauf. Anschließend kann Michael Plitzner die Messergebnisse direkt auf dem Bildschirm abrufen. Thomas Winkelbauer ist zufrieden. Die Beanspruchung seiner 750 Jahre alten Schätze ist deutlich geringer, als zuvor – und die Glocken klingen sogar besser.

Thomas Winkelbauer begutachtet den neuen Klöppel (Foto: BR)

Thomas Winkelbauer begutachtet den neuen Klöppel

Und finanziell lohnt sich das Forschungsprojekt auch noch. In der zur Diözese gehörenden Pfarrkirche St.Peter in Kastl trat vor einiger Zeit in die Glocke mit dem bezeichnenden Namen „Stürmerin“ ein Sprung auf. Der Aufwand, sie aus dem Turm zu hieven, sie wieder zu reparieren und wieder einzubauen, war deutlich höher, als eine Ermittlung des musikalischen Fingerabdrucks und darauf abgestimmte Maßnahmen gekostet hätten.

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Kommentare zu „Glockenforschung – Mit Sensor und Laptop im Turmgebälk“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

  1. ute Cürten, 77746 Schutterwald
    schreibt am 14. August 2013 13:52 :

    Sehr geehrte Damen und Herren!
    Kann man ein Manuskript der Sendung über die Glockenforschung bekommen? Wir wollen in
    nächster Zeit einen Glockenturm bauen und die dazu gehörenden Glocken kaufen. Viele Diskussionen laufen, Glockengießereien wurden besichtigt. alles, was hilfreich ist wird gesucht
    und zusammengetragen. Bitte helfen Sie mit einem Beitrag!
    Mit freundlichen Grüßen Ute Cürten

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