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Auktionsfieber – Zocken für die Wissenschaft

16.07.2013, von , in Karte anzeigen

Im Auktionsfieber - beim gegenseitigen Überbieten kochen die Emotionen

Im Auktionsfieber – beim gegenseitigen Überbieten kochen die Emotionen

Das Klischee ist bekannt: Börsenmakler sind vollkommen rationale, vernunftgesteuerte Menschen, die täglich ganz cool und gelassen ihre Millionengeschäfte abhandeln. Forscher der Informationswirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigen mit ihren Experimenten, bei denen Probanden virtuell Objekte ersteigern müssen, etwas anderes: der Homo Oeconomicus lässt sich stark von Emotionen leiten und verleiten, sein neuronales Gefühlszentrum überlagert oftmals die Ratio. Rebecca Müller hat das mal ausprobiert.

Reporterin Rebecca Müller wird verkabelt

Reporterin Rebecca Müller wird verkabelt. Links im Bild: Versuchsleiter Marc Adam.

In ihrer Studie, in der insgesamt 90 Teilnehmer unter Laborbedingungen fiktive Produkte ersteigert haben, bewiesen die Karlsruher Forscher unter der Leitung von Dr. Marc Adam, dass der Endpreis bei Auktionen – sei es bei Ebay oder an der Börse – immer auch von der Anspannung der Bieter abhängt. Um das zu belegen, wurden während der Tests per Elektroden die Herzraten und Hautwiderstände der Teilnehmer gemessen. Marc Adam betont, dass mit diesem Versuchsaufbau eine entscheidende Lücke in der Beobachtung geschlossen worden sei: Bislang wurden entweder per Kernspintomograph die für Emotionen verantwortlichen Hirnareale bei den Probanden untersucht.

Beim Bieten sind Gefühle wichtiger als die Vernunft

Beim Bieten sind Gefühle wichtiger als die Vernunft

Oder die Teilnehmer berichteten nach der Auktion über ihr subjektives Empfinden. Die Karlsruher haben die physiologische Daten dagegen während der laufenden Auktion erhoben, von mehreren Probanden gleichzeitig, die gegeneinander antraten. Das erhöhte die Genauigkeit und Realitätsnähe.
Außerdem haben die Forscher damit belegt: Bieter wollen ab einer gewissen Anspannung ihren Nervenkitzel weiter ausreizen und ihr Gebot hinauszögern – und sind bereit, dafür deutlich mehr zu bezahlen, als sie sich vorgenommen haben oder sich gar leisten können. „Herzfrequenz und Hautleitwerte haben uns gezeigt, dass sich Verlieren schlimmer anfühlt, als Gewinnen schön ist“, so Marc Adam.

Versuchsleiter Marc Adam erklärt das Versuchsergebnis

Versuchsleiter Marc Adam erklärt das Versuchsergebnis

Mit diesem Wissen will das Karlsruher Forscherteam jetzt Coachings für Finanzhändler entwickeln, wodurch sie Emotionen bewusster steuern und nutzen können. Denn Gefühle vollkommen unterdrücken kann auch der coolste Broker nicht –  das hat das KIT ein für allemal bewiesen.

 

 

 

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